Swisscom verschiebt Beem-Kampagne nach Unmuts-Bekundungen

Der Start der Werbetechnologie Beem verläuft harziger, als Swisscom sich das vorgestellt hat. Die Skepsis gegenüber der Neuerung ist gross, App-Partner Watson hat sich ausgeklinkt.

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Wie die NZZ am Sonntag schreibt, hätte die Launch-Kampagne, welche Swisscom zusammen mit den Partner-Apps und Werbekunden lancieren will, am Samstag starten sollen. Für den kommunikativen Launch zeichnet die Winterthurer Agentur Partner & Partner verantwortlich (Werbewoche.ch berichtete). Daraus wurde nichts, die Kampagne musste verschoben werden. Die Technologie habe für Unsicherheit gesorgt, sagt ein Sprecher zur Zeitung. Das bedeutet: Watson, einer der drei App-Partner, hat beschlossen, Beem vorerst nicht anzubieten, weil die Reaktionen teilweise heftig waren. Das bedauere man, sagt Swisscom. Nebst Watson gehören auch 20 Minuten und Bluewin zu den Start-Partnern.

Mit Beem-Sendern ausgestattete Plakate nehmen über einen hochfrequenten Ton Kontakt auf zu Smartphones, sofern diese die Partner-Apps installiert und geöffnet haben. Das Tonsignal wird über das Smartphone-Mikrofon empfangen. Auf dem Gerät werden anschliessend weiterführende, sich zum Plakat ergänzende Inhalte angezeigt. Beispielsweise ein Wettbewerb, ein Bestell-Link oder ein Voting.

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Swisscom will besser aufklären

Nun will Swisscom sich mehr Zeit lassen für bessere Erklärungen, «was Beem tut und vor allem nicht tut», wie Leiter Alessandro Rausa sagt. So betreibe man kein Tracking, sammle keine persönlichen Daten und höre keine Gespräche mit. Man sende keine Push-Nachrichten und der Nutzer muss jedes Mal in der App selbst per Klick aktiv werden.

In Branchenkreisen ist man sich einig: Beem ist im Vergleich zu anderen Technologien und Methoden harmlos, ja gar konservativ. Datenschutz und die Kontrolle durch die Nutzer stünden im Vordergrund, lässt sich ein nicht genannter Experte in der NZZ am Sonntag zitieren: «Sie wollen nicht wissen, was andere Firmen mit Ihren Daten anstellen».

Und Marcus Schögel vom Institut für Marketing der HSG erinnert an die hohe Hürde für die Kunden, die App zu öffnen. Damit sie das täten, müsse man ihnen schon echte Vorteile bieten.

Schweizer Chorknaben

Ein ebenfalls nicht genannter Werber sagt, im Vergleich zu Facebook («der Teufel») und Google («der Beelzebub») seien alle anderen Akteure – insbesondere jene aus der Schweiz – Chorknaben.

Die Zeitung weist darauf hin, dass andere Schweizer Werbekampagnen weit forscher vorgingen – etwa beim Geofencing, bei dem Nutzer per GPS-Daten getrackt und zielgenau mit Werbung für festgelegte geografische Zonen bespielt werden. Dies geschehe übrigens auch mit Hilfe des News-Portals Watson, das «sich nun plötzlich so vornehm ziert». Die APG nutzt die Echtzeit-Daten von 21 der führenden Schweizer Apps, darunter auch Watson oder jene des Tages-Anzeigers. Gemäss dem Unternehmen lassen die Daten aber keine Rückschlüsse auf eine spezifische Person zu.

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