Die zweite Runde

Andy Ruf weiss, wie im ASW der Karren läuft: Er übernimmt das Präsidium des Verbands heuer zum zweiten Mal.

Andy Ruf weiss, wie im ASW der Karren läuft: Er übernimmt das Präsidium des Verbands heuer zum zweiten Mal.Seit seiner Malediven-Reise trägt Andy Ruf
zwei Uhren: Damals  zeigte ein Ticker die Schweizer Zeit und der
andere die Lokalzeit der Insel. Heute sind es die Agenturzeit und die
Kundenzeit. «Kunden gehen immer sieben Minuten vor, damit ich nie zu
spät zum Meeting komme.»

Vor 15 Jahren hat Andy Ruf seine Werbeagentur in Eglisau gegründet.
Schon nach fünf Jahren wurde «aus dem groovigen Garagenatelier eine
trendige Fullservice-Werbeagentur».

Der neue ASW-Präsident hat zu Beginn die Illusion gehabt, er könne
alles alleine machen. Die «One Man Show aus Überzeugung» ist ihm auch
sechs Jahre gelungen. Es kann aber zum Problem werden, wenn man seiner
Agentur den eigenen Namen gibt. «Es gibt Kunden, die wollen alle ihre
Anliegen unbedingt mit dem Agenturinhaber besprechen – was natürlich
auch ein ASW-Credo mit den inhabergeführten Agenturen ist: Hier kocht
der Chef.»

Später musste Ruf abwägen: Was soll delegiert werden, was soll man
selber machen? Den Entscheid hat ihm die Entwicklung des Internets
abgenommen. «Ich merkte, dass ich hier die Beratungskompetenz durchaus
bieten kann, aber nicht mehr die Realisationskompetenz.» So hat Ruf
seine ersten spezialisierten Mitarbeiter angestellt, und inzwischen
macht Internet ein Viertel des Arbeitsvolumens aus.

Ruf Werbung beschäftigt heute 15 Leute mit insgesamt 1200
Stellenprozenten. Andy Ruf ist für die Kundenbetreuung verantwortlich.
Seine kreative Seite wird er nie ganz aufgeben, aber seine
Kernkompetenzen sind Beratung und Strategie. Vor zwei Jahren hat er
sich mit einem BSW-Lehrgang für Strategic Planning an der HSG weiter
spezialisiert.

Schlüsselmitarbeiter sind Daniel Sager, Projektmanagement, und Mario
Colombo, zuständig für die Qualitätssicherung im kreativen Bereich.

Die übliche Karrieretour durch die grossen BSW-Agenturen war nie Rufs
Wunsch. Ebenso klar war, dass er seine Agentur nicht in Zürich eröffnen
wollte. «Dort hat es schon genug Agenturen, und viele Kunden fahren
gern einmal aufs Land.» Rufs Kunden finden aus der ganzen Schweiz zu
ihm. Zum Beispiel Pasito Fricker, ein Konglomerat von Schuhlabels mit
gegen 100 Filialen im ganzen Land.

Ein weiterer wichtiger Kunde ist Streuli Pharma. Für den
Generika-Spezialisten mit 350 Mitarbeitenden soll Platz drei im
Schweizer Markt angepeilt werden. Die Agentur arbeitet derzeit an einem
Rebranding und betreut alles von B2B über Consumer-Werbung bis zur
Pressearbeit.

Spass macht Ruf auch die Arbeit an einem Jubiläumsfilm «20 Jahre
Bergwald-Projekt». Greenpeace hat diese Idee im Kanton Graubünden
lanciert. Geschäftsleute und Private «lüften ihren Kopf» und helfen in
einer karitativen Auszeit eine Woche lang mit, den Wald aufzuforsten.

Andy Ruf sieht sich als «Ausbildungsfetischist». Er hat alles von Grund
auf lernen wollen und sich so von der Grafik über den Werbeberater bis
zum Fotografen entwickelt. «Ich habe gespürt, dass es viele Felder
gibt, die mich interessieren. Alle meine Hobbys sind in der Werbung
zusammengekommen.» Selbst im Audiobereich kann er mitreden. Der frühere
Jazzrocker ist auch ausgebildeter Audio-Engineer. So steht auch ein
eigenes Tonstudio in den Räumen der Agentur, zur Produktion von
Radiospots oder der Vertonung von Filmen und Websites.

Ruf ist in Zürich aufgewachsen und mit rund 20 Jahren nach Bülach
gezogen. Mit seiner Agentur, die er mit 28 Jahren gründete, hatte er
«als Nobody» bei einem Pitch gegen namhafte Konkurrenten ein Mandat für
das Einkaufszentrum Parkallee gewonnen. Mit diesem Budget konnte er
sich selbstständig machen. Der Kunde ist ihm nach 15 Jahren immer noch
treu.

Ruf ASW arbeitet an zwei Standorten. In Eglisau findet sich die
Beratung und Strategie. Als es eng wurde, konnten in Bülach grosszügige
Räume für die Kreation sowie das Fotostudio zugemietet werden.

Ruf repräsentiert mit seinem Unternehmen die moderne ASW-Agentur. Seit
zehn Jahren ist er in der Allianz Schweizer Werbeagenturen aktiv, seit
sieben Jahren im Vorstand und jetzt zum zweiten Mal Präsident. Ruf
fühlt sich «im Verband zu  Hause – und so macht es auch Spass, ihn
mitzuleiten». Drei Personen bilden das Präsidium: Past-Präsident,
Präsident und Vizepräsident. Das seien «aktive Personen, die bereit
sind, etwas zu bewegen». Man will nicht nur sich selber weiterbringen,
sondern auch die Mitglieder und die Branche.

Ruf sieht in der ASW «ein gutes Netzwerk, wo man ohne Futterneid
gegenseitig profitieren kann». Der Verband hat viele praktische Tools
entwickelt wie zum Beispiel den Werbeleistungsvertrag, der zum
Branchenstandard geworden ist.

Anstehende Aufgaben sind Hilfen für Kalkulation und Projektmanagement,
«damit die Agenturen ihre Kontrolle über die Zeit für einzelne Mandate
besser im Griff haben». Laufend ist man auch am Ausbau der
Zusammenarbeit zwischen Agenturen, zum Beispiel beim Regeln des
Zusammenarbeitsmodus bei gemeinsamen Mandaten.

Im Verband ortet Ruf «eine gute Zeit für neue Mitglieder». Auch von den
Start-ups mit früheren Kaderleuten aus BSW-Agenturen zeigen einige
Interesse.

Ruf ist seit 22 Jahren verheiratet. Das erste von zwei Kindern ist erst
vor knapp vier Jahren dazugekommen, was die späten Eltern als «eine
totale Bereicherung» empfinden. Frau Claudia arbeitet in der
Buchhaltung der Agentur mit, dazu führt sie eine eigene
Gesundheitspraxis.

Ähnlich spät wie Kinder zeugen haben Ruf und seine Frau angefangen,
Golf zu spielen. «Golf ist ein idealer Partner-Sport in der Natur. Man
spielt nicht gegeneinander, sondern gegen sein eigenes Handicap. Sich
gemeinsam zu verbessern, ist hier ebenso angesagt wie im Agenturleben
und im Verband.»

Andreas Panzeri

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