Push ist wieder da

Tip TV will Fernsehkonzepte im Internet durchsetzen und belebt damit eine alte Technologie

Tip TV will Fernsehkonzepte im Internet durchsetzen und belebt damit eine alte TechnologieVon Alessandro MonachesiVor fünf Jahren ein Hype, kurz danach totgesagt – die Push-Technologie schien noch Anfang letzten Jahres den Weg so mancher Internetanwendung gegangen zu sein. In Zumikon bei Zürich bereitet die Tip TV AG ein Comeback des Prinzips vor.
«Eines der heissesten Themen auf einer Internetshow dieser Woche ist die so genannte Push-Technologie.» So stand es im Januar 1997 in einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. Informationen wurden von Push-Diensten gemäss Kundenpräferenzen automatisch an den User-PC gesandt, wo sie offline zu betrachten waren.
Dies ersparte dem Benutzer die damals noch teurere Onlinesuche spezifischer News oder Materialien auf verschiedenen Websites. Zwei Jahre später war Push aber bereits wieder vergessen. Einst als Killerapplikation gefeiert, verlor diese Technologie zur Lieferung von Inhalten rasch an Bedeutung. Den Internetusern war sie einerseits zu langsam, andererseits bevorzugten sie die eigene Recherche von Informationen im Web. Die Pionierfirmen von damals haben längst ihr Geschäftsfeld in anderen Bereichen gesucht, sei es in der Personalisierung von Onlinenews (PointCast) oder als Spezialistin für Netzwerkmanagement (Marimba).
Tip TV, eine junge Schweizer Firma, trägt neues Leben in die Push-Philosophie. Tip TV geht dabei neue Wege im Web: Fort von der Schriftlichkeit des Netzes, heisst die Devise, hin zu den bewegten Bildern des Fernsehens. Mit der Medi@box hatte Tip TV auf der Muba 2000 auf sich aufmerksam gemacht: Über 10000 mit der Medi@box aufgenommene und versandte Videomails konnte Tip TV während der ersten fünf Tage der Messe versenden; ein deutliches Zeichen für das Publikumsinteresse am Kasten.
So interessant die allMedi@box, wie das Gerät inzwischen heisst, als Terminalsystem ist, es handelt sich im Grunde genommen um ein Nebenprodukt der Bemühungen von Tip TV. Denn Frank Pöllmann, der Geschäftsleiter von Tip TV, ist nicht an der Hardware interessiert. Sein Trumpf: Jeder Videomail der Medi@box liegt der Tip-TV-Player bei, eine eigene Anwendung des Realplayers.
Dieser Player ist das Herz der Strategie von Tip TV. Das Programm dient nicht nur dem Abspielen bewegter Feriengrüsse. Der Tip-TV-Player stellt einen eigentlichen Empfänger für die Inhalte von Tip TV dar. Mit diesem Reciever hat Pöllmann noch eine Menge vor. In Zukunft soll der User einfach den Player starten können, wenn er wissen will, was wo läuft. Dann stehen ihm alle Tip-TV-Kanäle zur Verfügung. Der User muss nicht mehr lange zusammenklauben, was ihn interessiert, sondern kriegt alles frei Haus geliefert. Push eben, jedoch in der Konzeption näher ans Fernsehen gelegt.
Bereits 6000 User haben den Partytv.ch-Player geladen
Zurzeit beläuft sich der Inhalt von Tip TV auf Kinofilm- und DVD-Trailer sowie auf Programmhinweise von Fernsehsendern. Und auf Partytv.ch. Mit Partytv.ch stellt die Tip TV AG ihren ersten eigenen Contentlieferanten auf die Beine. Content Scouts streifen für Partytv.ch von Club zu Club, von Disco zu Disco und filmen mit ihrer DV-Ausrüstung die Partylöwen. In kleinen Realfilmchen, vom jungen Team aufbereitet, stehen die Statements des Abends anschliessend auf der Website bereit. Auch für Partytv.ch lautet das Zauberwort, das Pöllmann nicht müde wird zu wiederholen, «community». Selbstverständlich steht der Tip-TV-Player auf der Homepage zum Download bereit. Nach Partytv.ch sollen weitere Spartenchannels mit unterschiedlichster Ausrichtung folgen. Geplant ist zum Beispiel Kirchentv.ch.
Pöllmann ist zufrieden mit den ersten Ergebnissen von Partytv .ch: 6000 User sollen in der kurzen Zeit seit dem Start den Player heruntergeladen haben. Mit Tip TV will Pöllmann nicht zuletzt die heutigen Konzepte von Werbung und Marketing im Internet auf den Kopf stellen: «Vorbei sind die Zeiten der Milchmädchenrechnungen über Pageviews!» Bannerklicks haben für ihn ebenfalls ausgedient. Er interessiert sich besonders für die Verweildauer. Und die beträgt bei Tip TV gemäss eigenen Angaben stattliche 15 Minuten, ein für Internetverhältnisse astronomischer Wert.
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