Ungelegte Eier

Pierre C. Meier über die missglückte Lancierung von Bluewin TV.

Pierre C. Meier über die missglückte Lancierung von Bluewin TV.Vollmundig angekündigt, sollte Bluewin TV
ursprünglich im Sommer 2005 lanciert werden. Im Februar 2005 wurde man
dann vorsichtiger, indem man vom zweiten Halbjahr sprach. Nichts
geschah, ausser dass im Dezember 2005 Swisscom-Mitarbeitende in den
Genuss eines Testbetriebes kamen. Gemäss der Netzwoche soll das
Swisscom-Fernsehen nun im zweiten Halbjahr 2006 auf den Markt kommen.
Es gibt anscheinend Hardwareprobleme, es gibt Softwareprobleme, und
verschiedene technische Komponenten müssten, so der
Swisscom-Pressesprecher, besser aufeinander abgestimmt werden. Die
Argumentation kann man nachvollziehen, denn neue Technologien haben
immer ihre Tücken. Aber wieso weiss man das erst heute?

Der frisch gebackene Swisscom-Chef Carsten Schloter sagte in einem
Interview mit der NZZ am Sonntag, dass sich die Swisscom keinen
Fehlstart leisten könne und nur als Qualitätsanbieter glaubwürdig
bleibe. Er räumte aber ein, dass in Ländern wie Frankreich Fernsehen
über DSL-Leitungen bereits Realität sei. Schloter meinte damit
gleichzeitig, dass das Angebot von neuen Anbietern im Markt und nicht
von ehemaligen (!) Monopolisten lanciert wurde. Diese Angreifer könnten
es sich erlauben, auch mit einer eingeschränkten Qualität in den Markt
zu gehen. Auch diese Argumentation tönt logisch und lässt sich
nachvollziehen. Aber wieso kommt man erst heute zu dieser Erkenntnis?

Warum kündigt ein Unternehmen wie die Swisscom ein Produkt an, das zum
Zeitpunkt der Ankündigung noch meilenweit von der Serienreife entfernt
war? Haben die Techniker geschlampt, oder hat das Marketing in wilder
Begeisterung die Katze schon mal aus dem Sack gelassen – nur um im hart
umkämpften Triple-Play-Geschäft (Sprache, Daten und Video über einen
Kanal) Zeichen zu setzen? Fragt sich nur welche. Das Prinzip Hoffnung
ist ein schlechter Ratgeber im Geschäftsleben, nicht nur für ehemalige
Monopolisten.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

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