«Werbung ist ein Wegwerfprodukt»

Anita Kopp, Junior-AD bei Freiburghaus und Banderini, Bern, besitzt ein nüchternes Verhältnis zur Werbung

Anita Kopp, Junior-AD bei Freiburghaus und Banderini, Bern, besitzt ein nüchternes Verhältnis zur WerbungVon Anita VaucherAnita Kopp überlegt immer gut, was sie sagt, und meidet im Umgang mit ihren Mitmenschen Fettnäpfchen. Die junge Frau ist auf angenehme Art ehrgeizig und bestrebt, immer neu dazuzulernen, um beruflich ihr Bestes zu geben und mit sich selber zufrieden zu sein.
Ehrgeiz ist für die Junior-AD Anita Kopp kein Schimpfwort. Von sich alles verlangen, nicht nachgeben und sich nie in Selbstzufriedenheit wiegen, diese Eigenschaften prägen ihren Tagesablauf. Möglicherweise sei das für ihre Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz manchmal etwas mühsam, sinniert Anita Kopp. Als ehrgeiziger Mensch neige man eher zum Einzelgängertum und riskiere dabei, seine Mitmenschen zu überfordern, vermutet die 26-Jährige. Dabei müsse es bei Auseinandersetzungen aber immer um die Sache gehen. Trotzdem schätzt sie die Arbeit im Team und braucht den gedanklichen Austausch.
Während ihrer Lehre als Schriften- und Reklamegestalterin besuchte Anita Kopp gleichzeitig die gestalterische Berufsmittelschule. Das brachte sie ihrem Traumberuf Grafikerin ein schönes Stück näher. Gezeichnet habe sie schon als Kind gerne, und im Alter von vierzehn Jahren wusste Anita Kopp, dass sie beruflich in die gestalterische Richtung gehen würde. Rückblickend beurteilt sie die beiden Lehrgänge zur Schriften- und Reklamemalerin und Grafikerin als sehr wertvoll. Sie hätten ihr sehr viel praktischen Alltag vermittelt und sie auch für ihre berufliche Zukunft geprägt, meint Anita Kopp.
Am Inserat, das sie schliesslich zu Freiburghaus und Banderini führte, reizte sie besonders die Stellenbezeichnung Konzepter/ AD. Da könne sie in jedem Fall etwas dazulernen, habe sie sich gleich gesagt. Und nach etwas mehr als einem Jahr bei der Berner Werbeagentur sieht sie ihre Erwartungen in diesen Job mehr als bestätigt. Bei Freiburghaus und Banderini erhielten eigentlich alle, die wirklich vorwärts kommen wollen, ihre Chance, ist Anita Kopp überzeugt. Sie mag ihren Job, der ihr jeden Tag Neues und Unerwartetes beschert. Dies entspricht auch ihrem Wunsch, bei der Arbeit nie in Routine zu verfallen und immer neu herausgefordert zu werden.
Ab und zu gönnt sich die AD auch eine Auszeit
Pingelig genau musste Anita Kopp seinerzeit als Schriftenmalerin arbeiten. Heute sei sie als AD auf eine andere Art pingelig, meint die 26-Jährige lachend. Dabei denkt sie vor allem daran, wie sie ihre beruflichen Etappenziele erreichen will. Wenn sie an einem Projekt arbeitet, vergisst sie schon mal den Blick auf die Uhr.
Dass eine Arbeit, in die sie ihr Herzblut investiert hat, nach einigen Wochen in der Versenkung verschwindet, stört die AD-Frau nicht. Wer sich mit der Tatsache, dass Werbung ein Wegwerfprodukt ist, nicht abfinden könne, sei im falschen Beruf, meint sie bestimmt. Für Anita Kopp ist es auch wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, um etwas tun zu müssen, was nicht aus persönlicher Überzeugung heraus getan werden könne.
Sich wieder zurücknehmen zu können sei nicht einfach, vor allem in hektischen Phasen, aber wichtig, um eine gesunde Distanz zur Arbeit zu bekommen. Da kommt es schon mal vor, dass Anita Kopp in ein Museum geht, um sich abzulenken.
Abschalten nach Feierabend ist für die junge Frau ein Ding der Unmöglichkeit. Der Werbeberuf eigne sich kaum dazu, nach Büroschluss einen Strich unter den Berufsalltag zu ziehen, ist Anita Kopp überzeugt. Die Werbung sei ja in den Strassen allgegenwärtig, und ihr passiere es immer wieder, dass sie durch die Präsenz der Werbung vor allem auf Plakaten wieder an ihre Arbeit erinnert werde, stellt sie fest.
Dies gebe ihr zudem Gelegenheit, Werbung aus der Sicht des Konsumenten zu sehen, was wiederum Denkanstösse für die eigene Arbeit gebe. Mühsam werde es für sie erst, wenn die Arbeit sie bis in ihre Träume verfolge, weil «der Wurm drin sei» oder sie sonst einen Knopf nicht lösen könne.
Keine Lust auf Rheumadecken und Schwarzwaldfahrten
Die Werberin Anita Kopp hat an ihrem Briefkasten einen Werbestoppkleber angebracht. Mit der Werbung, wie sie in den Briefkasten flattert, hat sie nichts am Hut. Da finde man kaum Highlights werberischen Schaffens, verteidigt sie ihren Kleber. Und Sonderangebote vom Discounter oder Schwarzwaldfahrten mit Rheumadecken als Lockvogelangebot sind eben nicht ihr Ding.
Werbung soll zum Denken anregen und müsse beim Betrachter positive Gefühle auslösen und ihn mit einer ungewohnten Sichtweise überraschen. Pseudolustige Werbung oder so genannte Schenkelklopfer, die den Konsumenten zudem für dumm verkaufen wollen, schaden letztlich der Branche selber, ist Kopp überzeugt. Da schaut sie sich schon lieber eine Cannes-Rolle an und bedauert, dass ihr Arbeitgeber nicht häufiger TV-Spots macht.
Obwohl sie das Gefühl hat, ihre Kreativität mit dem jetzigen Job voll ausleben zu können, wäre für sie ein Freelance-Job eine Herausforderung. Dabei würde sie vor allem das unterschiedliche Arbeitsumfeld der verschiedenen Arbeitgeber reizen mit Werbestrategien, die von stark konservativ bis hin zu überspannt gehen könnten, träumt sie vor sich hin.
Kein Problem hätte sie dabei sicher mit selbst auferlegten persönlichen Schranken, die sie hindern würden, für eine bestimmte Sache zu werben. Da zeigt sie sich tolerant. Doch dann kommt Anita Kopp ganz schnell wieder auf den Boden der Realität zurück. «Ich stelle an mich sehr hohe Ansprüche und möchte darum im Moment noch meinen Rucksack mit Wissen anhäufen, bevor ich mich in das Abenteuer der Selbstständigkeit stürze.» Ihr Ziel war es übrigens auch nie, bereits mit 22 Jahren selbstständig zu sein.
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