Um- und Ausbau: So geht Publicis Zürich in die Zukunft

Neuer CEO, neue Positionierung, neuer Kunde: Nach dem CEO-Wechsel bei der Publicis Groupe im vergangenen Jahr stehen nun auch bei Publicis Zürich grosse Veränderungen an. Matthias Koller ist der neue CEO der Werbeagentur.

An der Stadelhoferstrasse 25 blieb im vergangenen Jahr kaum ein Stein auf dem anderen: Ende 2020 übernahm Alexander Haldemann die CEO-Position der Publicis Groupe in der Schweiz. Zur Publicis Gruppe in Zürich gehören die Agenturen Publicis Zürich, Saatchi und Saatchi, Leo Burnett, Notch, Meta Design, Publicis Media, Publicis Sapient sowie das Production House Prodigious. Die Publicis Groupe in der Schweiz wird durch die Agenturen Publicis Lausanne und der Eventagentur Publicis Live aus Genf komplettiert.

Nun erfolgte der nächste Akt: der Umbau von Publicis Zürich. Die Geschäftsleitung von Publicis Zürich wurde komplettiert, zudem konnte die Agentur zahlreiche neue Mitarbeitende verpflichten.

Neuer CEO…

Per 1. November 2021 hat Matthias Koller, bislang Managing Director von Publicis Zürich, als CEO die Leitung der Agentur übernommen. Der 42-jährige blickt auf eine lange Karriere bei Publicis zurück. Bereits 2010 stieg Koller ins Unternehmen ein und hat die Agentur in den vergangenen elf Jahren stark mitgeprägt.

Koller schliesst im Januar 2022 seinen EMBA in «Digitaler Transformation» an der Fachhochschule Graubünden ab. Seine grösste Herausforderung wird es denn auch sein, diese bereits begonnene Transformation voranzutreiben. «Natürlich gibt es immer noch Wege, wie wir besser, schneller und flexibler werden können. Wie wir noch enger und agiler mit unseren Kunden zusammenarbeiten können», so Koller. «Das kollaborative Erschaffen von kreativen Erlebnissen entlang der gesamten User Journey wird in den kommenden Jahren daher ein Schwerpunkt unserer Agentur sein. Von Content-Kreation über Informations- und Datenverarbeitung hin zur automatisierten Auslieferung, aber natürlich nach wie vor auch für grosse Ideen für grosse Marken wollen wir die erste Adresse sein.»

Peter van der Touw, Member of the Group Executive Board, ist überzeugt, dass Koller als CEO die Transformation der Agentur weiter vorantreiben wird: «Matthias hat sich in den vielen Jahren bei Publicis Zürich einen Track-Record erarbeitet, der sich sehen lassen kann. Dementsprechend sind wir überzeugt, mit ihm als neuen CEO der Agentur die kommenden Veränderungen und Herausforderungen zu meistern. Zur Beförderung wünschen wir ihm und seinem Team alles Gute und viel Erfolg auf der weiteren Reise unter der Publicis-Flagge und gratulieren herzlich.»

Matthias Koller, neuer CEO von Publicis Zürich.

… neue Positionierung …

Gleichzeitig mit der Neubesetzung der CEO-Position wurde auch die Agentur neu positioniert. «Lange war Publicis Zürich gegen aussen vor allem eines: die grösste Werbeagentur der Schweiz. Wofür wir stehen und was unsere Vision ist, war hingegen kaum wahrnehmbar», fährt Koller fort. «Mit der Neupositionierung ändern wir das nun grundlegend.» Fortan solle Publicis vor allem für Kreativität stehen, die mit anpackt. «Für Kreativität, die die Herausforderungen unserer Kund*innen aktiv angeht und mithilft, Wachstum zu generieren. Und natürlich für eine geballte Ladung Expertise.» Unter anderem durch die weltweite Initiative «The Power of One», dem Netzwerk und den vielen Agenturinternen Spezialist*innen sei die Agentur bestens gerüstet. «Genau das ist es auch, was unsere Kund*innen heute von uns verlangen», meint Koller. «Vielfältige und spezialisierte Expertisen, die nahtlos ineinander verzahnt sind und so grösstmögliche Effizienz schaffen. Reibungslos und im besten Falle ohne, dass der Kunde merkt, dass er mit mehr als einer Agentur zusammenarbeitet».

Die Neupositionierung der Agentur basiert auf konkreten Insights, die in Interviews mit CMOs und Marketingleiter*innen von Schweizer und internationalen Unternehmen gewonnen wurden.

… und neu auch mit Victorinox im Portfolio

Die konsequente Ausrichtung auf das nahtlose Zusammenbringen verschiedenster Spezialist*innen manifestiert sich bereits in einem Neukundengewinn. Nach einer intensiven Agentur-Evaluation konnte sich Publicis den Zuschlag für die strategische Weiterentwicklung der begehrten Schweizer Marke Victorinox sichern.

Bereits während der Evaluation sei die Zusammenarbeit zwischen Publicis Zürich und Victorinox eng und kollaborativ gewesen und reibungslos abgelaufen. In einem nächsten Schritt soll das strategische Fundament für die kommenden Kampagnen weiter geschärft werden, in der Mitte des nächsten Jahres werden die ersten Arbeiten zu sehen sein.


INTERVIEW

«Zuallererst muss man sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein»

Matthias Koller, der neue CEO von Publicis Zürich, spricht mit Johannes Hapig von m&k Werbewoche.ch über die ursprünglich «grösste Werbeagentur der Schweiz», die nun aber den Weg der Transformation eingeschlagen hat.

 

Johannes Hapig: Matthias Koller, Publicis Zürich transformiert sich stark. Was sind dabei die grössten Herausforderungen? 

Matthias Koller: Um sich zu transformieren, muss man sich zuallererst der eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein. Man kann natürlich abschätzen, was man gut kann und was etwas weniger. Aber gerade wir Werber sind ziemlich gut darin, uns einzureden, dass wir etwas wirklich toll machen. Eine fundierte Analyse und vor allem das Feedback von bestehenden und potenziellen Kund*innen und Partnern sind darum essentiell. Auch wenn es nicht immer einfach ist, dies anzunehmen.

 

Was folgt danach?

Dann gilt es im Führungsgremium einen Konsens zur neuen Positionierung zu finden. Und weil’s den wohl nie zu hundert Prozent gibt, sucht man nach einer mehrheitsfähigen Ausrichtung. Erst, wenn alles sauber auf Papier definiert wurde, jedes Wort sitzt und man denkt «Wow, das ist jetzt ziemlich cool», kommt der wohl wichtigste Teil, nämlich konkrete Massnahmen zu definieren, welche diese Ausrichtung zum Leben erwecken. Dabei ist das Involvement der Mitarbeitenden ein entscheidender Faktor. Es braucht Menschen, die daran glauben und etwas verändern wollen. Davon gibt es bei Publicis Zürich zum Glück nicht nur ein paar.

 

Wie haben Sie persönlich bisher diese «Zeiten des Wandels» erlebt? 

Sehr intensiv. Und auch unglaublich kollaborativ und motivierend. Ich habe viel Freude an der engagierten und hervorragend eingespielten Geschäftsleitung, die wir zusammengestellt haben. Vor allem auch, weil einige Mitglieder erst dieses Jahr hinzugestossen sind. Noch wichtiger für mich war aber, dass die Mitarbeitenden über alle Stufen hinweg einen so grossen Einsatz an den Tag gelegt und viel Verständnis aufgebracht haben, wenn wir vertrösten mussten, wenn beispielsweise etwas noch nicht klar definiert werden konnte. Aber es hat sich gelohnt – und ich spüre eine positive Aufbruchsstimmung in der Agentur.

 

Publicis Zürich soll nicht mehr nur als «grösste Werbeagentur des Landes» wahrgenommen werden, sondern für «Kreativität, die mit anpackt» stehen. Was bedeutet das im alltäglichen Kundenkontakt? 

Wir wollen noch stärker KPI-basiert arbeiten, die konkreten Ziele und Business Challenges unserer Kunden verstehen und dabei helfen, diese zu lösen. Kreativität ist kein Selbstzweck, sondern soll dazu dienen, echte Probleme zu lösen. Und sie soll vor allem eines: Wachstum generieren.

 

Welche Veränderungen haben Sie als neuer CEO angestossen?

Sie formulieren es goldrichtig. Ich habe diese Themen angestossen, umsetzen aber durfte ich sie zusammen mit einem grossartigen Team. Als erstes ging es mir darum, gemeinsame Werte in der Agentur zu definieren und die Firmenkultur zu verbessern. Dafür habe ich eine anonyme Mitarbeiterbefragung und Kulturanalyse durchgeführt, mit einem interdisziplinären Team über alle Hierarchiestufen hinweg Werte definiert und konkrete Massnahmen erarbeitet, von welchen bereits einige umgesetzt werden konnten und heute gelebt werden.

 

Der Einbezug aller Mitarbeitenden ist also ein gewichtiges Thema.

Es ist mir ein grosses Anliegen, dass bei uns Teamarbeit grossgeschrieben wird, sowohl intern als auch mit unseren Kunden. Egal, wie agil und in welchem Grad des Co-Workings. Ein weitere grosser Punkt war aber natürlich auch die bereits erwähnte neue Value Proposition und Ausrichtung, die bedingt, dass man in gewisse Bereiche investiert und das Dienstleistungsangebot anpasst.

 

Mit der Agentur MetaDesign, die aus dem Seefeld in die Innenstadt gezügelt ist, sind Sie räumlich zusammengewachsen. Und auch sonst verändern sich Ihre Work-Spaces. Welche Bedeutung hat Agentur-Raum heute noch für kreative Arbeit? 

Einen wichtigen. Es ist unabdingbar, dass jeder und jede Mitarbeitende und jede Agentur einen Heimathafen hat. Die unterschiedlichen Agenturen haben ja nicht nur unterschiedliche Auftraggebende und verschiedene Kernkompetenzen, sondern eben auch unterschiedlich ausgeprägte Kulturen, Rituale und Marotten. Diese sind zentral für das Zusammengehörigkeitsgefühl, den kollegialen Austausch und die Motivation innerhalb jeder Agentur. Es ist aber ebenso wichtig, dass sich alle Mitarbeitenden von Publicis Zürich als Teil eines grösseren Teams fühlen.

 

Wann kommen die neuen Co-Working-Spaces ins Spiel?

Wenn wir mit Schwester-Agenturen wie Publicis Media oder Meta Design gemeinsam auf Projekten und Kunden arbeiten. Diese Art von Zusammenarbeit wollen wir weiter fördern und ausbauen: Unsere Kund*innen sollen gar nicht merken, dass sie mit verschiedenen Agenturen zusammenarbeiten, sondern friktionslos die beste Expertise im richtigen Moment für ihre Bedürfnisse erhalten. Für die agenturübergreifende Zusammenarbeit und die Kollaboration werden die Co-Working-Spaces Gold wert sein und wir freuen uns sehr auf den Moment, in dem sie endlich volle Fahrt aufnehmen können.

 

Wie geht es jetzt konkret weiter?

Zuerst bringen wir den Endjahres-Run hinter uns und dann feiern wir Weihnachten. Im neuen Jahr werden wir uns vor allem darauf fokussieren, die Veränderungen mit Klarheit und beständig umzusetzen. Denn auch die ganz grossen Veränderungen sind nicht mehr als eine Ansammlung von ganz vielen Kleinen.

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