Kopf der Woche: «Aktienbesitz ist für mich kein Thema»

Hannes Britschgi ist ab 15. Januarder neue Chefredaktor von Facts

Hannes Britschgi ist ab 15. Januarder neue Chefredaktor von FactsHannes Britschgi ist ab 15. Januarder neue Chefredaktor von Facts«Aktienbesitz ist für mich kein Thema»
Von der über Gebühren finanzierten Service-public-Firma zum börsenkotierten Unternehmen: Grösser könnten die Unterschiede in den Unternehmenskulturen gar nicht sein, denen Hannes Britschgi mit dem Wechsel von SF DRS zur Tamedia begegnet. Seine ersten Erfahrungen mit der neuen Firmenkultur waren indes vor allem von der amüsanten Art. «Zum Beispiel habe ich über das ausgeklügelte Timing geschmunzelt, als meine Ernennung zum Facts-Chefredaktor kommuniziert wurde», erinnert er sich. Das habe man nicht wie üblich nach Vertragsunterzeichnung geplant, sondern an einem speziell auf die Börse abgestimmten Termin.
Solche Zwänge will der 45-Jährige sich aber für seine journalistische Arbeit möglichst vom Leibe halten. Deshalb ist er strikt abstinent, was Aktienbesitz betrifft. Und er ist auch überhaupt nicht unglücklich darüber, erst ein paar Monate nach dem IPO zu Tamedia zu stossen. Damit sei er gerade noch knapp an der Aktien-Sonderaktion für Mitarbeiter vorbeigekommen, lacht er. Doch solche Dinge können seine Lust auf Neues nicht trüben. Denn nach 15 Jahren SF DRS ist der Hunger auf ein neues Umfeld und neue Herausforderungen gross.
Trotzdem ist ihm der Abschied vom Schweizer Fernsehen nicht leicht gefallen. Der Jurist und Anwalt hat dort seine gesamte Karriere als Journalist durchlebt. Zwei Jahre «Karussell», ein Intermezzo mit «Max», vier Jahre «Kassensturz» hinter den Kulissen. Und als Höhepunkt die «Rundschau», zu der Britschgi 1994 stiess und die er ab Januar 1999 leitete.
Dem aggressiven Interviewer gelang es, die Quote des Politik- und Wirtschaftsmagazins weiter nach oben zu treiben. So verfolgten in den letzten Monaten jeweils bis zu 600000 Zuschauer und vereinzelt noch mehr, wenn Britschgi die Wirtschaftsbosse auseinander nahm.
Diesen zupackenden Stil wird er auch bei Facts nicht aufgeben. Zwar möchte er noch keine Details über die künftige Ausrichtung des Nachrichtenmagazins verraten. Sicher ist aber: Das Erfolgsrezept der «Rundschau» wird er auch am neuen Ort pflegen.
Doch wer ist eigentlich dieser knallharte TV-Profi, den die meisten nur von der «Rundschau» kennen? «Sicher nicht jener ‹eklige und unmögliche Typ› aus der Sendung.» Aber das Temperament ist dasselbe, denn Britschgi mag die engagierte Auseinandersetzung im Team. «Wenn man sich aneinander reibt, streitet, wenn die Leute explodieren – das führt zu guten Resultaten im Journalismus.»
Diese anregende Atmosphäre, wie er sie malt, erlebt Britschgi auch zu Hause in Zürich. Partnerin Lucia und die drei Töchter halten ihn körperlich und geistig fit. Vor allem die Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren inspirieren ihn. «Die gehen mit einer unglaublichen Offenheit ins Leben.» Genau so werde er dem neuen Arbeitsumfeld begegnen: «Mit ganz grossen Augen in diese neue Konzernwelt eintreten.»
Daniel Schifferle
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