Bitte bestellen, wenns klingelt

Distefora verbindet über ihr virtuelles SMS-Center die Instant Shopper

Distefora verbindet über ihr virtuelles SMS-Center die Instant ShopperVon Carlo BernasconiM-Commerce ist Realität. Das sagt Michael Kägi, in der Distefora Holding zuständig für den Bereich Mobile. Der Einkauf übers Handy soll gar zum Boom ausarten, wenn Mobiltelefone der nächsten Generation immer mehr Internetfunktionen einschliessen und die Datenübermittlung schneller und günstiger wird.
Bis in wenigen Jahren wird die Penetration der Mobiltelefone auf zwischen 90 bis nahezu 100 Prozent der Bevölkerung gestiegen sein. Mit dem GPRS-System (General Packet Radio Service) sind die Übertragungsgeschwindigkeiten für Daten massiv erhöht worden (Diax hats schon eingerichtet). Das erlaubt eine wachsende Handynutzung für Internetdienste. Und wer ein Handy besitzt, weiss auch ein SMS zu versenden (Short Message Service). Täglich werden über fünf Millionen solcher Mitteilungen, begrenzt auf 160 Zeichen, verschickt.
Michael Kägi, Gründer der Firma Minick, die er nun in die Distefora Holding eingebracht hat, entwickelte schon früh eine Software für M-Commerce-Systeme. Heute betreibt er ein virtuelles SMS-Center, das als Schnittstelle zwischen Mobilfunkkunde und Anbieter fungiert.
Distefora Mobile bietet vor allen Dingen Kunden, die standardisierte Produkte anbieten, die elektronische Logistik zur Verarbeitung der Bestellungen via SMS. So hat die zum Migros-Konzern gehörende Medienkette Ex Libris bereits die Vorzüge des virtuellen SMS-Centers entdeckt und im vergangenen Jahr Produkte über SMS verkauft. Insgesamt würden heute täglich an die 1000 Produkte über das virtuelle SMS-Center verkauft, sagt Kägi.
Bestandteil eines erfolgreichen Marketingmix
Noch stösst Kägi auf Skepsis, wenn er die Vorzüge von M-Commerce bei Werbeagenturen preist. «Ich finde vielfach noch die ähnlich ablehnende Haltung vor wie bei der Einführung des Internets», meint Kägi.
Die Vorzüge von M-Commerce sieht Kägi darin, dass man Konsumenten zu Instant Shopping animiert, indem man ihnen die Möglichkeit gewährt, mit wenigen Buchstaben Bestellungen für Produkte auszulösen, die vorher mit klassischen Medien beworben worden sind.
So bewarb Ex Libris die neue Madonna-CD mit Printanzeigen und dem Hinweis, dass man die CD auch via SMS bestellen könne. Für Ex-Libris-Geschäftsführer Peter Bamert ist es aber «noch zu früh, um abschliessend beurteilen zu können, ob das Instrument konstant als Kommunikations- und Verkaufsinstrument oder als Aktions-Tool eingesetzt werden soll», erklärte er der WerbeWoche.
Die Anbieter gelangen so zu Adressdatenbanken der Endkunden, die ihnen ein genaues Data-Mining ermöglichen. Dürfen Handybesitzer bei der nächsten Madonna-CD ein SMS von Ex Libris erhalten mit der Aufforderung, die brandneue CD ebenfalls auf diesem Weg zu erwerben? Bamert gibt sich zurückhaltend: «Die Ideen sind da. Wir sind diesbezüglich aber sehr kundenorientiert und wollen die Möglichkeiten, die diese Adressen bieten, genauso wie auch diejenigen unserer 120000 Clubmitglieder oder die Cumulus-Adressen nicht überforcieren.»
Freilich, Distefora verbietet per Vertrag seinen Kunden, die Adressen für andere Direct-Marketing-Aktivitäten zu verwenden, und im virtuellen SMS-Center der Distefora werden diese Adressen auch nicht anderen Kunden zur Verfügung gestellt. Damit es nicht vorkommt, dass ein Ex-Libris-Kunde plötzlich per SMS von Konkurrent Directmedia aufgefordert wird, das neue Madonna-Video zu kaufen.
Umständliches Voice Shopping gegen rasches SMS-Trading
Für Michael Kägi hat M-Commerce schon deshalb Zukunft, weil der Einkauf via Handy im klassischen Gespräch zu umständlich und zu zeitaufwändig ist. Ausserdem muss der Anbieter eine Infrastruktur aufbauen, die viel teurer ist (Call Center) als die Softwarelösung von Distefora.
Deshalb hält er mobiles Advertising und M-Commerce «als ideales 1-to-1-Marketingtool», weil die Reaktion des Kunden in Echtzeit erfolge, weil eine Datenbank aufgebaut werden könne und weil exakte Statistiken vorlägen.
So hat Ex Libris – am Tag der Bekanntgabe des Codewortes und der SMS-Nummer über Anzeigen und auch über ein Interview von Peter Bamert auf Ra-
dio 24 – tausend Exemplare der CD verkauft. Doch nicht jedes Produkt eignet sich dafür. «Die für M-Commerce idealen Produkte sind in ungefähr die gleichen, die schon bei E-Commerce erfolgreich waren: CDs, DVD-Filme, Tickets, also Produkte, bei denen man genau weiss, was man kauft», meint Kägi. Sammelbestellungen funktionieren nicht.
Andererseits kann sich der HTL-Diplomingenieur gut vorstellen, dass sich ein Kunde beispielsweise bei der Homepage eines Reiseveranstalters einloggt und um ein bestimmtes Last-Minute-Angebot bittet, das ihm danach per Handy übermittelt werden kann, sodass er das passende Angebot per SMS-Bestätigung buchen kann.
Noch auf die Jugendlichen
beschränkte Angebote
M-Commerce bleibt derzeit auf die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen beschränkt, da diese Gruppe sich das neue Kommunikationsmittel SMS am schnellsten angeeignet hat und auch am versiertesten damit umzugehen weiss – mindestens deuten bisherige Angebote, via SMS einzukaufen, darauf hin.
Kägi kann sich aber vorstellen, dass SMS noch mehr Dienste anbietet. «Wireless wird immer mehr ins Marketing eingreifen», ist er überzeugt. So kann sich Kägi vorstellen, dass Nike einen Slogan sponsert, wenn Handykunden die neuesten Sportresultate abfragen. Tourismusorte könnten den Handybesitzern die neuesten Infos anbieten, sobald sie mit ihrem Telefon in die Nähe des Ortes gelangen – was heute schon geschieht, wenn man vor Como ins Netz der TIM, des italienischen GSM-Netzbetreibers, gerät.
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