«In die Zukunft investieren – mit mutigen, differenzierenden und strategisch cleveren Massnahmen»

Sie haben es schon wieder getan. Lajos Vizner und Guillaume Borel von Vizner Borel erklären im Interview mit Werbewoche.ch, weshalb ihre Agentur erneut auf dem Cover der aktuellen Werbewoche ist, und wie es der Werbebranche nach einigen Monaten Pandemie geht.

ViznerBorel

«Verkauft: ViznerBorel»: Die September-Ausgabe der Werbewoche ist – wie bereits die vorherige – mit zwei Covern erschienen.

Werbewoche.ch: Im Juli warb Ihre Agentur mit dem überraschenden Claim «Zu verkaufen: ViznerBorel» auf dem Cover der Werbewoche. Welche Reaktionen haben Sie auf diese Anzeige erhalten? 

Lajos Vizner: Wir haben jede Menge positive Resonanz erhalten. Von «sehr inspirierendes Interview», «es passt so zu euch» bis hin «nicht nur der Aufmacher ist gut, ihr schliesst auch den Kreis sehr schlüssig. Ich habe derzeit ausser euch keine Agentur gesehen, die mit etwas wirklich Klugem aufgetreten ist.» Wir haben mit dieser Aktion sicherlich auf uns aufmerksam gemacht und Mut bewiesen, auch wenn die Kaufangebote ausgeblieben sind (lacht).

 

In der September-Ausgabe legen Sie nun nach: «Verkauft: ViznerBorel» steht auf dem Werbewoche-Cover. Warum haben Sie sich entschieden, kommunikativ nochmals einen Schritt weiter zu gehen? 

Guillaume Borel: Nur Kommunikation, bei der ein Funke springt, entfacht ein Feuer. Für uns war von Anfang an klar, dass diese Aktion eine Auflösung braucht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Nachdem wir fast fünf Monate blockiert waren, gilt es nun, einen weiteren Schritt vorwärts zu gehen.

 

Wie muss man das verstehen, dass Sie blockiert waren?

Vizner: Während des Lockdowns war es schwierig, Neugeschäft zu generieren. Die Kunden waren mehrheitlich mit sich selber und der Bewältigung der Krise beschäftigt, was ja auch verständlich ist. Nach der Öffnung Mitte Juni war bei allen die Unsicherheit noch sehr gross und der Tanker musste zuerst wieder langsam Fahrt aufnehmen. Danach kamen die grossen Sommerferien, wo sich viele solidarisch mit der Schweiz erklärt und die Schönheit des Landes entdeckt haben. Während all dieser Zeit blieb uns nichts anderes übrig, als positiv und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und uns als Agentur immer wieder in Erinnerung zu rufen. Schlussendlich weiss niemand, wie sich das alles noch entwickeln wird. Daher gilt und sollte das Motto bei allen heissen, in die Zukunft zu investieren und zwar mit mutigen, differenzierenden und strategisch cleveren Massnahmen und Kampagnen.

ViznerBorel

Auf der zweiten Umschlagseite zeigen Sie Arbeiten, die Sie erfolgreich realisiert haben. Warum genau diese Projekte?

Vizner: Diese Arbeiten stehen stellvertretend für den Stil unserer Agentur. Gerade kürzlich mussten ich eine Agenturpräsentation zusammenstellen. Dabei ist es mir einmal mehr nicht leichtgefallen, eine Auswahl zu treffen. In den vergangenen 17 Jahren haben wir viele hervorragende Arbeiten für unsere Kunden realisieren dürfen. Jede einzelne Kampagne ist dabei einfach strategisch clever gedacht, hat eine starke, differenzierende und nachhaltige Idee, wo der Funke auf den Konsumenten überspringt und ein Feuer entfacht. Das macht uns stolz, weil hinter all diesen Aufträgen viel Herzblut und ehrliche Beratungs- und Kreationsqualität steckt, welche als einziges Ziel haben, die Produkte und Dienstleistungen unserer Kunden beim Konsumenten an die Frau oder den Mann zu bringen. Branchen-Awards haben uns noch nie interessiert. Damit können sich unsere Kunden und wir uns nichts kaufen. Übrigens, auf die neulich gehaltene Agentur-Präsentation erhielt ich nachträglich eine WhatsApp-Nachricht mit folgendem Inhalt: «Wow! Herzliche Gratulation! Ich kenne doch viele Agenturen, aber eure Präsentation hat wirklich überzeugt. Ihr macht ganz tolle Sachen!»

 

Parallel zum Juli-Cover sagten Sie zu Werbewoche.ch im Interview, die Corona-Situation sei desaströs für die Werbebranche. Sehen Sie mittlerweile eine gewisse Erholung?

Borel: Jein. Wie eingangs erwähnt ist die Zurückhaltung und Verunsicherung nach wie vor gross. Für viele von uns ist es immer noch ein Tanz auf sehr dünnem Eis. Es sind zwar Tendenzen spürbar, die in eine andere Richtung weisen. Aber solange Covid-19 nicht besiegt ist, wird es ein Spiel mit dem Feuer bleiben. Glücklicherweise bringen wir ja im Umgang mit Feuer einiges an Erfahrung mit (lacht).

 

Aktuell steigen die Covid-Fallzahlen wieder. Falls uns im Herbst oder Winter ein zweiter Lockdown drohen sollte – was passiert dann mit der Agenturbranche? 

Borel: Die Schweizer Wirtschaft wird sich einen zweiten Lockdown nicht leisten können. Zu schwerwiegend wären die Konsequenzen. Ich kann mir vorstellen, dass einzelne Städte oder Regionen in Quarantäne gestellt werden. Uns allen bleibt nur, damit zu leben und das beste aus der Situation zu machen. Sollte es aber wider Erwarten zu einem zweiten Lockdown kommen, wird es wohl zum grossen Agentursterben kommen und zudem die ganze Schweizer Wirtschaft so richtig durchschütteln.

ViznerBorel
Lajos Vizner (links) und Guillaume Borel (rechts) wünschen sich für die Gesellschaft, dass bald wieder eine gewisse Normalität einkehrt.

Tut die Politik genug, um der Werbeindustrie – immerhin ein Wirtschaftszweig mit vielen tausenden Angestellten – den Rücken zu stärken?

Borel: Die Politik tut, was sie kann. Mit dem Modell der Kurzarbeit kann einiges etwas abgefedert werden. Dies wird aber auch kein Dauerzustand sein. Die Werbeindustrie, ohne darüber diskutieren zu müssen, ist stark betroffen, aber es gibt andere Wirtschaftszweige, denen geht es richtig schlecht, wie zum Beispiel die Reise-, Touristik- und Eventbranche – oder all jene Einzelunternehmungen, die täglich um ihre Existenz kämpfen.

 

Wenn Sie einen Wunsch für die letzten Monate des «annus horribilis» 2020 äussern könntet, wie würde der lauten? 

Vizner: Für die Welt gesprochen wünschen wir uns, dass Covid-19 so rasch als möglich besiegt wird, um wieder in eine gewisse Normalität überzutreten. Obwohl nichts mehr so sein wird wie es war. Für uns wünschen wir Grosskunden aus dem Detail- und Retailhandel, sodass wir unsere Energie und unser «feu sacré» für das Erarbeiten von nachhaltigen, differenzierenden Strategien und Kampagnenideen einsetzen können, wie wir das in der Vergangenheit schon für Kunden wie Porsche, Denner, UPC, Migrolino, Ikea und viele mehr tun durften. An dieser Stelle gebührt ein grosses Dankeschön an alle unseren bestehenden Kunden für ihre Loyalität und Treue zu ViznerBorel. Es zeigte sich einmal mehr, dass, wenn Kunde und Agentur als Team auftreten und das selbe Ziel verfolgen, dass selbst in schwierigen Zeiten, mit einem partnerschaftlichen, professionellen Umgang und viel Vertrauen Unmögliches möglich gemacht werden kann.

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