Erneute Sexismus-Vorwürfe gegen Casino Baden

Die freizügigen Kampagnen des Badener Casinos geben immer wieder zu reden. Eine SP-Politikerin will sie nun auf politischem Weg verhindern.

2006 rügte die Schweizerische Lauterkeitskommission (SLK) eine Casino-Kampagne, bei der sich eine leichtbekleidete Frau auf einem aufblasbaren Delphin räkelte – anspielend auf den Claim «Baden im Glück» (Werbewoche.ch berichtete). Die SLK griff ein, weil zwischen dem beworbenen Produkt und dem Frauenkörper kein natürlicher Zusammenhang bestand – und bezeichnete die Kampagne als sexistisch und herabwürdigend.

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Als Folge der Rüge verzichtete das Grand Casino Baden danach auf das Sujet. Zumindest in der Öffentlichkeit. Die entsprechenden Plakate wurden im Rahmen einer Promoaktion an die volljährigen Besucher des Casinos verteilt, um sie im privaten Raum aufhängen zu können (Werbewoche.ch berichtete). Wie schon für die ganze Kampagne zeichnete auch für diese Aktion die Agentur Weber Harbeke verantwortlich.

Auch die folgenden Kampagnen eckten an und riefen Sexismus-Vorwürfe hervor. Denn auch ohne Delphin liessen die Sujets immer wieder tief blicken. 2008 gab es nicht nur tiefe Ausschnitte, sondern auch männliche Sixpacks zu sehen (Werbewoche.ch berichtete):

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Auch die 2012 lancierte Plakatkampagne mit dem Schweizer Model Sira Topic sorgte für Aufregung – und für Beschwerden bei der Lauterkeitskommission.

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Diesmal blieb die Rüge der SLK jedoch aus. Würden leicht bekleidete Damen das Spiel-, Entertainment-, Restaurant- und Barangebot eines Casinos bewerben, sei das nicht geschlechterdiskriminierend, so das Urteil der SLK (Werbewoche.ch berichtete). Denn der Durchschnittskonsument erwarte in einem Casino heutzutage nicht mehr nur Gewinnspiele und sei sich auch bewusst, dass Sängerinnen und Bardamen dort eher leicht bekleidet sein können. Die beanstandeten Sujets würden deshalb darauf hinweisen, wie die beworbenen Dienstleistungen tatsächlich erbracht werden.

Entscheidend ist aus Sicht der SLK also das Empfinden des Durchschnittskonsumenten. Nicht dazu zählen dürfte sich die Badener Einwohnerrätin Andrea Arezina, die in der Vergangenenheit bei der Juso und bei Solidar Suisse zuständig für Kampagnenarbeit war. Wie die Zeitung Schweiz am Sonntag in der aktuellen Ausgabe schreibt, stört sich die SP-Politikerin an den Plakaten in der Stadt Baden. Diese seien sexistisch und passten in den allgemeinen Trend, Frauen in der Werbung als Produkt darzustellen und damit herabzuwürdigen, so Arezina. Ihre Entrüstung geht nun so weit, dass sie politisch gegen die Plakate vorgehen will. Das Casino ist zu 51 Prozent in Besitz der Stadt Baden, die mit Vizeammann Markus Schneider im Verwaltungsrat vertreten ist. In einer Anfrage an den Stadtrat fordert Arezina Schneider nun indirekt auf, sich im – übrigens ausschliesslich aus Männer bestehenden – Verwaltungsrat gegen sexistische Werbung auszusprechen.

Casino-Chef Detlef Brose nimmt die Kampagne gegenüber der Schweiz am Sonntag in Schutz und weist die Sexismus-Vorwürfe zurück. Die Kleidung des international bekannten Models sei eine Anlehnung an die 1920er-Jahre und an Burlesque. Damit verweise man auf das Entertainment-Angebot des Casinos. Ein Rückzug der Kampagne stehe nicht zur Diskussion, da weder die SLK, noch die Casino-Führung eine unangemenssene Darstellung von Sexualität oder gar Geschlechterdiskriminierung erkenne. Die SLK wiederum weist jedoch darauf hin, dass sie lediglich Empfehlungen an die Branche abgebe und es kein Präjudiz dafür sei, ob Werbung auf politischem Weg bekämpft würde. Arezinas Anliegen ist demnach nicht vom Tisch, sondern wird in der Einwohnerrat-Sitzung vom 1. September 2015 behandelt.

Dass auf politischem Weg gegen die Werbung des Badener Casinos vorgegangen wird, ist übrigens kein Novum. Als Reaktion auf die oben beschriebene 2006er-Kampagne forderte der Grosse Rat und insbesondere eine Motion von EVP-Grossrätin Lilian Studer, übersexualisierte und sexistische Werbung aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Die Regierung lehnte das geforderte Gesetz aber ab, weil sie die notwendige juristisch Definition der beiden Begriffe für unrealistisch hielt (Werbewoche.ch berichtete). Die Aargauer Regierung stützte das Prinzip der Selbstregulierung durch die Lauterkeitskommission und folgte damit der Argumentation des Bundesrats. Pornografische Werbung hingegen wird strafrechtlich verfolgt. (hae)

 

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