«Es ist immer auch eine Image­frage, ob wir Werber ‹Hustler› der Tabak­industrie sein wollen»

Die Werbewoche hat bei Experten nachgefragt, was sie von der Initiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» halten. Werbeauftraggeber, Werbetreibende, Agenturverbände, Werber und die Krebsliga nehmen Stellung.

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Frage: Finden Sie, in der Schweiz sollte Werbung für Tabak verboten werden, die Kinder und Jugendliche erreicht?

Michael Hählen, Präsident Leading Swiss Agen­cies (LSA) und CEO von In Flagranti Communi­cation: Meiner Meinung nach missbraucht die Initiative leider ein berechtigtes Thema. Offensichtlich wollen die Initianten mit einer radikalen Forderung Druck auf eine laufende parlamentarische Diskussion ausüben. Damit verhindern sie mit einer populistischen Formulierung eine fundierte Diskussion, wie wir in unserer Gesellschaft mit Suchtverhalten und Suchtmitteln umgehen. Beides nützt denjenigen am wenigsten, um die es geht: die jungen Leute, die den Umgang mit Sehnsüchten, Konsum, Genuss- und Suchtmitteln erlernen sollten.

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Donato Cermusoni, Geschäftsführer und Mitin­haber der Agentur Cermusoni: Werbung soll effektiv sein. Das heisst, mit der Tabakwerbung für Kinder und Jugendliche sollen diese zum Rauchen animiert werden. Man weiss aus Studien, dass der Einstieg in diesem Alter stattfindet. Jeder Werber, jede Werberin muss moralisch für sich entscheiden, ob er oder sie das fördern will. Ich bin daher der Meinung, dass das Verbot Sinn macht.

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Flavia Nicolai, Leiterin Content Marketing & Media, Krebsliga Schweiz: Ja. Tabakkonsum schadet der Gesundheit. So sind acht von zehn Lungenkrebsfällen auf Tabak zurückzuführen. Die krebsauslösenden Stoffe im Rauch schädigen aber nicht nur die Lunge, sondern den gesamten Körper. Deshalb haben Raucherinnen und Raucher auch eine mehrfach grössere Wahrscheinlichkeit, an weiteren Krebsarten wie beispielsweise Mundhöhlen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen- oder Blasenkrebs zu erkranken als Nichtrauchende gleichen Alters. Das damit verbundene Leid für die Betroffenen und die daraus resultierenden massiven volkswirtschaftlichen Kosten lassen keinen anderen Schluss zu, als dass für Tabakwerbung kein Platz mehr ist.

Die grosse Mehrheit der Raucherinnen und Raucher (57%) beginnt unter 18 Jahren mit dem Konsum. Tabakwerbung hat dabei nachweislich einen grossen Einfluss auf diese Altersgruppe. Mit der Volksinitiative soll verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche dem Einfluss der Tabakwerbung ausgesetzt sind. Sie sollen sich gesund entwickeln können. Deshalb unterstützt die Krebsliga die Volksinitiative.

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Ivan Zumbühl, Geschäftsführer Syn, Agentur für Gestaltung und Kommunikation ASW: Die Tabakindustrie hat sich schon vor Jahren eine kommunikative Selbstbeschränkung in der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen auferlegt. Diese hat sich bis heute bewährt und reicht völlig aus.

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Roger Koch, Leiter Marketing, Heimat: Dass Kinder und Jugendliche nicht zum Rauchen animiert werden sollen, ist wohl unbestritten bei allen, die einigermassen bei Trost sind. Und darum hat man eine entsprechende Regelung ja auch bereits 2004 in der Tabakverordnung verankert. Darin heisst es: «Werbung für Tabakerzeugnisse und für Raucherwaren mit Tabakersatzsto en, die sich speziell an Jugendliche unter 18 Jahren (Jugendliche) richtet, ist untersagt.» (TabV, Art. 18). Es handelt sich also keineswegs um ein neues Anliegen. Man hat dieses schon längst gesetzlich geregelt. Eine Verschärfung ist nicht notwendig.

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Roland Ehrler, Direktor, Schweizer Werbe­ Auftraggeberverband SWA/ASA: Grundsätzlich sollte Werbung für legal erhältliche Produkte und Dienstleistungen nicht verboten werden. Einschränkungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gibt es bereits genügend und zusätzlich hat sich die Tabakbranche weitreichende Selbstbeschränkungen auferlegt.

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Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

Weitere Antworten auf Fragen, wie: Welche Art von Beschränkungen in der Werbung Sinn machen, um Junge vor Tabakwerbung zu schützen und welche Folgen eine Annahme der Initiative für die hiesige Werbewirtschaft hätte, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Werbewoche 11/2018.

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