Tele Top gibt der NZZ einen Korb

TeleOstschweiz und Schaffhauser TV hoffen auf das TeleCombi

TeleOstschweiz und Schaffhauser TV hoffen auf das TeleCombiVon Markus Knöpfli Was sich im Ostschweizer TV-Bereich abspielt, dürfte auch Folgen für den Printbereich haben. Der neue Tele-Leader-Pool zwischen Tele Top und TeleSüdostschweiz könnte der NZZ die Schaffhauser Nachrichten, die Thurgauer Zeitung und den Winterthurer Landboten in die Arme treiben.
Der Reihe nach: Tele Top und TeleSüdostschweiz gaben letzte Woche bekannt, dass sie ab Mitte Juni unter dem Namen Tele-Leader-Pool ein neues TV-Werbekombi für 750000 Haushalte lancieren würden.
Dieser Pool deckt nicht nur die gesamte Ost- und Südostschweiz – und damit auch das Sendegebiet von TeleOstschweiz (220000 Haushalte) – ab, mit einem Sekundentarif von 42.50 Franken ist er auch im Verhältnis günstiger als TeleOstschweiz (30 Franken).
Geographisch und preislich steht TeleOstschweiz somit isoliert da. Das ist umso brisanter, als Tele Top und TeleOstschweiz, hinter dem letztlich die NZZ steht, bis vor kurzem noch Kooperationsgespräche führten. Doch nun hat Heuberger der mächtigen NZZ die Tür gewiesen.
Der Tele-Top-Geschäftsführer dementiert das nicht und begründet dies so: Der Kooperationsvorschlag der NZZ, der TeleOstschweiz, Tele Top, Schaffhauser TV, das liechtensteinische Tele XML sowie die an keinem TV beteiligten Verlage Huber & Co. (Thurgauer Zeitung) und Ziegler Druck und Verlag (Winterthurer Landbote) unter einen Hut bringen wollte, sei für ihn unannehmbar gewesen. Tele Top sei nur ein Anteil von 33 Prozent zugestanden worden, was ihm angesichts des Verlegerübergewichts zu wenig gewesen sei, sagt Heuberger.
Er habe deshalb ein Projekt vorgeschlagen, an dem die NZZ und Tele Top zu gleichen Teilen beteiligt gewesen wären, sonst niemand. Das wiederum sei aber der NZZ nicht genehm gewesen. Daraufhin einigte sich Heuberger innert einer Woche mit Hanspeter Lebrument von TeleSüdostschweiz auf den Tele-Leader-Pool.
TeleOstschweiz betrachtet
TeleCombi als wichtiger
Anton Schaller, von TeleOstschweiz beauftragt, eine Ostschweizer TV-Koordination zu versuchen, begründet die Ablehnung von Heubergers Vorschlag so: Man habe alle, die in der Ostschweiz TV machen möchten, einbeziehen und keinem Teilhaber 50 Prozent zugestehen wollen. Im Übrigen sieht Schaller TeleOstschweiz nicht in der Isolation. Mit TeleSüdostschweiz sei eine programmliche Zusammenarbeit eingeleitet worden, und die von Heuberger brüskierten Koordinationspartner würden diese Woche besprechen, wie sie reagieren werden. Zudem habe TeleOstschweiz ein Gesuch für die Aufnahme bei TeleCombi gestellt, über das Ende Juni entschieden werde. «TeleCombi ist viel wichtiger als der Tele-Leader-Pool», sagt Schaller. Das bestätigt auch Christian Stärkle, treibende Kraft beim TeleCombi (WW 17/00). Voraussichtlich werde Ende Juni auch das Schaffhauser TV bei TeleCombi aufgenommen, ergänzt er.
Nur: Gemäss Heuberger ist bei TeleCombi auch ein schriftliches Gesuch von Tele Top hängig. Stärkle weiss dagegen bloss von einer mündlichen Anfrage. Zudem seien bei TeleCombi Unterpools verboten, weshalb sich Tele Top nun vermutlich eine Mitgliedschaft verwirkt habe, sagt der Tele-M1-Chef.
TeleCombi mit TeleOstschweiz und Schaffhauser TV, aber ohne Tele Top? Wie diese Sache auch ausgehen mag, sie dürfte Folgen im Printbereich haben: Dass sich Heuberger nicht in ein Ostschweizer TV-Projekt à la NZZ einordnen will, ist für die kleinen Verlage in Schaffhausen, Thurgau und Winterthur eine gewisse Bedrohung: Alles, was Tele Top vom regionalen Werbekuchen abzockt, geht ihnen verloren. In dieser Situation kann sich die NZZ nun mit ihrem TV-Vorschlag als Anwältin der Kleinen profilieren. Mit Kalkül: Die Kleinen sind langfristig zumindest untereinander zu Kooperationen gezwungen. Sollte aber ein gemeinsames TV-Projekt definitiv scheitern, wäre auch eine gemeinsame Regionalzeitung eine Alternative. In diesem Fall würde die NZZ zweifellos gern Patei stehen – auch wenn Schaller ein solches Szenario noch als «zu weit hergeholt» bezeichnet.
Ein TV-Projekt der vier Verlage, aber ohne Tele Top, hätte zwei Haken: Die Folge wäre ein Zerwürfnis zwischen Heuberger und Huber & Co. Das machte der Tele Top-Chef der WerbeWoche deutlich. Und dem Thurgauer Verlag dürfte dies nicht einerlei sein: Er ist bei Radio Top beteiligt. Ein Zerwürfnis könnte zudem der TA-Media, die über Radio Zürisee im Radio-Leader-Pool bereits mit Heuberger liiert ist, die Tür zur Top-Gruppe öffnen.
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