Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 1: Peter Brönnimann, Publicis

Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff – auch die Kreativbranche. Sie verlagert grossflächig ins Homeoffice. Werbewoche.ch startet deshalb eine Serie, in der das Berufsleben am heimischen Laptop beleuchtet wird. Den Anfang macht Peter Brönnimann, Creative Director von Publicis.

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Peter Brönnimann ist Creative Director bei Publicis Communications. Der zweifache Familienvater ist Präsident der Ad School Schweiz und Vorstandsmitglied des Art Directors Club Schweiz. Brönnimann war 2013 «Werber des Jahres».

 

Werbewoche.ch: Seit wann befinden Sie sich im Homeoffice?

Peter Brönnimann: Publicis hat bereits am letzten Freitagnachmittag entschieden, dass ab Montag die ganze Agentur Homeoffice machen wird für mehrere Wochen.

 

Hatten Sie bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Höchstens mit Rückenproblemen. Weder der Stuhl noch das Bürotischchen zu Hause waren fürs stundenlange Sitzen gemacht. Ich bin deshalb am Sonntag rasch in die Agentur gefahren und habe meinen Bürostuhl nach Hause genommen. Und um den Tisch etwas höher zu machen, habe ich unter die Tischbeine vier dicke ADC-Schweiz-Bücher gelegt.

 

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Wir haben ein Fernseh- und Bürozimmer, in dem ich arbeite und das ich mit «Publicis Stäfa» angeschrieben habe. Nicht nur als Witz, sondern damit ich Arbeitszeit und Freizeit besser trennen kann. Hier wird gearbeitet, gelesen wird an anderen Orten.

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Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Ich brauche vor allem gute Verbindungen zu Publicis Höngg, Publicis Wollishofen, Publicis Turnerstrasse und vielen weiteren Publicis-Homeoffices. Möglich macht das im Moment vor allem Microsoft Teams, WhatsApp und Sunrise.

 

Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?

Wir haben das Glück, dass unsere Kinder 18 und 15 Jahre alt und also selbständig sind. Trotzdem ist es eine ganz neue Situation, wenn plötzlich alle vier Familienmitglieder ständig 24 Stunden im gleichen Haushalt sind. Wir praktizieren deshalb während den Arbeits- und Schulzeiten «Social Distancing» – wegen des Familiensegens. Bis jetzt mögen wir uns alle noch.

 

Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Als ich vor Jahrzehnten zu Hause für Prüfungen lernte, ging ich regelmässig zum Kühlschrank, ass immer wieder Schoggijogurt und nahm entsprechend zu. Als Folge davon wechselte ich in die Uni-Bibliothek. Nun kann ich das nicht. Ich hoffe, dass ich – wenn’s wieder losgeht – nicht 30 Kilo schwerer bei Publicis auftauche.

 

Aufgrund der ersten Erfahrungen: Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig?

In der Kreation kommt man oft halbzufällig zusammen, spricht etwas über nichts, woraus sich dann plötzlich eine Idee ergibt. Diese schnellen und eben oft ungeplanten Interaktionen fehlen nun. Richtig schwierig im Moment ist aber natürlich die Situation an und für sich. Diese Corona-Epidemie ist ein Jahrhundertereignis und wird grausame Auswirkungen haben in ganz vielen Bereichen. Zudem müssen wir als Kreative Monate im Voraus denken. Das ist im Moment schwierig, sich beispielsweise vorzustellen, wie die Leute sich im Juni fühlen werden.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Eigentlich das meiste, wir haben alle Tools und also alle Möglichkeiten. Ganz spontan nach Tag 1 mag ich als Kreativer vor allem die Ruhe beim Arbeiten. Nicht immer unterbrochen werden von Sitzung hier und Besprechung da. Die kurzen Videocalls statt Sitzungen sind sehr effizient.

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Sollte die Homeoffice-Phase länger dauern: Was tun sie dagegen, dass Ihnen nicht die Decke auf den Kopf fällt?

Ich habe mir vorgenommen, morgens und abends für einen künstlichen Arbeitsweg zu sorgen und also ein bisschen laufen zu gehen.

 

Was vermissen Sie am meisten am physischen Agenturalltag?

Die Jans und Daves, die Pablos und Priskas, die Thomas’ und Anninas und ganz viele andere, mit denen man täglich zusammenarbeitet. Zudem die emsige Bienen-Atmosphäre in der Kreation. Hier im Homeoffice ist es zwar wunderbar ruhig, aber eben auch schrecklich ruhig.

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Homeoffice ist unglaublich leicht. Diese Erfahrung wird die Dienstleistungsgesellschaft wohl nachhaltig zum Guten verändern und viel flexibler machen. Ich glaube auch, dass solche aussergewöhnlichen Situationen einen als Team zusammenschweissen, wohl sogar die ganze Gesellschaft.

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Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff. Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Auch die Werbe- und Kommunikationsbranche verlagert den Betrieb grossflächig ins Homeoffice. Mit der Serie «Grüsse aus dem Home Office» beleuchtet Werbewoche.ch den Berufsalltag in den heimischen vier Wänden.

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