JCDecaux kontrolliert Europlakat

Jetzt muss Affichage den Umgang mit dem französischen Aussenwerber lernen

Jetzt muss Affichage den Umgang mit dem französischen Aussenwerber lernenVon Markus KnöpfliÜber eine Aktienmehrheit an der österreichischen Aussenwerberin Gewista hat JCDecaux nun das Sagen bei Europlakat, an der die Affichage zu 49 Prozent beteiligt ist. Ob das der Affichage recht ist, steht auf einem anderen Blatt.
Die Affichage soll schweizerisch bleiben – das ist der Grund für die Vinkulierungsbestimmungen in den Statuten des grössten Schweizer Aussenwerbers. Konkret: Auch grosse Teilhaber können nur maximal 5 Prozent Stimmrecht im Aktienregister eintragen lassen. Das hat unter anderem der französische Aussenwerber JCDecaux zu spüren bekommen, als er sich 1999 zu 30 Prozent an der Affichage beteiligte und auch Einsitz in den Verwaltungsrat verlangte. Bisher musste sich JCDecaux mit den mageren 5 Prozent Stimmrecht begnügen.
Andererseits zeigte sich Jean-Pierre Bonny, bis letztes Jahr VR-Präsident der Affichage, gegenüber JCDecaux immerhin offen für «konstruktive Gespräche mit Blick auf ein gemeinsames Vorgehen im Ausland». Ob man sich bei der Affichage dieses «gemeinsame Vorgehen im Ausland» nun so vorgestellt hat, wie es neu bei der Europlakat der Fall sein wird, ist nicht anzunehmen. Denn dort hat nun JCDecaux das Sagen.
Jetzt muss die Affichage
Farbe bekennen
Zwar gehört die Europlakat, die in osteuropäischen Ländern im Bereich Aussenwerbung aktiv ist, nach wie vor zu 51 Prozent der österreichischen Aussenwerberin Gewista und zu 49 Prozent der Affichage. Zudem gilt zwischen den beiden Partnern ein paritätischer Zusammenarbeitsvertrag bezüglich aller strategischen Fragen.
Doch zu bedenken ist, dass die Gewista nun von JCDecaux kontrolliert wird und dieser auch noch die (wenigen) Stimmrechte bei der Affichage in die Waagschale werfen kann. Fazit: Der französische Aussenwerber hält bei Europlakat nicht nur finanziell, sondern auch stimmlich eine klare Mehrheit.
Derzeit ist noch unklar, ob der Coup von JCDecaux für Affichage überraschend kam oder ob man in Genf darauf vorbereitet war. Fest steht, dass die Affichage nun zum ersten Mal mit JCDecaux kooperieren muss.
Eingefädelt wurde die Sache von JCDecaux folgendermassen: JCDecaux und der Finanzinvestor B&C Holding gründen ein Joint Venture namens JCDecaux Central Eastern Europe Holding (DCEE). An der DCEE wird JCDecaux 58,5 Prozent halten, B&C 41,5 Prozent. B&C, die zu 51 Prozent an der Gewista beteiligt ist, bringt diesen Anteil in die neue Holding ein, ebenso JCDecaux, der 16 Prozent der Gewista-Aktien hält. Weiter bringt JCDecaux seinen 30-Prozent-Anteil an der Affichage ein.
Europlakat hat für die Affichage derzeit noch eine kleine, aber wachsende Bedeutung: 1999, nur vier Jahre nach der Gründung, brachte das Unternehmen dem Schweizer Aussenwerber 25 Millionen Franken ein, was 9 Prozent des Gruppenumsatzes und rund 3 Prozent des Konzerngewinns entsprach. Im letzten Jahr wuchs der Affichage-Anteil am osteuropäischen Verkaufserlös sogar auf 27,8 Millionen Franken, was einer Steigerung um 11,1 Prozent entspricht.
Weko entscheidet am 7. Mai – vielleicht

Seit 1999 untersucht die Wettbewerbskommission (Weko), ob die 30-Prozent-Beteiligung von JCDecaux an der Affichage «im wettbewerbsrechtlichen Sinn als Absprache zu qualifizieren sei». Am 7. Mai wird nun die Weko auf Antrag ihres Sekretariates einen Entscheid fällen. Was der Antrag beinhaltet, wird unter Verschluss gehalten. Es ist jedoch keineswegs sicher, dass der Fall nun nach gut eineinhalb Jahren zu einem Abschluss kommt. Möglich ist auch, dass die Weko den Fall weiter untersuchen lässt.

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