Die Riesen forcieren ihr Marketing

MSN, Yahoo & Co. wollen ihre Plattformen auch in der Schweiz stärker als bisher vermarkten

MSN, Yahoo & Co. wollen ihre Plattformen auch in der Schweiz stärker als bisher vermarktenVon Clemens Hörler Hotmail, GMX oder Yahoo gehören zu den am meisten genutzten Websites der Schweiz. Trotzdem wurden sie bisher als Plattformen für Schweizer Onlinewerbung nicht allzu intensiv genutzt. Viele globalen Internetriesen haben nun aber begonnen, ihre Sites in der Schweiz verstärkt zu vermarkten.
Auch auf internationalen Dotcomsites kann man mit Werbebannern gezielt Internetuser in einem bestimmten Land oder einer klar eingegrenzten Region ansprechen. Möglich macht dies eine automatisierte Analyse der Daten, die der Besucher einer Website hinterlässt, zum Beispiel die IP-Nummer, über die er sich ins Internet eingewählt hat. Andere Websites betreiben Geotargeting anhand von Nutzerprofilen, die die Konsumentinnen und Konsumenten selbst erstellt haben und die auch Aufschluss über ihren Wohnort geben. Dies ist zum Beispiel bei Hotmail der Fall.
Eine Umfrage unter Schweizer Vermarktern zeigt, dass Geotargeting auch in der Schweiz ein Thema ist. Allerdings wurden in der Schweiz internationale Websites gemessen am Traffic bisher eher stiefmütterlich behandelt. Dies, obwohl Yahoo, Hotmail oder Altavista zu den am häufigsten genutzten Websites gehören.
Laut MA Comis 2000 kommt MSN Hotmail in der Deutschschweiz auf einen engeren Nutzerkreis von 258000 Personen. Bei MSN Schweiz spricht man von 480000 aktiven Nutzern aus der ganzen Schweiz. Eine stattliche Nutzergemeinde hat auch Yahoo: Philippe Guillanton, Director of Operations von Yahoo Europe, schätzt die Zahl der Yahoo-Nutzer in der Schweiz auf Grund von Logfileauswertungen auf 400000 bis 700000 Personen.
Dass auf diesen Sites bisher nur ein leises Schweizer Werbelüftchen wehte, hat zwei Gründe.
Einige der grossen Sites wurden bisher noch nicht mit voller Kraft vermarktet. Zudem bevorzugten viele Schweizer Unternehmen, ihre Werbebanner auf Schweizer Sites zu schalten.
«Viele Werbekunden waren sich bis vor kurzem gar nicht bewusst, dass Geotargeting überhaupt möglich ist. Sie dachten einfach, dass ein Schweizer Produkt auch auf einer Schweizer Website beworben werden muss», erklärt Gianni Abner, Verantwortlicher für die Internetmediaplanung bei B, G, Media «Internet» in Zürich.
Auch Urs Wolfensberger, Managing Director von Real Media Schweiz, das bisher auch Yahoo vermarktet hat, glaubt, dass es wohl einfacher wäre, Yahoo.ch als Yahoo.com oder Yahoo.de in der Schweiz zu vermarkten.
Und Peter Strassmann, Geschäftsleiter von ActiveAgent Switzerland, stellt fest: «Viele Werbekunden tendieren auch online zu Produkten, die sie bereits aus der Offlinewelt kennen.» Bestes Beispiel dafür sind die Websites von Medienunternehmen, die sich bereits im Printbereich als zuverlässige Werbepartner erwiesen haben.
Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hat für Deutschland aufgezeigt, dass dort einige Mediensites nicht einmal unter den Top 50 bezüglich Page Impressions zu finden sind, sich bei den Werbeerlösen aber unter den Top 10 tummeln.
Laut Abner ist nun aber ein Trend zu den internationalen Plattformen erkennbar: «Viele Kunden merken, dass man auch im Internet für gewisse Kampagnen in kurzer Zeit einen grossen Werbedruck entwickeln muss. Dafür kommen auf Grund der Trafficzahlen nicht sehr viele Schweizer Sites in Frage.»
Druck der Globalplayers auf Schweizer Websites steigt
Nicht nur Werbekunden entdecken vermehrt die globalen Internetplattformen, auch diese entdecken die Schweiz. Vor allem US-Player, die sich bei ihrem Markteintritt nach Europa auf Grossbritanninen, Deutschland und Frankreich gestürzt hatten, wollen auch kleinere Märkte künftig stärker beackern: Microsoft beispielswiese möchte laut Roger Moser, Business Manager von MSN Schweiz, die Vermarktung des MSN-Angebots ankurbeln, zu dem auch Hotmail gehört.
Im Gegensatz zu den meisten anderen internationalen Playern hat MSN schon 1998 eine Schweizer Plattform (www.msn.ch) lanciert. Bei der Vermarktung zählt MSN auf Real Media, Active Agent und Ad Pepper, aber auch auf eigenes Verkaufspersonal.
Noch in diesem Jahr möchte auch Altavista eine eigene Schweizer Website lancieren. Dann sollen neben dem internationalen Vermarktungspartner DoubleClick auch Schweizer Vermarkter zum Zug kommen. Vorläufig ohne eigene Schweizer Website möchte Yahoo die Vermarktung in der Schweiz forcieren und gründet zu diesem Zweck eine Niederlassung in Zürich, die Ende Jahr den operativen Betrieb aufnehmen wird. Laut Wolfensberger wird auch Real Media weiterhin Yahoo in der Schweiz vermarkten.
Die verstärkten Vermarktungsbemühungen der globalen Internetriesen in der Schweiz, aber auch das wachsende Bewusstsein der Werbekunden, dass man auch auf Websites globaler Player Schweizer Konsumenten ansprechen kann, werden wohl den Konkurrenzkampf um die Onlinewerbefranken verschärfen.
Leid Tragende könnten dadurch vor allem mittelgrosse Websites sein, die weder eine genaue Zielgruppenansprache ermöglichen noch mit den ganz grossen Portalen hinsichtlich Traffic mithalten können. Dies betrifft vor allem so genannt horizontale Plattformen der 2. Reihe.
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