Auffrischende Kinobise aus Westen

Seit Januar hält Mediavision in der Romandie einen Marktanteil von 35 Prozent

Seit Januar hält Mediavision in der Romandie einen Marktanteil von 35 ProzentVon Markus KnöpfliDas Monopol der Cinecom & Media als Schweizer Kinovermarkterin bröckelt zusehends. Die französische Konkurrentin Mediavision scheint besonders in der Westschweiz leichtes Spiel zu haben. Darum verstärkt die Cinecom dort nun ihre Präsenz.
«Mit einem Marktanteil von
95 Prozent ist Cinecom Marktleaderin im Schweizer Kinomarkt.» Dieser Satz ist seit kurzem auf den Pressecommuniqués der Cinecom & Media zu finden. Der Satz ist doppelt interessant: Die Cinecom gesteht, dass sie nicht mehr Alleinherrscherin auf dem Schweizer Kinomarkt ist. Zudem entspricht die Angabe zum Marktanteil einem groben Mittelwert der Jahre 2000 und 2001, was zeigt, dass Cinecom vorsichtig geworden ist. Ihr Marktanteil 2000 betrug rund 97 Prozent, derjenige von 2001 voraussichtlich 92 Prozent. Und im Jahr 2002 wird er wohl weiter sinken.
Doch kurz zur Vorgeschichte: Das seit 1996 existierende Kinovermarktungsmonopol der Cinecom fand im November 1999 ein Ende. Damals wurde das Genfer Multiplexkino Balexert eröffnet, wobei Inhaber Village-Road-Show bereits einen Pachtvertrag mit dem französischen Kinovermarkter Mediavision (MV) mitbrachte. Damit war das Balexert das erste Schweizer Kino ohne Cinecom-Pacht.
Und MV hatte damit ein Ziel erreicht: Es konnte mit dem Balexert einen starken Fuss in die Schweiz setzen. Mit Erfolg: Allein im Jahr 2000 verzeichnete das Balexert gut 500000 Kinoeintritte, was einem Marktanteil
von 29 Prozent im Kanton Genf
und einem Marktanteil von rund
3 Prozent in der ganzen Schweiz entspricht. Darüber hinaus zieht das Balexert andernorts kräftig Publikum ab. Zwar verzeichnete Genf letztes Jahr 1,7 Millionen Kinoeintritte, 100000 mehr als 1999. Das zeigt, dass das neue Multiplex zwar zusätzliche Eintritte generierte, gleichzeitig den andern Kinos viermal so viele Besucher entzog – eine Verschiebung, die in ähnlicher Form auch bei anderen Multiplexkinos festzustellen ist.
Mediavision akquiriert munter weitere Säle hinzu
Doch damit nicht genug: Im letzten Jahr blieb Mediavision nicht auf dem Balexert sitzen, sondern brachte in der Westschweiz 31 weitere Kinosäle in seine Pacht. Seit Januar 2001 vermarktet MV somit 44 Kinosäle, was 1,5 Millionen Eintritten pro Jahr (Basis 2000) und einem Marktanteil von 35 Prozent in der Romandie (rund 8 Prozent in der ganzen Schweiz) entspricht. Seit Juli 2000 markiert MV zudem mit einer eigenen Filiale in Lausanne Präsenz. Generaldirektor von Mediavision Suisse SA ist Olivier Bloch, gleichzeitig Direktor der Mediapresse Pub SA, die für MV seit 1999 den Werbeverkauf durchführt.
Wie Bloch auf Anfrage erklärte, akquiriert MV munter weitere Kinosäle. Schon jetzt steht gemäss Bloch fest, dass ab 2002 mindestens 13 weitere Kinosäle bei MV unter Vertrag stehen werden, total also 57, was 2,2 Millionen Eintritten oder einem Marktanteil Romandie von 50 Prozent (12,5 Prozent in der ganzen Schweiz) entspreche.
Bei Cinecom, das sich ab dem 1. April RMB Switzerland nennt (siehe WW 9/01), ist man nun aus dem Dornröschenschlaf erwacht: Unter der Leitung von Michael Steffan, bisher Chef von Digital Cinefilm (einem von zwei JointVenture-Partnern, die 1995 Cinecom gründeten), wird in Lausanne eine Vertretung unter dem Namen RMB Suisse Romande aufgebaut.
Doch Steffan relativiert: Die neue RMB-Vertretung habe nicht allein mit der neuen Lage auf dem Kinomarkt zu tun, sondern allgemein mit den Veränderungen bei Cinecom. Da Cinecom im Laufe der letzten Jahre nicht nur die Vermarktung von Kino, sondern auch von TV und Print übernommen habe, wolle man wegen all dieser Geschäftsbereiche in der Westschweiz präsent sein. «Wir wollen damit zeigen, dass wir an neuen Produkten interessiert sind», sagt Steffan. Zudem wolle man künftig näher am Westschweizer Markt und damit flexibler sein, um die Kunden besser zu betreuen. «Dass wir in den letzten Jahren die Westschweiz vernachlässigt hätten, kann man aber nicht sagen», stellt Steffan, selbst ein Romand, fest.
Und er führt auch einen Beweis an: Erst letzte Woche ist es Cinecom gelungen, den Vertrag mit Metrociné, dem grössten Kinobetreiber der Westschweiz (und Nummer 2 in der Schweiz), «für mehrere Jahre» zu erneuern – trotz MV-Gegenofferte. Metrociné hat in den Städten Lausanne und Genf insgesamt 29 Kinosäle, was laut Steffan 1,6 Millionen Eintritten pro Jahr und einem Marktanteil Westschweiz von rund 38 Prozent entspricht (ganze Schweiz: 9,5 Prozent).
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