Kreativität im Chaos: Mieke Haase über die Werbezukunft mit KI

Mieke Haase, Chief Creative Officer und Partnerin bei Loved, sprach auf den Creative Days des ADC Switzerland über die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in der modernen Werbung. Ihr Vortrag passte perfekt zum Motto «Nonplusultra».

Mieke Haase hat ihre Karriere klassisch in der Werbung bei Springer und Jakoby begonnen, bevor sie den Wechsel ins Branding vollzog und ihre eigene Agentur gründete. Heute arbeitet sie bei Loved. Auf die Frage, warum sie in der Werbung geblieben ist, antwortet sie postwendend: «Ich kann nichts anderes.»

Haase beschreibt «Chaos» als wesentlichen Bestandteil kreativer Prozesse. Sie erläutert, dass Chaos Vielfalt und Kreativität fördert, insbesondere in der Arbeit mit Prompts in der KI. Prompts ermöglichen es, Kontrolle abzugeben und unerwartete Ergebnisse zu erzielen. Ein aktuelles Projekt, bei dem KI zum Einsatz kam, war die Erstellung eines WLAN-Zeichens auf einem Pool für Sunrise. Statt eines aufwändigen Shootings wurde das Bild im Rain Studio von Loved mit KI erzeugt, was Zeit und Ressourcen sparte und Raum für bessere Ideen schuf.

Haase betont, dass KI nicht nur Shootings ersetzen kann, sondern auch Bilder erzeugt, die anderweitig unmöglich wären. Die gewonnene Zeit wird in kreativere Ideen investiert, was für Kunden einen Mehrwert darstellt. Ihr Lieblingstool ist MidJourney, das sie während einer Krankheitsphase entdeckte und autodidaktisch erlernte. Sie schätzt besonders die Kreativität und die dialogische Arbeitsweise, die das Tool ermöglicht. Für Haase ist es wichtig, diese Erfahrungen und Techniken an den Nachwuchs weiterzugeben, um sicherzustellen, dass kreative Qualität erhalten bleibt und gefördert wird.

Zum Thema Nachwuchs und Qualität rät Haase jungen Kreativen, mehr Zeit in Museen und Bücher zu investieren, um aus einem reichen Erfahrungsschatz zu schöpfen, anstatt sich nur auf Plattformen wie Pinterest zu verlassen. In der Agenturarbeit wird KI oft für Moodboards genutzt. Haase betont jedoch, dass es darauf ankommt, KI so zu nutzen, dass die Ergebnisse nicht sofort als solche erkennbar sind, sondern durch ihre Qualität überzeugen.

Abschliessend spricht Haase über die Notwendigkeit, generalistischer zu denken und Prozesse zu hinterfragen. In der heutigen Zeit sei es wichtig, produktiv und innovativ zu sein und nicht nur auf die Möglichkeiten der KI zu setzen, sondern diese sinnvoll und zielgerichtet einzusetzen. Das Zeitalter des kreativen Generalist:innen sei angebrochen, wo es weniger um Spezialist:innen, sondern um die Fähigkeit geht, virtuos zu kombinieren.

Das vollständige Interview mit Mieke Hasse ist im Video als Teil des Fachbeitrags verfügbar.

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