Der Zeitungskrieg findet kein Ende

BTM lanciert Pendlerzeitung Berner Bär, Bund und BTM überlegen Kooperation mit 20 Minuten

BTM lanciert Pendlerzeitung Berner Bär, Bund und BTM überlegen Kooperation mit 20 MinutenVon Markus Knöpfli In Bern hat der Bund die Konzession für den Anzeiger Region Bern erhalten. Die Berner Tagblatt Medien (BTM) reagieren mit der Herausgabe der Pendlerzeitung Berner Bär. Und 20 Minuten baut weiter an seinem Berner Projekt, mit dem BTM und Bund eine Kooperation erwägen.
In Bern werden derzeit die Karten bei den Gratiszeitungen neu gemischt. Kräftig mitgemischt hat der Verein Region Bern (VRB), ein Zusammenschluss der Stadt Bern mit gut 20 umliegenden Gemeinden. Er hat dem Bund die Konzession für einen neuen Anzeiger Region Bern erteilt. Der Grund: Der Bund hatte um mindestens 200000 Franken höhere Konzessionsabgaben versprochen. Konkret geht man beim VRB von jährlich 3,7 Millionen Franken aus, rund eine Million Franken mehr als bisher. Dieser Anzeiger mit amtlichen Publikationen soll ab 1. Januar 2001 viermal wöchentlich allen 75000 Berner Haushalten und zweimal wöchentlich den 58000 Haushalten von 14 weiteren Gemeinden gratis zugestellt werden.
Der neue Anzeiger wird den von der BTM herausgegebenen Anzeiger rund um Bern (ARUB) und den Stadtanzeiger vom Bund ersetzen. Der VRB hatte sich für ein gemeinsames Blatt im Zeitungsformat entschieden, weil wegen des Anzeigerstreites insbesondere den Landgemeinden jährlich rund 500 000 Franken an Konzessionseinnahmen verlustig gegangen waren. Der Streit zwischen Bund und BTM war 1995 ausgebrochen, als der Bund die Stadtanzeigerkonzession erhalten hatte. Die BTM lancierte damals das Tagblatt der Stadt Bern als Konkurrenz, worauf der Bund mit einer wöchentlichen Grossauflage des Stadtanzeigers dem ARUB in den umliegenden Gemeinden antwortete.
BTM legt Tagblatt und Berner Bär zusammen
Die BTM reagiert nun auf den VRB-Entscheid, indem sie ab Herbst das Tagblatt und den Berner Bär zusammenlegt und in und um Bern ein neues, zwei- bis viermal pro Woche erscheinendes Gratisblatt mit dem Titel Berner Bär lanciert. Die Startauflage beträgt gemäss VR-Delegiertem Albert P. Stäheli 150000 Exemplare, das Blatt im Zeitungsformat soll dann aber zu einer Pendlerzeitung mit 200000 Exemplaren ausgebaut werden, die auch in Burgdorf, Thun und Langenthal durch Kolporteure verteilt wird. Pikantes Detail: Die Anzeigenakquisition beim Berner Bär wird von der Publimag besorgt, beim neuen Anzeiger Region Bern von der Publicitas. Beide sind 100-prozentige Publigroupe-Töchter.
Ab Herbst sind zwei bis vier Berner Gratistitel möglich
Abgesehen von Bund und BTM mischt auch noch 20 Minuten in Bern mit: Bereits hat Projektleiter Sacha Wigdorovits den Blick-Journalisten Dieter Liechti als leitenden Redaktor der Berner Ausgabe eingesetzt. Und der ehemalige Berner-Bär-Herausgeber und Chefredaktor Hans R. Amrein verhilft ihm zu Kontakten in der Region Bern.
Das alles heisst aber nicht, dass ab Herbst tatsächlich drei Gratisblätter die Berner Bevölkerung beglücken werden – es könnten auch zwei oder gar vier sein. Als vierter Anbieter kommt Metropol in Frage, doch dort hält man sich bedeckt. Zu einer Reduktion auf zwei Blätter käme es hingegen vermutlich dann, wenn Berner Bär und 20 Minuten kooperierten. Nach Angaben Stähelis finden zwar Gespräche zwischen ihm und Wigdorovits statt, aber es
sei alles noch offen. Die BTM zeige sich hinsichtlich einer Kooperation im Druckbereich grundsätzlich immer diskussionsbereit. Die Aussage von VR-Präsident Charles von Graffenried (WW 20), wonach der BTM angeboten worden sei, sich an 20 Minuten zu beteiligen, bezeichnete Albert Stäheli hingegen als falsch.
Gespräche gibt es aber auch zwischen Bund und 20 Minuten, dies bestätigte Verlagsdirektor J.Pepe Wiss. Doch worüber wird gesprochen? Der Bund musste dem VRB versprechen, kein Konkurrenzblatt zum Anzeiger herauszugeben, und einem Zusammenlegen von Anzeiger und 20 Minuten steht die kantonale Anzeigerverordnung entgegen, die redaktionelle Inhalte in Anzeigern verbietet. Doch für Wiss ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Kooperieren NZZ und 20 Minuten in Bern?
Doch selbst wenn eine Kooperation nicht zustande kommen sollte – eines ist nicht ausgeschlossen: nämlich dass sich in Bern die Bund-Besitzerin NZZ mit 20 Minuten zusammentut, um vom Inserateertrag zu profitieren. Während man bei 20 Minuten und NZZ dazu nichts sagen wollte, ist man sich hingegen beim VRB dessen bewusst. Ein solches Zusammengehen würde aber nicht unter das mit dem Bund vereinbarte Konkurrenzverbot fallen, sagte die stellvertretende VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer.
Aber es hätte vermutlich weit reichende Folgen in Zürich, wo die NZZ zu 40 Prozent am Zürich Express beteiligt ist. Ein Zerwürfnis mit dem dortigen Partner TA-Media, die ihrerseits wiederum an der Berner Zeitung zu 49 Prozent beteiligt ist, wäre in diesem Fall nicht ausgeschlossen.
City-Kombi nimmt Form anDie Verträge für das City-Kombi zwischen dem neuen Berner Bär, Zürich Express (ZE) und dem noch zu schaffenden Pendant in Basel liegen gemäss Stäheli im Entwurf vor. Das Kombi soll am 1. September starten. Derzeit liegt der Ball in Basel und Zürich. Bei der Basler Medien-Gruppe (BMG) war für die WW niemand erreichbar. ZE-Verlagsleiter Heinz Krebs erklärte, über ein definitives Mitmachen des ZE werde an einer VR-Sitzung am 8. Juni entschieden. Eine Kombi-Teilnahme sei zu 90 Prozent sicher. Ein Ausweiten des Kombis nach Luzern, St. Gallen und Winterthur komme erst in Frage, wenn der Vertrag zwischen ZE, Berner Bär und BMG unter Dach sei.
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