«Manipulation ist kaum möglich»

TV-3-Chef Jürg Wildberger setzt bei «Big Brother» auf Authentizität

TV-3-Chef Jürg Wildberger setzt bei «Big Brother» auf AuthentizitätBald steht endlich auch eines in der Schweiz: Das «Big Brother»- Haus wird demnächst von Endemol B&B in Glattfelden installiert und soll TV 3 konstante Einschaltquoten bescheren.Mit dem Zuschlag für «Big Brother» geht ein langer Poker zu Ende. War es so hart, den Preis für die Sendung auf die Möglichkeiten von TV 3 herunterzuhandeln?
Jürg Wildberger: Das Finanzielle war nicht der Punkt, darüber waren wir uns schon lange einig. Beim Seilziehen ging es um die Produktionsmodalitäten und die Rechte. Insbesondere das Internet, eine enorm wichtige Plattform für «Big Brother», erwies sich als harter Brocken.
Es gibt aber klare Hinweise, dass TV 3 an anderen Orten abspecken musste, um sich «Big Brother» leisten zu können: «Lust und Liebe» sowie «Liebe auf den ersten Blick» werden abgesetzt – zwei Sendungen, die Sie noch vor wenigen Wochen zu den richtungweisenden Formaten zählten. Weshalb der Gesinnungswandel?
Wildberger: Die beiden Sendungen haben ein ungenügendes Potenzial bei der Vermarktung, sie lassen sich auch in längerfristiger Perspektive kaum refinanzieren. Dafür bringen wir neu die starke Abenteuersendung «Nur einer kommt durch» am Samstag um 20Uhr. Und zusammen mit «Millionär» sowie der Basler Popsängerin Nubya als neuer Moderatorin von «Cinderella» garantieren wir konstante Ratings.
Dank der Zusammenarbeit mit Endemol kann die Produktionsfirma Bichsel & Burger (B&B) nun sämtliche der rund 400 Endemol-TV-Formate in der Schweiz anbieten. Hat TV 3 darauf bevorzugte Zugriffsrechte?
Wildberger: Es gibt keinen Exklusivvertrag mit B&B Endemol. Diese Formate stehen allen Schweizer TV-Sendern offen. Aber wir haben natürlich exklusiv die Option für Neuauflagen und Weiterentwicklungen von «Big Brother» und «Millionär».
Gibt es denn keinen Weg an Endemol vorbei, z. B. mit eigenen Variationen jener Erfolgsrezepte? Dabei würden die teuren Rechteabgeltungen wegfallen.
Wildberger: Wir haben in Europa diverse Produzenten, die auf der «Robinson»-Welle mitreiten und Kopien anbieten. Das ist aber nicht unser Stil. Immerhin steckt hinter «Big Brother» eine enorme Entwicklungsarbeit. Und abgesehen davon generiert die Firma Endemol ihre Einnahmen hauptsächlich über die Produktion. Die Lizenzkosten für die Idee schlagen bei den Gesamtkosten nur minim zu Buche.
Authentizität wurde bei «Big Brother» als oberstes Gebot bezeichnet. Bei der RTL-2-Version deutet aber vieles darauf hin, dass hinter dem täglichen Geschehen und den Diskussionen in der Container-Siedlung Drehbuchautoren stehen. Wie wird das bei TV 3 laufen?
Wildberger: Das Leben im «Big Brother»-Haus hat eine hohe Eigendynamik, die sich der Manipulation entzieht. Mit den Diskussionsthemen und Wochenaufgaben hat man von aussen eine minime Interventionsmöglichkeit. Entscheidend für die Dynamik ist die Auswahl der Teilnehmer.
Interview: Daniel Schifferle
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