Hauptsache standardisiert

Publishing-Forum Der VSD informierte über Standardisierung, Colormanagement sowie die Entwicklung von PDF/JDF.

Publishing-Forum Der VSD informierte über Standardisierung, Colormanagement sowie die Entwicklung von PDF/JDF.Grafische Unternehmen, die konstante
Qualität produzieren wollen, kommen an zwei Themenbereichen nicht
vorbei: Zum einen an der Standardisierung und zum anderen an
Colormanagement. Das wäre bereits ein vorweggenommenes erstes Fazit
einer vom Verband der Schweizerischen Druckindustrie (VSD)
organisierten Forumsveranstaltung, die am 26. April im Kongresshaus in
Biel durchgeführt wurde. Doch, und das war die Frage, um die sich der
Event drehte: Wie standardisieren und welches Colormanagement-System
ist einzusetzen?

Antworten dazu hielt die Tagesveranstaltung auf zweierlei Arten parat:
Zum einen konnten sich die rund 160 Besucher an Vorträgen informieren
oder in einer in dieser Art bislang schweizweit einzigartigen
Ausstellung vor Ort Produkte und Lösungen zeigen lassen. Von
Software-basierenden Colormanagement-Systemen und kalibrierbaren
Monitoren über Ausgabe-Workflows und digitale Testformen bis zu
Proof-Lösungen und sogar einem Farbmanagement-integrierten Druckmaschinenleitstand war das gezeigte Angebot der 22 ausstellenden Firmen sehr umfassend.

Appell zur Standardisierung
Wichtiger Teil des Forums waren Fachreferate, die über Proof-Verfahren,
Workflows und die Standardisierung in der Druckindustrie informierten.
Über Letzteres sprach Michael Adloff, der bei der deutschen
Unternehmensgruppe Vignold Forschung und Technik verantwortet. Als
Königsweg zur Standardisierung zählt er «alle Mittel und Methoden, die
die Einhaltung von stabilen und reproduzierbaren (wiederholbaren)
Prozessen ermöglichen». Definiert werden diese Standards in der Regel
von nationalen oder meist internationalen Gremien, Organisationen oder
Verbänden (ECI, Ugra, BVDM etc.). Diese erarbeiten zum Beispiel
«Färbungsstandards», legen ISO-Normen fest oder stellen die
entsprechenden Kontrollmittel (etwa MedienStandard Druck 2004, bvdm
Gray Control Strip, Ugra/Fogra MiniTarget [als ein weiteres Kontrollmittel hat der VSD eine
neue, mit Partnern entwickelte «Visual Print Reference»-Testform
vorgestellt]) zur Verfügung. Überrascht zeigte sich Adloff, dass diese
Kontrollmethoden oft ignoriert würden. Dass es sehr lange dauert, bis
Standardisierungen angenommen werden, belegt die sich zehn Jahre nach
ihrer Einführung nun langsam durchsetzende ISO-Norm 12647. «Der Druck
zur Einhaltung solcher Normen kommt jetzt von den Auftraggebern», weiss
Adloff aus Erfahrung.

Wie schwierig es ist, farbverbindliche Proofs zu erstellen, deckte
Florian Süssl, MetaDesign Berlin und Vorstandsmitglied des ECI
(European Color Initiative), anhand eines im Vorfeld zu seinem Referat
durchgeführten Praxisbeispiels auf. Süssl hat dazu zusammen mit dem VSD
ausgewählte Druckereien angewiesen, ein Referenzdruck und «Proof nach
Zahlen» (PDF/X-3-Daten, ISO 12647-2:2004; MedienStandard Druck 2004)
umzusetzen. Von den elf eingereichten Proofs schafften sieben die
Ugra/Fogra-Vorgaben nicht. «Gute Referenzdrucke», relativierte Süssl
das ernüchternde Ergebnis, «sind sehr selten.» Fazit:
Standardisierungen sind notwendig, aber noch kein Garant für eine
fehlerfreie Produktion.   

Jürgen Franck

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