Verzeih ihr!

Floristen Für Fleurop (Schweiz) hat Walker Werbung den Strauss zum Muttertag von der Pflicht zur Kür erhoben.

Floristen Für Fleurop (Schweiz) hat Walker Werbung den Strauss zum Muttertag von der Pflicht zur Kür erhoben.Langfristig will Walker seinen erst im
März gewonnenen Kunden Fleurop mit einer «Überraschungsstrategie»
bewerben – Fleurop als Dachmarke und Geschenkvermittler sind heute in
der Schweiz 445 Geschäfte angeschlossen; international sind es 54000
Blumengeschäfte in 154 Ländern. Immer wieder sollen neue Gelegenheiten
für eine Überraschung mit Blumen geschaffen werden. Verblüfft hat jetzt
auch, wie schnell Walker bereits eine erste Kampagne präsentieren kann.
Aber «der Muttertag kann nicht verschoben werden», scherzt Pius Walker.

An diesem Datum im Mai sowie am Valentinstag erwirtschaften die
Blumenhändler in der Schweiz rund 20 Prozent ihres gesamten
Jahresumsatzes. Wie eine Marktforschung gezeigt hat, wird das Schenken
eines farbigen «Besens» am Muttertag aber von den meisten inzwischen
als Pflicht erachtet und die Tradition mehr oder weniger als «Kommerz»
abgetan. Also hat Walker eine Strategie gesucht, die den Muttertag
wieder mit mehr positiven Inhalten füllen könnte. Dazu haben die Werber
den Tag des Dankes zum Tag des Verzeihens umgepolt.

«Es war damals nicht alles so gut, wie es von Mutter gemeint war…»,
heisst die Erkenntnis. Es gab in Sachen Erziehung auch ein paar Fehler
– und deshalb soll die ausgereifte Jugend heute eine Chance zum
Verzeihen bekommen. Weg also mit der Pflichtblume. Eine neue Generation
ist motiviert, hinter diesem Schenken am Muttertag wieder einen echten
Wert zu entdecken. «Wir hoffen, mit dieser Kampagne ein paar Traumata
aus dem Weg räumen zu können», so Walker.

Wein statt Blumen
Blumen sind der wichtigste Klassiker, wenn es um Geschenke bei
gesellschaftlich genormten Anlässen von der Geburt bis zur Beerdigung
geht. Immer häufiger werden solche zwischenmenschlichen
Aufmerksamkeiten im Alltag aber ersetzt durch Wein, Abos für ein neues
Handy oder sogar einen Gutschein zum Sushi-Essen. Diesem Trend zur
neuen Sachlichkeit will Fleurop nun mit einer Kampagne entgegenwirken.

«Da wir schon bei unserer Kampagne für die WC-Ente mit Blumen in den
Sujets gearbeitet haben, mussten wir diesmal natürlich etwas anderes
suchen», umschreibt Pius Walker die neue Idee. Kein einziger
Blumenstrauss findet sich in den Anzeigen und Plakaten für seine erste
Fleurop-Kampagne. Dafür sind «historische» Momente aus einer allgemein
erlebten Kindheit dramatisiert worden.

Die Fotos aus unserer kollektiv verdrängten Jugend sind im vergilbten
Touch der 60er-Jahre nachgestellt worden. Als Basis haben Schweizer
Fleurop-Mitarbeitende unzählige Fotoalben gesichtet und über 5000
Vorschläge eingereicht. Die besten Szenen wurden von Walker und seinen
Teams noch einmal nachgestellt. Die Fotos in Hamburg; die vier Filme in
Stockholm. Für den Spot mit der tanzenden Mutter hat Sony «mit viel
Spass» den Hit «Mamma Maria» von Ricchi e Poveri beigesteuert.

Andreas Panzeri

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