Kein Vertrauen in Journalisten und Werber

Helfende Berufe geniessen in der Schweiz das höchste Vertrauen. Journalisten haben 15 Prozentpunkte an Vertrauen eingebüsst, Werbetreibende gar 23 Prozentpunkte. Diese Berufsgruppen werden nur noch von Versicherungsvertretern und Politikern unterboten.

Der Trust in Professions Report 2016 basiert auf einer vom GfK Verein durchgeführten globalen Studie, die das empirisch erhobene Vertrauen in über 30 Berufe erfasst. Der Zuspruch für die sogenannten unumstrittenen Berufe wie Feuerwehrleute, Sanitäter oder Techniker bleibt auch in 2016 weltweit stabil. Das Vertrauen in die Berufsgruppe der Bankangestellten, Händler oder Verkäufer, sowie Richter und Polizisten variiert dagegen. Im weltweiten Durchschnitt belegen Politiker den letzten Platz mit einem sehr niedrigen Vertrauenswert. Der Trust in Professions Report 2016 basiert auf 30'000 Interviews, durchgeführt in weltweit 27 Ländern.

Korruptionsvorwürfe gegen den Weltfussballverband FIFA mit Hauptsitz in Zürich sowie mehrere Volksinitiativen, etwa «Gegen Masseneinwanderung», haben die Öffentlichkeit in der Schweiz zuletzt stark beschäftigt. Der Skandal um die FIFA hat vermutlich Zweifel an den Sportfunktionären genährt. Dazu kommen Dopingkontrollen bei der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft sowie ein verlorenes EM Qualifikationsspiel gegen England kurz vor dieser Befragung. Mit 35 Prozent vertrauen die Schweizer den Profisportlern denn auch deutlich weniger als noch 2014.

Mehrere weitere Berufe wie zum Beispiel Journalisten (31 Prozent) oder Werbefachleute (26 Prozent) haben an Vertrauen eingebüsst. Am wenigsten Vertrauen geniessen Journalisten in Japan (ca. 25 Prozent), während in Frankreich die Werber nicht mal auf 20 Prozent der Menschen als komplett vertrauenswürdig einschätzt.

Hingegen lassen sich in der Schweiz auch Vertrauenszuwächse beobachten. So könnten Polizisten (83 Prozent) und Richter (77 Prozent) von der insgesamt verbesserten Aufklärungsquote bei Straftaten profitieren. Einige Veränderungen müssen auf den Methodenwechsel bei der aktuellen Erhebung zurückgeführt werden. In der Summe führen diese Entwicklungen zu einem durchschnittlichen Vertrauen von 65 Prozent, was – trotz eines Rückgangs um rund 6 Prozentpunkte – weiterhin globales Mittelfeld bedeutet.

An Vertrauen verloren haben Landwirte, die mit 79 Prozent Zuspruch aber nach wie vor im oberen Mittelfeld liegen. Die Branchenkonzentration zu Grossbetrieben mit intensiverer Tierhaltung könnte ein Grund für den Rückgang sein. Zugleich werden staatliche Agrarsubventionen, deren Kürzung Ende 2015 angekündigt wurde, kontrovers diskutiert. So protestierten tausende Bauern gegen die daraus folgenden realen Einkommenseinbussen. Auch die Aufhebung des Mindestwechselkurses des Schweizer Franken gegenüber dem Euro macht den Bauern inzwischen zu schaffen, betrifft aber auch andere exportabhängige Branchen sowie den Tourismus.

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