Den Schlips des Moderators, bitte!

Die Internetwerbeindustrie ist für die Verschmelzung von TV und Internet bereits gerüstet

Die Internetwerbeindustrie ist für die Verschmelzung von TV und Internet bereits gerüstetVon Clemens Hörler Wenn Internet und Fernsehen zusammenwachsen, eröffnen sich den Onlinewerbetreibenden ganz neue Möglichkeiten. An Ideen mangelt es hierbei der Werbeindustrie nicht – was fehlt, sind die notwendigen Breitbandanschlüsse ans Internet.
Internetwerbung besteht heute zum grössten Teil aus Bannern, Buttons und E-Mails. Die Konvergenz von TV und Internet lässt die Werbeindustrie aber bereits von der Verschmelzung von Inhalt, Werbung und E-Commerce träumen.
Die Internetwerbefirma Adtech GmbH, Neu-Isenburg, und die IntelliVisionTV AG, München, möchten diesen Traum wahr machen und stellten eine Lösung für interaktives Marketing vor: AdFusion soll den gestreamten Inhalt gleichzeitig zum Werbeträger machen, erklärt Dirk Freytag, Pressesprecher von Adtech.
Per Mausklick beim Fernsehen Ferien buchen
Und so soll es funktionieren: Personen oder Gegenstände werden markiert. Interessiert sich ein User zum Beispiel für die Krawatte des Nachrichtenmoderators, klickt er sie an und wird so direkt mit einem Onlineshop verbunden.
Inspiriert ihn darüber hinaus ein karibischer Hafen, der in der Kreuzfahrtensoap angelaufen wird, kann der Zuschauer sich gleich bei einem Reiseanbieter über entsprechende Ferienangebote erkundigen. Ein Werbebanner über dem Programmfenster macht auf die verschiedenen Info- und Bestellmöglichkeiten aufmerksam.
«Das diesbezügliche Interesse der Werbewirtschaft und von Contentanbietern ist riesig», schwärmt Freytag.
Noch wenig gesetzliche
Einschränkungen
Hindernis für eine rasche Anwendung der neuen Werbeformen ist jedoch die geringe Dichte von Breitbandverbindungen ans Internet. Nach Einschätzungen von Freytag können die neuen Werbeformen nicht vor Ende Jahr auf breiter Basis eingesetzt werden.
Ob der Verschmelzung von Content und Werbung in Zukunft wie beim Radio und Fernsehen ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben wird, bleibt abzuwarten. In der Schweiz fällt das Internet nicht in den Bereich des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG).
Laut Alfred Hostettler von der Bakom-Abteilung Radio und Fernsehen gibt es noch keine Veranlassung, das RTVG aufs Internet-TV anzuwenden: «Mit seiner bisher kleinen Massenwirkung und der geringen Übertragungsqualität fällt es noch nicht in den Geltungsbereich des RTVG.» Das könnte sich dank Breitbandoffensiven von Swisscom und Cablecom schon bald ändern.
Ohne Verschmelzung von Inhalt und Werbung nutzt Europe Online Networks S.A., Luxemburg, die Vorteile des Internets für interaktive Werbung bereits heute schon: Der Betreiber eines satellitengestützten und terrestrischen Breitbandinternetnetzwerks bietet Werbetreibenden die Möglichkeit, Spots zu schalten, während deren die Zuschauer mit einem Mausklick weiter führende Informationen zum angepriesenen Produkt anfordern können.
In Zukunft möchte Europe Online, das unter anderem die Programme von CNBC und Eurosport streamt, gemeinsam mit dem Internetvermarkter AdLink Internet Medien AG, Montabaur, Lösungen für Onlinewerbung in Breitbandinternetnetzwerken entwickeln. Derzeit bedient Europe Online in ganz Europa rund 55000 Kunden.
Interaktive Werbung wird
noch wenig genutzt
In der Schweiz sind Werbespots im Internet meist nur in sehr einfachen Formen zu sehen. Die Möglichkeiten zu Targeting und Interaktivität werden von den Werbetreibenden erst wenig genutzt. Fernsehstationen, die ihr Vollprogramm live im Internet übertragen, zeigen dieselben Werbespots wie im Fernsehen, obwohl das Internet – besonders bei grösseren Zuschauerzahlen – auch die Möglichkeit böte, verschiedene Zielgruppen mit verschiedenen Werbespots anzusprechen.
Auch auf den Websites der Unternehmen, die ihre Werbespots online zur Verfügung stellen, findet man kaum internetspezifische Anwendungen oder Weiterentwicklungen. «Internetspezifisch» ist meist immer noch gleichbedeutend mit: klein und verwackelt.
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