Verwechslungen durchaus erwünscht

Eine kleine Basler Agentur wirbt für Schweizer Kulturveranstaltungen in Österreich

Eine kleine Basler Agentur wirbt für Schweizer Kulturveranstaltungen in ÖsterreichOft will Werbung belustigen, allenfalls provozieren, seltener jedoch Missverständnisse wecken. Letzteres nimmt eine kleine Basler Werbeagentur beim Bewerben Schweizer Kulturveranstaltungen in Österreich bewusst in Kauf.Auf den ersten Blick sieht man die Plakatheadline «Dieses Gelb», darunter «CHinA 2001». Wer denkt da als erstes nicht an gelbhäutige Asiaten? Niemand assoziiert damit eine «Kulturoffensive», bei der ab April und während eines Jahres Schweizer Kulturschaffende der Sparten Bildende Kunst, Film, Literatur, Musik, Cartoon, Tanz und Theater in Österreich, vorab in Wien, an rund 70 Veranstaltungen auftreten. Diese Assoziation stellt sich auch nicht ein, wenn man den Zusatz «Schweiz in Österreich» entdeckt. Im Gegenteil.
Fredy Hadorn, Inhaber der Basler Werbeagentur Hadorn und Urheber des erwähnten Plakates und weiterer Sujets, erklärt bereitwillig: «Dieses Gelb» sei der Titel eines Bildes eines Schweizer Künstlers, die Headline «Ohne Titel» ebenfalls, und «Das Blütenstaubzimmer» sei ein Titel aus der Schweizer Literatur. Doch wissen das auch die Österreicher? Oder werden sie durch die Headlines wenigstens neugierig genug, dass sie wie gewünscht flugs zur Homepage www.china2001.at surfen? Hadorn ist überzeugt, dass «die Headlines für Insider schnell erkennbar sind». Dass sie hingegen in der breiteren Öffentlichkeit bloss Fragezeichen entstehen lassen, «ist durchaus erwünscht».
Die österreichischen Medien sollen Fragezeichen auflösen
Was er nicht sagt: Vielleicht kalkuliert er bewusst lauter Fragezeichen ein, dass die österreichischen Medien sich genötigt sehen, diese im redaktionellen Teil aufzulösen. Jedenfalls hat bereits die chinesische Botschaft in Wien von der Sache Wind bekommen und einen Missbrauch ihres Landes gewittert. «Wir wollen nicht ausschliessen, dass es zu Verwechslungen kommt», sagt Hadorn nur. «Dieses Risiko nehmen wir in Kauf.»
Wie aber kam Hadorn zu diesem Werbeauftrag? In den letzten zwei Jahren löste er in Basel mit zwei Kunstprojekten eine recht breite Resonanz aus. Danach wurde der Künstler und Werber von den Wiener Initianten prompt für die Umsetzung der Kampagne angefragt.
Markus Knöpfli
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