XPress meldet sich zurück

Software Das amerikanische Softwarehaus Quark läutet mit XPress 7 ein neues Publishing-Zeitalter ein.

Software Das amerikanische Softwarehaus Quark läutet mit XPress 7 ein neues Publishing-Zeitalter ein.Unzählige Male wurde das Erscheinen von
XPress 7, dem neuesten Upgrade der Layoutapplikation von Quark,
verschoben. Zwei Betatest-Zyklen, an denen jedermann mittun konnte, hat
sich das Unternehmen zudem genehmigt. Man wollte dieses Mal wohl alles
richtig machen. Dort, wo es noch nicht zu spät ist, wo die Desktopper auf InDesign
umgesattelt sind und mit Adobes seinerzeit als XPress-Killer
gehandelten Layoutapplikationen gestalten und produzieren, hat sich das
Warten gelohnt. Denn was die Softwareentwickler in die neue Version
hineingepackt haben, ist in der Tat beachtlich.

In zwei Teilen wollen wir auf die wichtigsten der unzähligen neuen
Funktionen der Version 7 von XPress eingehen: Teil 1 widmet sich den
neuen Layout- und Designfunktionen; Teil 2, der in Ausgabe 25
erscheint, wird dann die Themen Produktion und Zusammenarbeit
behandeln.

160 neue Funktionen
Wegen eines neuen Logos und eines frischen Auftritts kauft noch niemand
eine neue Software. Um dem davoneilenden Konkurrenten Adobe InDesign
Paroli zu bieten, hat die Software-Schmiede alle Register gezogen. Mit
den gemäss Quark mehr als 160 neuen Funktionen, dem wohl umfassendsten
Relaunch des Layout-Klassikers, zieht XPress in vielen Bereichen mit
seinem härtesten Konkurrenten InDesign gleich, überholt gar an der
einen oder anderen Stelle – und schlägt gar ganz neue Wege im
Publishing ein.

Auffällig ist die dank einer neuen «Grafik- und Typo-Engine» sowie der
neuen Darstellungstechnologie XDraw deutlich optimierte Abbildung von
Schriften, Bildern und Grafiken. Wesentlich verbessert gegenüber der
letzten Version 6.5 hat Quark auch die dort noch eingeschränkte
OpenType-Unterstützung. So profitieren Anwender in Version 7 von
erweiterten OpenType-Eigenschaften, die, sofern im Font vorhanden,
neben echten Kapitälchen und ebensolchen Brüchen auch Schmuckzeichen
und anderes bereitstellen.

Die Software ist bei den Brüchen so clever,
dass sie bei einem Schriftwechsel zu einem OpenType-Font, der keine
Brüche unterstützt, diese Formatierung nicht verliert – die Brüche
erscheinen sofort wieder als solche, wenn wieder ein entsprechender
OpenType-Font verwendet wird. Dank der Unterstützung von Unicode, einem
internationalen Standard, bei dem für jedes Zeichen ein digitaler Code
hinterlegt ist, und dem Windows- und Mac-kompatiblen XPress-Dateiformat
ist nun auch der vollständige Dokumentenaustausch zwischen diesen
beiden Plattformen möglich.

Hasta la Vista
Der Zugriff auf Alpha-Kanäle, die in Tiff- oder Photoshop-PSD-Dateien
abgespeichert sind, ist eine die Produktivität deutlich verbessernde
Funktion. Diese durch die Integration der verbesserten QuarkVista
XTension – einer bereits für Version 6.x erhältlichen
Programmerweiterung – verfügbare Funktion erlaubt zudem, dass eine in
einem Bild verwendete Maske für eine Weichzeichnung verwendet werden
kann. Die dafür zuständigen Paletten PSD-Import (Zugriff auf im Bild abgespeicherten Ebenen,
Alpha-Kanäle und Pfade) sowie Bildeffekte (diverse Filter und
Möglichkeiten zur Farbabstimmung) haben den Vorteil, dass sich die
Bildmodifikationen nicht aufs Original auswirken – als weiterer
Pluspunkt kann ein und dasselbe Bild in verschiedener Ausführung an
verschiedenen Stellen im Layout verwendet werden.

Ob ein Bild mit
Bildeffekten schliesslich verändert wurde, zeigt ein kleines Symbol in
der oberen rechten Bildecke; ist die dazugehörende Palette offen,
können darin sogar die auf das Bild angewandten Parameter nachgesehen
werden. Soll der gleiche Bildeffekt schliesslich auf andere Bilder
übertragen werden, dann können die Einstellungen zuerst gesichert
werden; sie lassen sich später auf ein oder mehrere Bilder übertragen.

Transparenz und SchlagschattenDie
mit Version 7 erstmals integrierten Transparenzfunktionen erweisen
sich als sehr umfassend. Opazität kann auf Text, Bilder, Rahmen,
Ränder, Linien, auf den Rahmenhinter- und Bildvordergrund sowie auf
Tabellen und Verläufe via Palette oder Schieberegler angewendet werden
– jeweils in Zehntel-Prozent-Schritten. Die Transparenzen lassen sich
auch kombinieren. So kann ein Wort innerhalb eines Textes, das in einem
halbdurchsichtigen Rahmen auf einem Bild platziert ist, über eigene
Transparenzeinstellungen verfügen. Sogar Verläufe können transparent
vor ihrerseits transparente Elemente platziert werden.

Schlagschatten sind ein weiteres neues Feature bei Quarks erneuerter
Layoutapplikation. Die Schattenwürfe sind hinsichtlich Farbe, Winkel
und Abstand frei wählbar. Darüber hinaus können mehrere Objekte gleichzeitig mit einem identisch
definierten Schlagschatten versehen werden. Wenn mit Schatten versehene
Objekte Texte verdrängen, lässt sich zusätzlich festlegen, ob das
Objekt oder der Schatten selbst für den Textverlauf massgebend ist.

Die beiden neuen Funktionen Transparenz und Schlagschatten lassen sich
auch kombinieren; damit können auf einfachste Art und Weise
ansprechende Effekte erzielt werden. Eine wünschenswerte Funktion wäre
hier, dass sich auch diese Einstellungen als Set abspeichern liessen
zur Anwendung auf andere Objeke oder in anderen Dokumenten.

Verbesserte Benutzeroberfläche
Die intelligente, kontextabhängige Masspalette zählt Quark zu Recht zu den XPress-7-Highlights. Intelligent, weil sie sich immer zum
aktivierten Objekt einstellt. Ohne Dialogmenus bemühen zu müssen,
können darin die wichtigsten Parameter des gewählten Objekts viel
schneller und interaktiv vorgenommen werden. Ist beispielsweise ein
Textrahmen aktiv, dann stehen dank der automatisch erscheinenden oder
fix eingeblendeten Reiter neben den bisherigen Palettenattributen
sofort alle anderen Text- und Rahmenattribute im Zugriff. Sind zwei
oder mehr Rahmen aktiv, dann erscheinen innerhalb der Masspalette
Symbole, die das Ausrichten von Objekten zueinander gegenüber früheren
Programmversionen deutlich vereinfachen.

Damit Platz auf dem Bildschirm frei wird, können Anzahl, Anordnung
und
Reihenfolge der sonstigen Paletten, die sich neuerdings
zusammenklappen, gemeinsam verschieben und «magnetisch» aneinander
reihen lassen, jeweils als Palettengruppen gespeichert werden. Sie
lassen sich bei Bedarf projektbezogen aufrufen. Der Schnellzugriff auf
einzelne Paletten ist zudem mit gedrückter Option/Ctrl.-Taste und Klick
in den linken, zum Bewegen der Masspalette vorgesehenen Bereich
möglich, womit einmal mehr keine Pulldown-Menus und Dialogfenster
aufgerufen werden müssen.

Wer bisher viel mit Ebenen gearbeitet hat, wird es als praktisch
erachten, dass Elemente, die etwa auf einer «grünen» Ebene platziert
sind, auch mit einem grünen Objektrahmen erscheinen. So wird sofort
ersichtlich, auf welcher Ebene das Objekt abgelegt ist. Ein weiteres, besonders praktisches Feature versteckt sich im Menu «Ansicht». Dort
kann simuliert werden, wie das offene Dokument im Druck oder auf dem
Proof aussieht. Und wer mehrere Layouts innerhalb eines Projekts
gleichzeitig darstellen will, kann das Fenster nun entweder horizontal
oder vertikal teilen.

Erstes Fazit
In vielen Bereichen überholt die Layoutsoftware ihren Mitstreiter InDesign. Dabei ist XPress 7 XPress geblieben. Es ist vordergründig
kein völlig neu konzipiertes Produkt geworden, das man von Grund auf
neu erlernen muss, sondern es handelt sich vielmehr um eine umfassende
Weiterentwicklung. Dank der vielen Detailverbesserungen kommt man
schneller zum Ziel und bleibt gleichzeitig flexibler.

Anwender von sehr viel älteren Versionen finden sich schnell in der
neuen, stringenten XPress-7-Umgebung zurecht, profitieren letztlich
durch die vorgenommenen Modifikationen von einer verbesserten
Produktivität. Ein neuer «Einzellayout-Modus» erlaubt diesen Anwendern
gar, wieder Layouts zu erstellen – statt Projekte. Die Projekte
hat Quark mit Version 6 eingeführt; sie ermöglichen, dass ein Projekt
mehr als ein Layout enthält, also etwa ein Prospekt und noch die in
Auftrag gegebene Visitenkarte in einem Dokument zusammenfasst. Gleich
bei der Neuerstellung eines Dokuments kann zwischen den beiden Wegen
entschieden werden.

Mit den Composition Zones und den Job Jackets geht Quark zudem gänzlich
neue Wege. Diese Features sollen in Ausgabe 25 vorgestellt werden.

Quark
Das 1981 im US-Bundesstaat Colorado gegründete Unternehmen hat sich nach den submolekularen Teilchen, den Quarks, benannt.
Die bis heute in Privatbesitz befindliche Company hat sich vor knapp 20
Jahren mit QuarkXPress dem Desktop-Publishing verschrieben und damals
eine erste Layoutsoft-ware auf den Markt gebracht. Nach Angaben von
Quark ist das Unternehmen seit mehr als 20 Jahren
profitabel und schuldenfrei.

Jürgen Franck

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