Apples doppeltes Lottchen

Hardware Apple ist mit dem neuen MacBook der ganz grosse Wurf gelungen.

Hardware Apple ist mit dem neuen MacBook der ganz grosse Wurf gelungen.  Mit der Bekanntgabe seiner Strategie letzten Sommer, die Hardware innerhalb dieses Jahres auf Intel-Prozessoren umzustellen, hat Apple Offenheit für Neues signalisiert. Dieser Schritt deutet darauf hin, dass das Unternehmen im angestammten Computer-Segment stärker wachsen will. Dies hat Apple-CEO Steve Jobs kürzlich an einem Interview auch bestätigt, als er sagte, dass ein Wachstum von weiteren fünf Prozent für Apple «very exciting» sei. Als ein wichtiger Schachzug, um seinen Marktanteil bei Desk- und Laptops zu vergrössern, könnte sich Apples Ankündigung von Anfang April erweisen, seine Hardware auch für Windows-XP-Betriebssysteme zu öffnen (siehe Artikel unten). Ob dieser Schritt ein freiwilliger war oder deshalb vorgenommen wurde, weil es Hackern innerhalb relativ kurzer Zeit gelungen ist, das Booten von Windows ohnehin zu ermöglichen, bleibt Spekulation.Das kleine Schwarze ist zurückEin sehr wichtiges Produkt in Apples Portfolio waren bislang die iBooks. Apple ist mit dem Nachfolgemodell, den neu MacBook genannten Laptops, erneut ein grosser Wurf gelungen. Von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, präsentiert sich Apples portable Einstiegsdroge äusserst potent und addiktiv. Die neuen Laptops sind kompakt, haben keine Kanten, die Oberfläche ist glatt und das Äussere wirkt elegant und hochwertig.
Neben den ebenfalls erst kürzlich eingeführen MacBook Pro bietet Apple innerhalb dieser Consumer-Baureihe eine weitere Möglichkeit zur Auswahl an: Käufer können sich neben zwei weissen Modellen mit marginalen Unterschieden bei der Ausstattung erstmals auch für ein schwarzes, nochmals geringfügig besser ausgestattetes Notebook entscheiden.
Mit den MacBooks führt Apple ein neues, deutlich helleres 13 Zoll grosses Breitbild-Display ein. Der Bildschirm verfügt über eine glänzende glatte Oberfläche, die nun auch optional für die Pro-Modelle zur Verfügung steht. Umgekehrt haben mit den Pro-Rechnern eingeführte Innovationen bei den MacBooks Einzug gehalten. Für die Sicherheit etwa der Sudden-Motion-Sensor (fährt die Köpfe der Festplatte bei zum Beispiel einem Sturz des Rechners in Sekundenbruchteilen in eine Park-Position) oder der MagSafe-Stromanschluss (verhindert durch eine magnetische Verbindung des Stromkabels, dass der Laptop beim Laden vom Tisch heruntergerissen wird). Des weiteren werden die MacBooks mit den nur rund 3 ¥ 3 mm grossen iSight-Kameras ausgestattet, die Videokonferenzen oder das Aufzeichnen von Filmsequenzen ermöglichen.
Grosszügig zeigt sich Apple auch bei den Schnittstellen. Ein digitaler DVI-Ausgang ermöglicht den Anschluss von weiteren, bis 23 Zoll grossen Displays, womit sich die Rechner zudem als Desktop-Maschinen empfehlen. Gigabit-Ethernet- und Firewire-Ausgänge ermöglichen schnellen Datenverkehr in Netzwerken oder angeschlossenen Geräten; Bluetooth- und WLAN sind Standard. Im Weiteren sind die Einstiegs-Laptops mit der FrontRow-Technologie ausgestattet, die, zusammen mit der mitgelieferten Fernbedienung, das Abspielen von multimedialen Inhalten (Musik, Video, Fotos, DVD) erheblich vereinfachen.
Wo Licht ist … Wer das MacBook wechselnden Lichtverhältnissen oder Sonneneinstrahlung aussetzt, lernt die Schattenseite des leuchtstarken Displays kennen. Die Reflektionen sind deutlich stärker als beim Vorgängermodell. Der von Apple verwendete Polfilter mag Abhilfe schaffen, löst das Problem jedoch nicht gänzlich.
Was für das Betrachten von DVD-Filmen als Vorteil zu nennen ist, stört leider, wenn man Dokumente im Hochformat bearbeiten möchte: Der 13-Zöller im 16:9-Format erschwert dies deutlich. Leider lässt das neue Modell zudem nicht wirklich andere Auflösungen zu; zur exzellenten 1200 ¥ 800-Auflösung gibt es keine wirkliche Alternative. Die Bildschirmdiagonale und die eingeschränkten Auflösungen sind schliesslich auch der auffälligste Grund, sich für ein höherwertiges MacBook Pro zu entscheiden.
Bliebe als letzter Nachteil das Fehlen eines vollwertigen Grafikprozessors. Diese Tatsache macht sich allerdings in der Praxis nicht wirklich bemerkbar. Mag sein, dass Photoshop-Anwender hier etwas enttäuscht werden. Es gilt allerdings zu beachten, dass zum einen für diese die MacBook-Pro-Linie zur Verfügung steht und zum anderen die Adobe-Applikationen noch nicht in einer nativen, sprich für die Intel-Prozessoren kompatiblen Version angepasst wurden.
Unterm StrichSchade, dass Apple bei meinem Favoriten, dem schwarzen MacBook, einen Kompromiss eingegangen ist: Ich hätte mir jedenfalls eine schwarze Fernbedienung wie auch ein schwarzes Netzteil gewünscht. Abgesehen davon ist das kleine Schwarze ein idealer und sehr gut ausgestatteter Reisebegleiter. Die mitgelieferte Software bietet zudem einen echten Mehrwert. Die MacBooks dürften daher weggehen wie warme Semmeln.
Jürgen Franck
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