Chronik eines Abgangs

Ludivine Ribeiro, Ex-Chefin von Edelweiss, wurde in den langen Urlaub geschickt

Ludivine Ribeiro, Ex-Chefin von Edelweiss, wurde in den langen Urlaub geschicktVon Anita Vaucher Während ihres Urlaubs wurde die Chefredaktorin des Westschweizer Frauenmagazins Edelweiss aus dem Hause Ringier Romandie, Ludivine Ribeiro, durch ihre Stellvertreterin ersetzt. Die wahren Gründe für diesen Coup bleiben wohl für immer ein Geheimnis.
Wer im Editorial der September-Ausgabe des Westschweizer Frauenmagazins Edelweiss zwischen den Zeilen zu lesen verstand, wusste sofort, dass die angekündigten «longues vacances» von Ludivine Ribeiro mehr bedeuteten als eine begrenzte Auszeit für die Chefredaktorin.
Immerhin hatte Ringier Romandie mit der 45-jährigen Französin Marie-France Vigor, ohne grosse Vorankündigung und Begründung während der Sommerpause eine erfahrene Journalistin als stellvertretende Chefredaktorin ins Haus geholt.
Diese hatte bereits in leitender Funktion für verschiedene französische Frauenzeitschriften gearbeitet. Und bald schon brodelte die Gerüchteküche, dass die junge Chefredaktorin und die gestandene Dame aus Frankreich ihre Parfumflacons nicht auf dem gleichen Tablar hatten.
Was Ringier Romandie dann Anfang November in einem trockenen Pressecommuniqué zum Ausscheiden von Ludivine Ribeiro mitteilte, kann nur als schlechte Informationspolitik bezeichnet werden. Erst im Nachhinein habe man festgestellt, dass eine Chefredaktorin, die sich für längere Zeit im Urlaub befinde, für die Zeitschrift unvorteilhaft sei, hiess es. Darum habe man eben kurzerhand die stellvertretende Chefredaktorin zur neuen Chefin gewählt. So entledigte sich der Verlag auf elegante Weise einer Mitarbeiterin, die möglicherweise den Anforderungen einer Chefredaktorin nicht voll genügte oder einfach zunehmend unbequem wurde.
Diese Frau hatte einige
Geheimnisse zuviel
Daran ist Ludivine Ribeiro nicht ganz unschuldig. Sie hat es stets verstanden, aus sich selber ein Geheimnis zu machen. So wollte die junge Frau nie ihr Alter verraten. Sie begründete die Geheimniskrämerei in einem Interview mit Le Temps damit, ihr Alter könnte zu Missverständnissen führen. Auch über ihre berufliche Vergangenheit schwiegen Chefredaktorin und Verlag hartnäckig.
Den immer extrem kurzen Editorials von Ludivine Ribeiro fehlte Tiefgang. Ihre Beiträge über Kosmetika, verpackt in eher kindlich anmutende Beziehungsstorys sowie einige Kurzkommentare zu Modereportagen trugen kaum zur Profilierung bei.
Sehr weit hinausgelehnt hat sich Ludivine Ribeiro als Chefredaktorin einer Frauenzeitschrift, die die moderne, weltoffene und gut verdienende Leserin ansprechen will, mit ihren gewagten und eigenwilligen Äusserungen zu Themen wie Schönheitschirurgie und dem Tragen von Pelzen.
So weigerte sie sich, in ihrer Zeitschrift über Themen wie Schönheitschirurgie und Abmagerungskuren zu berichten. In einer Kurzreportage über den Besuch einer Pariser Modeschau äusserte sie sich entsetzt über all die Damen im Publikum mit den künstlich aufgeblasenen und Silikon gefüllten Lippen.
Auf etwas unbeholfene Weise wollte sie wohl den Leserinnen zu verstehen geben, dass man im Leben auch glücklich sein konnte, wenn man ein paar Pfunde und einige Falten zuviel hatte. Vielleicht betrachtete Ludivine Ribeiro das Frauenmagazin zu sehr als Spielwiese für ihre persönlichen Überzeugungen und Ansichten und vergass darob die Bedürfnisse ihrer Leserinnen.
Ihr Lebenspartner müsse sie immer wieder daran erinnern, sich nicht wie eine Göre zu benehmen, verriet Ludivine Ribeiro der Zeitschrift Illustré ganz zu Beginn ihrer Chefredaktorinnenkarriere. Damit hatte sie, ohne es zu ahnen, mehr von sich preisgegeben als ihr wohl lieb gewesen war.
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