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Thema des Content Summits 2000 war der Contentdeal im Web

Thema des Content Summits 2000 war der Contentdeal im WebVon Thomas Brenzikofer Eine offenbar lukrative Marktnische haben Contentbroker entdeckt: Sie kaufen und verkaufen Online-Inhalte jeglicher Art an Portale und vermehrt auch an Websites von grossen Unternehmen. Der Inhalt stammt zum grossen Teil von Medienhäusern. Die Frage stellt sich, ob sich diese Contentprovider nicht ins eigene Fleisch schneiden.
Sie aggregieren Inhalte von verschiedenen Contentprovidern, schnüren diese zu individuellen Paketen, «Feeds» genannt, und verkaufen diese an ihre Abnehmer. Die Rede ist von so genannten Contentbrokern wie iSyndicate, ScreamingMedia, YourNews oder 4Content.
Dass sich ihr Geschäft zumindest in Zukunft lohnen könnte, zeigt das Contentunternehmen Screaming Media. Die US-Firma, von Werbealtmeister Jay Chiat gegründet, erzielte in den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahres einen Umsatz von 14 Millionen Dollar. Gleichzeitig kumulierte man einen Verlust von 81,2 Millionen Dollar.
Dank Börsengang und Privatinvestoren verfügt Screaming Media aber über 102 Millionen Dollar in der Kriegskasse. Und man ist zuversichtlich, bald Geld zu verdienen: Denn laut Grant Slinger, Senior Vice President bei Screaming Media, sind grosse Kunden wie IBM durchaus bereit, über 20000 Dollar im Monat für ihre Contentfeeds auf den Tisch zu blättern.
Die Preise sind so hoch wie die Nachfrage
Auch Steve Outing, CEO der amerikanischen Firma Content-Exchange, stellte am Content Summit 2000 in Zürich fest: «Der Bedarf ist gross, und die Preise sind dementsprechend hoch.» Laut Steve Outing wird in den USA für Onlinecontent derzeit dreimal mehr bezahlt als für Printinhalt. Die besten Preise kann man für einen Content verlangen, der eine starke Medienmarke als Absender hat.
Die Contentpreise werden dabei von Angebot und Nachfrage geregelt. «Normalerweise verlangen wir für unsere Vermittlertätigkeit 50 Prozent des Erlöses, aber das kann je nach Attraktivität des Inhalts stark variieren», meint Allison Hartsoe, Mitgründerin von iSyndicate, die auf dem europäischen Markt über ein Joint Venture mit Bertelsmann präsent ist.
Zusätzliche Einnahmequelle für Medienunternehmen
Für Medienunternehmen bedeuten Contentbroker eine zusätzliche Einnahmequelle. Dass dabei mehr abfällt als nur Brosamen, weiss Jupiter Communications: So soll in diesem Jahr bereits Content für rund 343 Millionen Dollar vermittelt worden sein. Im Jahr 2004 dürfte der Markt voraussichtlich auf 1,4 Milliarden Dollar ansteigen. Content spielt in der Wertschöpfungskette der neuen Medien mehr und mehr eine Schlüsselrolle.
Doch weshalb sollen die Medienunternehmen rund die Hälfte der Contentmilliarden den Syndikatoren abliefern, statt das Geschäft selber an die Hand zu nehmen? «Weil es für die Medienunternehmen schlicht zu mühsam ist, mit Hunderten von möglichen Abnehmern einzeln zu verhandeln. Zudem ist es auch technisch sehr aufwändig, die Lieferungen zu betreuen», meint Hartsoe.
Neutrale Programmdirektoren stellen Inhaltsmix zusammen
Für Marcus Oltmanns, COO und Mitbegründer der Hamburger 4Content, gibt es noch einen weiteren Grund, weshalb es künftig ohne Vermittler nicht mehr gehen wird: «Wir fungieren gewissermassen als neutrale Programmdirektoren und stellen für unsere Kunden einen Mix von Inhalten aus unterschiedlichen Quellen in ganz unterschiedlichen Formaten zusammen. Durch diese Beratungsleistung entsteht ein Mehrwert, den ein einzelnes Verlagshaus so nicht bieten kann.»
Trotzdem werden es sich die Medienunternehmen gut über- legen müssen, ob sich das Brokering ihres Contents lohnt. Die Frage stellt sich insbesondere, ob der Zusatzverdienst die Tatsache aufwiegen kann, dass der Wieder- und Wiederverkauf des Inhalts zu einer inflationären Wertverminderung des Contents führt, worunter letztlich auch die Marke leidet. Grant Slinger von ScreamingMedia sieht dies eher gelassen: «Es gibt über 55 Millionen Websites. Nicht die Erstellung des Contents ist also das Problem, sondern dessen Distribution. Denn wertvoll werden Inhalte erst dann, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtige Person erreichen.»
Contentbrokers in der SchweizIn der Schweiz ist das Contentbroking bislang noch wenig ausgereift. Zwei Anbieter sind bisher zumindest ansatzweise in diesem Geschäft tätig: Die Swisscontent von Beat Curti und die Internetmedien AG des ehe- maligen Blick-Reporters Beat Alder. Letztere beliefert vor allem Portalsites mit News; Swisscontent ist über das Joint Ven- ture mit der Post, Yellowcontent, für den Inhalt des Postportals Yellowworld verantwortlich. Kürzlich hat auch die Onlinenewsagentur Pressetext.ch mit Newsfox (www.newsfox.ch) eine Drehscheibe zwischen Contentanbietern und Contentbeziehern lanciert. Newsfox syndiziert neben News auch Magazininhalte, Fotos, Audioinhalte und Videos. Die Inhalte stammen aus eigener Produktion sowie von Partnern. Auch die deutsche Firma 4Content (www.4content.de) hat ein Auge auf den Schweizer Contentmarkt geworfen und hegt laut COO Marcus Oltmanns konkrete Pläne für die Gründung einer Niederlassung in der Schweiz.
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