«Für die Kleinen ist nicht nur Cash wichtig»

Was das neue TeleNewsCombi den grossen und kleinen Mitgliedern bringt

Was das neue TeleNewsCombi den grossen und kleinen Mitgliedern bringtNeun Regionalfernsehsender und Tele 24 haben sich zum neuen TeleNewsCombi (TNC) zusammengeschlossen (siehe auch WW 42/00). Die Baumeister Christian Stärkle, Geschäftsführer von Tele M1, und Bruno Oetterli, Geschäftsführer von Radiotele, sagen, wem das neue Kombi was bringt und wo es sich positionieren will.Hat der Markt auf TeleNewsCombi (TNC) gewartet?
Bruno Oetterli: Bis jetzt hiess es immer, TeleCombi decke nur die Gebiete westlich von Zürich ab. Als die Ostschweizer hinzukamen, hiess es, Zürich würde noch fehlen. Jetzt haben wir Zürich mit dabei, darum darf man sagen, dass wir uns dem Markt angepasst haben. Nun erwarten wir, dass der Markt dies auch honoriert.
Was bietet denn TNC, das weder die Werbefenster noch TV 3 noch SF DRS bieten können?
Christian Stärkle: Mehrere Sachen. Zum einen ein Umfeld im Newsbereich, das bis auf die regionale, lokale Ebene hinunter reicht. Das kann in dem Mass sonst niemand bieten. Zudem können wir garantieren, dass wir bei den Ratings praktisch keine Schwankungen haben.
Ist der Regionalbezug nicht bloss ein Mythos?
Oetterli: Nein, die Regionalen Sender erreichen ihre Performance effektiv in der ersten halben Stunde, in der die regionalen News ausgestrahlt werden.
Der TNC-Preis sei 10 bis 15 Prozent tiefer als der von SF DRS, wurde gesagt. Wenn Ihr Regionalbezug aber tatsächlich ein derart wichtiger USP wäre, müssten Sie sich doch preislich nicht so starr an SF DRS orientieren.
Stärkle: Der Preis wird natürlich differieren. Aber wir wollen im Schnitt etwa 10 bis 15 Prozent günstiger sein. Es ist nun einmal so, dass der Marktleader den Preis vorgibt. Dass er zudem noch mit Gebühren subventioniert im Markt auftaucht, tut uns unheimlich weh. Aber nach diesem Fakt müssen wir uns richten. Tun wir das nicht, sind wir out.
Nur wünschen Sie genau diese Form von Subvention auch. Ihr Verband Telesuisse hat erst vorletzte Woche einen Gebührenanteil für die Regional-TVs gefordert (WW 41/00). Werden Sie Ihre Preise senken, falls dieser Forderung dereinst entsprochen werden sollte?
Stärkle: Es ist nicht a priori die Idee, dass wir unsere Preise senken, sondern dass wir marktgerechte Preise im Markt setzen. Schliesslich sind unsere Leistungen etwas wert. Geld, das wir einnehmen, auch von der Gebührenseite her, würden wir konsequenterweise ins Programm stecken. Falls wir Gebühren erhalten sollten, will der Gebührenzahler kaum, dass wir günstige Werbung im Markt anbieten.
Klar, denn der TNC-Preis wird schon ein Dumpingpreis sein.
Oetterli: Nein, wir haben ihn auf Grund eines Vergleichs berechnet. Letztlich müssen wir uns im Markt behaupten und uns an unsere Kunden ausrichten. Nach deren Richtlinien sind wir mit dem TNC-Preis immer noch recht hochpreisig.
Normalerweise ist aber ein Kombipreis 10 bis 20 Prozent billiger als eine Einzelbelegung.
Das TNC ist aber fast 50 Prozent billiger als die einzelnen Partner zusammen.
Oetterli: Dazu kann ich im Moment nichts sagen, da ich die preislichen Details noch nicht gesehen habe.
Wie viel bekommen die einzelnen Partner?
Stärkle: Sie erhalten genau das, was sie mit ihren Ratings erreichen. Das passen wir dann quartalsweise an.
Für die kleinen TNC-Partner schaut also nicht viel heraus.
Oetterli: Ich bin der Meinung, dass für die Kleinen nicht nur der Cash wichtig ist. Die Regional-TVs leben nicht nur vom «national business», sondern vom regionalen Business. Wenn wir nun den sogenannten Kleinen die Labels von grossen Werbekunden auf den Bildschrim bringen, erleichtert dies ihnen auch die Arbeit im regionalen Bereich. Dieses Zusammenspiel muss man schon auch sehen.
Aber geht man einmal von den Einzelbelegungstarifen aus, dann ist es doch so, dass die Kleinen zu Gunsten des TNC prozentual stärker bluten müssen als etwa Tele Züri?
Oetterli: Das ist klar. Nur sind bei den Werbeeinnahmen jeweils auch die Anteile der lokal/regionalen und der nationalen Kundschaft verschieden. Heute haben die Kleinen gar keine nationalen Kunden und kämpfen im lokalen und regionalen Markt. Morgen aber werden sie nationale Kunden haben. Vielleicht schaut dabei in Cash nicht soviel heraus, aber sie habens. Das wiederum führt dann dazu, dass sie regionale Mittel generieren können, die sie effektiv ins Programm stecken können. Und wenn sie das Programm verbessern, dann partizipieren sie.
Kommen die Regionaltarife der einzelnen Regionalfernsehsender wegen des TNC nicht auch noch ins Purzeln?
Stärkle: Das glaube ich nicht. Im regionalen Markt steht ja der Preis nicht in Konkurrenz zu SF DRS, sondern zu einer Regionalzeitung oder zu einem Regionalradio. Weil also die Konkurrenzsituation völlig anders aussieht, kann auch das Preisgefüge völlig anders sein.
Tele 24 wurde primär als Lokomotive dargestellt. Tele 24 wird aber ausserhalb von Zürich immer noch relativ wenig gesehen, also profitiert es von der regionalen Abstützung.
Stärkle: Selbstverständlich. Es profitieren beide Seiten. Tele 24 profitiert durch die Abstützung in den einzelnen Regionen, gleichzeitig profitieren die Regionalen von der Menge der Zuschauer, die Tele 24 mit Tele Züri in dieses Kombi hineinbringt.
Bruno Oetterli, wird das TNC mit seinen unterschiedlichen Flöhen und den Spannungen unter den Ostschweizern bis zum Jahr 2002 Bestand haben?
Oetterli: Die Kombinationen in der Privatradioszene sind heutzutage auch stabiler als noch vor fünf Jahren, obwohl wir dort ja keinen gemeinsamen Marktgegner haben. Im TV-Bereich hingegen wird nur schon der gemeinsame Marktgegner dazu führen, dass man es sich zweimal überlegt, bevor man das TNC verlässt. Daher halte ich das Jahr 2002 für eine durchaus realistische Grösse. Interview: Markus Knöpfli
Aus TeleCombi wird TeleNewsCombiWie bereits angekündigt, erhält das TeleCombi auf Anfang 2001 kräftigen Zuwachs und wird dann als TeleNewsCombi (TNC) insgesamt neun Regionalfernsehsender und Tele 24 auf dem Werbemarkt als ein Paket anbieten. Ziel ist es, preislich etwa 10 bis 15 Prozent unter SF DRS und etwa 20 Prozent über den Werbefenstern zu liegen.
Das TNC garantiert täglich mindestens 600000 Werbekontakte im Umfeld der News. Zudem bietet es die Möglichkeit, nationale Werbung mit regionalen Spots zu schalten. Eine Belegung schliesst mindestens 15 Wiederholungen pro Sender mit ein. Die Bruttotarife für das erste Halbjahr 2001 lauten für Januar 8100 Franken, für Februar 8700 Franken, für März 9300 Franken, für April 9600 Franken, für Mai 9000 Franken und für Juni 7800 Franken. Damit wird mit dem TNC bei der Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen pro Frequenz inklusive Wiederholungen ein GRP von 3,8 erreicht (und nicht bloss 1,7, wie in der WW 42 fälschlicherweise geschrieben). Im ersten Jahr erwarten die TNC-Partner Mehreinnahmen von insgesamt zehn Millionen Franken – Geld, das sie primär bei den deutschen Werbefenstern in der Schweiz abzuholen hoffen. Ab April 2001 werden acht TNC-Partner (ohne Schawinski-Sender) an zwei Tagen ihre zweite Programmhälfte angleichen: Mittwochs ist ein regionaler Talk zu einem einheitlichen Thema vorgesehen, freitags ein Trendmagazin. Später ist noch eine Gesundheitssendung geplant.
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