Affichage an der JCDecaux-Leine

Mit JCDecaux’ Einstieg bei Europlakat ist es bei Affichage nun aus mit der Gemütlichkeit

Mit JCDecaux’ Einstieg bei Europlakat ist es bei Affichage nun aus mit der GemütlichkeitNoch äussern sich JCDecaux und Affichage vorsichtig zu ihrer künftigen Partnerschaft bei Europlakat (EPI). Doch das schriftlich geführte Interview mit Affichage-CEO Christian Kauter und das mündlich geführte mit Jean-François Decaux zeigen: JCDecaux ist eher am Drücker, Affichage eher in der Defensive.Dank des Joint Ventures mit der B&C Holding verstärkt JCDecaux seine Präsenz in Österreich und Osteuropa. Was bringt Ihnen diese Ausweitung?
Jean-François Decaux: Mit der Kontrolle über Gewista werden wir nun erstmals in Österreich operativ tätig, und zwar gleich mit einem Marktanteil von 40 Prozent. In Osteuropa bringt uns Europlakat (EPI) Synergien.
JCDecaux war bisher in Polen, Ungarn und vor allem in der Tschechischen und Slowakischen Republik mit Stadtmöblierungen (Wartehäuschen, Werbesäulen) präsent, EPI hingegen ist primär mit Grossflächen stark. Diese Aktivitäten sind komplementär. Zudem betrachten wir den EPI-Einstieg als wichtigen Schritt in Richtung Konsolidierung des osteuropäischen Plakatmarktes, der noch sehr aufgesplittet ist.
Will JCDecaux seine 100-prozentigen Osteuropa-Töchter bei EPI einbringen?
Decaux: Das ist unser Ziel, doch wie wir das machen, ist noch offen.
Rechnet man die Stimmrechte zusammen, die JCDecaux über Gewista und Affichage bei EPI hat, kommt man auf 53,5 Prozent. Nun existiert aber zwischen Gewista und Affichage ein «paritätischer Zusammenarbeitsvertrag». Werden Sie diesen künftig trotzdem einhalten?
Decaux: Die Stimmrechte sind so nicht kumulierbar. Aber die neue Situation erfordert natürlich Veränderungen bei EPI, die wir mit Affichage demnächst diskutieren wollen. Da wird auch der Vertrag ein Thema sein. Wir wollen EPI klar als Vehikel für unsere Expansion in Osteuropa nutzen. Aber wir wollen auch
im Geiste der 50-zu-50-Vereinbarung bleiben.
EPI war einer der ersten Aussenwerber, der in osteuropöischen Ländern aktiv wurde. Warum war JCDecaux zurückhaltender?
Decaux: Wer wie wir vor allem im Bereich Stadtmöblierung tätig ist, muss wesentlich höhere Investitionen tätigen als wenn man Plakatstellen aufbaut. Wir brauchen politische Sicherheit und Exklusivverträge. In Moskau beispielsweise hielten die Stadtbehörden den Exklusivvertrag mit einer deutschen Plakatfirma nicht ein. Zu viel Konkurrenz macht aber das Konzept einer einheitlichen Stadtmöblierung kaputt, wozu auch eine Infrastruktur für Unterhalt gehört.
Bisher hat Affichage Ihnen die Mitsprache im Affichage-eigenen Verwaltungsrat trotz Ihrer Beteiligung von 30 Prozent verwehrt. Bei EPI wird Affichage nun aber mit JCDecaux kooperieren müssen. Wie soll das gehen?
Decaux: Wie gesagt, darüber müssen wir noch sprechen. Aber eigentlich funktioniert das bereits sehr gut. Vor zwei Wochen haben wir gehört, dass das polnische Medienunternehmen Agora versucht hatte, AMS, Polens grössten börsenkotierten Aussenwerber, unfreundlich zu übernehmen. Darauf rief ich Christian Kauter an, und mit seiner Zustimmung machte ich den AMS-Aktionären sofort ein freundliches Angebot, das vorerst JCDecaux, später wohl auch EPI 20 Prozent der AMS-Stimmrechte bringen würde. Wir sind also bereits kurzfristig zusammen tätig geworden. Ob unsere Aktion ein voller Erfolg wird, wissen wir erst Ende April, aber einen Teilerfolg verbuchten wir bereits, weil Agora ihr Angebot zurückzog.
Werden Sie durch den Einstieg bei EPI nun auch das Mitspracherecht im Affichage-VR neu thematisieren?
Decaux: Da warten wir noch den Entscheid der Weko ab. Aber uns gefällt die Vinkulierungsklausel bei Affichage natürlich überhaupt nicht. Es geht nicht, dass wir mit unserer 30 Prozent-Beteiligung gleich viele Stimmen haben wie zum Beispiel Clear Channel, das mit 8 Prozent an Affichage beteiligt ist. Erst recht nicht, da Affichage und wir in Osteuropa jetzt strategische Partner sind.
Könnte sich Ihr Einstieg bei EPI nun nicht nachteilig auf den am
7. Mai bevorstehenden Weko-Entscheid auswirken?
Decaux: Nein, das glaube ich nicht, die Weko beschäftigt sich mit der Wettbewerbssituation in der Schweiz. Zwischen Affichage und JCDecaux gab es bisher aber nie Absprachen, auch nicht bezüglich des Auslandgeschäftes. So hat sich Affichage ebenfalls für den Kauf des B&C-Anteils bei Gewista beworben; sogar dort waren wir Konkurrenten.
Kommt die Beteiligung von JCDecaux an Europlakat (EPI) für Sie überraschend?
Christian Kauter: Es ist seit längerer Zeit bekannt, dass die Bank Austria ihren 51-Prozent-Anteil an Gewista verkaufen wird und JCDecaux am Kauf interessiert ist. Ebenso war uns bekannt, dass die Bank Austria JCDecaux als Käufer gegenüber dem Clear- Channel-Konzern, zu dem auch Plakanda gehört, bevorzugt.
Was sagen Sie zum neuen Partner bei EPI?
Kauter: Bei JCDecaux handelt es sich bekanntlich um den grössten Anbieter Europas im Bereich der Aussenwerbung, der seine Expansionsstrategie nun auch in Osteuropa fortsetzt.
Zwischen der österreichischen Gewista und der Affichage gibt es in Sachen EPI einen «paritätischen Zusammenarbeitsvertrag bezüglich strategischer Fragen». Bleibt dieser bestehen?
Kauter: Ja, das ist vertraglich festgehalten.
Dann ist er mehr als ein Stück Papier angesichts der Tatsache, dass JCDecaux über Gewista und Affichage eine kumulierte Stimmenmehrheit von 53,5 Prozent erlangt hat.
Kauter: Es besteht kein Anlass für Affichage, an der Einhaltung dieses Vertrages zu zweifeln. Im Übrigen sind die beiden Beteiligungen nicht kumulierbar. Das Beteiligungsverhältnis bei EPI, einem Joint Venture zwischen Affichage und Gewista, beträgt nach wie vor 49 zu 51 Prozent. Die Mitspracherechte sind im Zusammenarbeitsvertrag definiert.
Die Situation bei EPI muss für die Affichage nun zwiespältig sein: In der Schweiz haben Sie bisher JCDecaux den Einzug in den Affichage-Verwaltungsrat verwehrt, bei EPI werden Sie nun mit ihm verhandeln müssen.
Kauter: Wir haben eine Zusammenarbeit mit JCDecaux im Ausland stets als Perspektive in Betracht gezogen. Die Erschliessung neuer Märkte ist kapitalintensiv. Eine partnerschaftliche Lösung liegt in unserem Interesse. Anders verhält es sich auf dem Heimmarkt. Hier hat Affichage bewiesen, dass sie das Out-of-home-Business versteht, auch internationale Benchmarks setzt und zum Fortbestehen keinen Partner braucht.
Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich EPI mit JCDecaux verändern?
Kauter: Ich erwarte eine Vereinheitlichung der Plakatformate in den EPI-Ländern und ein ausgeprägteres Rentabilitätsdenken.
Eine Zusatzfrage in anderem Zusammenhang: Bleibt Eric Honegger im Affichage-Verwaltungsrat? Stand seine Funktion in den letzten Wochen je zur Diskussion? Oder wird diese Frage an der kommenden Affichage-GV traktandiert?
Kauter: Eric Honegger geniesst das volle Vertrauen des Verwaltungsrates. Er ist von der GV der Affichage Holding bis 2003 gewähltes Mitglied des Verwaltungsrates.
Interviews: Markus Knöpfli
JCDecaux kontrolliert Europlakat

Der französische Aussenwerber JCDecaux übernahm Anfang April die Kontrolle bei der österreichischen Plakatgesellschaft Gewista und damit auch über deren osteuropäische Tochter Europlakat, an der die Affichage Holding 49 Prozent hält (WW 15/01). Die B&C-Holding, die als Finanzinvestorin die Anteile der bisherigen Gewista-Mehrheitsaktionärin Bank Austria verwaltet, und JCDecaux gründen ein Joint Venture namens JCDecaux Central Eastern Europe Holding (DCEE), an dem JCDecaux 58,5 Prozent halten wird. B&C bringt den Bank-Austria-Anteil an Gewista (51 Prozent) bei DCEE ein, JCDecaux seine 16 Prozent von Gewista sowie den 30-Prozent-Anteil an Affichage.

(Visited 15 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema