Topfit für den Börsenstart

TA-Media erzielt bestes Resultat der Geschichte und will an die Spitze der Schweizer Medienhäuser

TA-Media erzielt bestes Resultat der Geschichte und will an die Spitze der Schweizer MedienhäuserVon Daniel SchifferleEin historisches Rekordresultat hat die TA-Media-Gruppe am Vorabend ihres geplanten Börsenganges erzielt: Das Publishing House an der Zürcher Werdstrasse konnte 1999 den Gewinn um 29 Prozent auf 130,4 Millionen Franken steigern, der Umsatz verbesserte sich um 13 Prozent auf 769,7 Millionen Franken. Dabei sind die hohen Investitionen in TV 3 und Winner Market bereits abgezogen.
«Wir sind ein kerngesundes Unternehmen», dies war der meist gehörte Satz bei der Präsentation der Geschäftsentwicklung 1999 der TA-Media AG. Tatsächlich, seit dem Tief von 1996, als das Unternehmen «kalt geduscht» worden war, ging es beim Zürcher Verlagshaus nur noch aufwärts, und zwar mit Riesenschritten. Bereits 1998 konnte die TA-Media «das beste Ergebnis der 107-jährigen Firmengeschichte» vermelden.
Jetzt wurde das damalige Rekordresultat erneut deutlich übertroffen. Der Gewinn stieg 1999 um 29,5 Millionen auf 130,4 Millionen Franken, was einer Umsatzrendite von ausgezeichneten 17 Prozent entspricht. Der Umsatz kletterte um 90,7 Millionen auf 769,7 Millionen Franken. Und dies trotz immenser Start-up-Kosten etwa für TV 3 oder Winner Market. Entgegen allgemeiner Usanz wurden diese Aufwendungen direkt der aktuellen Rechnung belastet.
Das Rekordresultat am Vorabend des geplanten Börsenganges wurzelt laut TA-Media-Finanzchef Patrick Eberle in der «hervorragenden Entwicklung des Verlagsertrages». Dieser verbesserte sich 1999 um zwölf Prozent auf 649 Millionen Franken, wobei die Zunahme des Inserateertrages um 14,5 Prozent auf 477,6 Millionen Franken für das Spitzenresultat ursächlich war.
Annabelle und Schweizer Familie zufrieden stellend
Profitiert haben dabei vor allem die jüngeren Titel. Das grösste absolute Umsatzwachstum erzielte laut Eberle die Sonntags-Zeitung. Sie legte um 12 Prozent oder 8,9 Millionen Franken zu. Gefolgt von Facts, das 6,2 Millionen Franken oder 16 Prozent mehr erwirtschaftete als 1998.
Aber auch Titel wie das Frauenmagazin Annabelle oder die Schweizer Familie, die beide 1999 recht massiv Auflage verloren haben, schnitten gesamthaft zufrieden stellend ab. Bei der Annabelle betrug der Mehrertrag in absoluten Zahlen 5,2 Millionen Franken oder plus 19 Prozent.
Und sogar die Schweizer Familie verbuchte trotz markanten Auflagenverlusts von zehn Prozent lediglich eine Umsatzeinbusse von einem Prozent. Der Grund: Das Wachstum der verkauften Anzeigenfläche um zwölf Prozent machte die happigen Ausfälle aus Abos und Einzelverkauf beinahe wett. Ebenfalls zu den letztjährigen Gewinnern gesellt sich der ZürichExpress mit 5,2 Millionen Franken oder 13 Prozent Mehrertrag.
Solche frohen Botschaften gelten für zwei Titel nicht: Das Flaggschiff Tages-Anzeiger verfehlte das Vorjahresresultat um 1,1 Millionen Franken, ein Verlust von nicht ganz einem Prozentpunkt. Und auch für das Du, das ebenfalls auflagemässig im Krebsgang war, verschlechterten sich die Einnahmen um 0,4 Millionen Franken.
Das Aktienkapital wird auf 100 Millionen aufgestockt
Doch solche kleinen Unebenheiten vermögen den Blick auf die Zukunft nicht zu trüben. Denn die Zeichen stehen gut. Eberle: «Im ersten Quartal 2000 konnten wir das Rekordergebnis des Vorjahres bereits um rund eine Million Franken übertreffen.» Ob dies allerdings bis Ende Jahr so weitergeht, ist fraglich. Laut Michel M. Favre, Vorsitzender der TA-Media-Geschäftsleitung, wird 2000 zu einem «Jahr der Investitionen». Rund 130 Millionen fliessen in den Ausbau der Kernkompetenz Content Providing, davon 30 Millionen in TV 3 und 20 Millionen in Winner Market. Favre: «Da wird es nicht ganz so einfach sein, das Spitzenresultat von 1999 zu halten.»
Trotzdem: Im Vorfeld des beschlossenen Börsengangs im kommenden Herbst – der erste eines Schweizer Verlagshauses überhaupt – präsentiert sich die TA-Media AG in historischer Topform. Nach dem Willen der mittlerweile weitverzweigten Eigentümerfamilie Coninx sollen insgesamt 33 Prozent des Aktienkapitals dem Publikum zugänglich gemacht werden, 23 Prozent ab einem noch nicht genauer bestimmten Datum im Herbst dieses Jahres sowie weitere 10 Prozent im Jahr 2001. Auch Einzelheiten des Going Publics sind noch nicht festgelegt worden.
Der daraus resultierende Mittelzufluss dient laut Hans Heinrich Coninx, VR-Präsident der TA-Media, dazu «jene Familienaktionäre auszuzahlen, die sich anderweitig engagieren wollen». Andererseits soll das Fenster zum Kapitalmarkt in die Lage versetzen, «jederzeit Opportunitäten zu nutzen, die unseren Weg an die Spitze der Schweizer Verlagshäuser unterstützt», sagt Coninx.
TA-Media in Zahlen(Geldwerte in Mio. Fr.)
1999 1998 1997 1996
Umsatz 769,7 (+13%) 679,0 (+14%) 595,6 (+3%) 578,1
Mittelfluss aus
Geschäftstätigkeit 200,0 (+40%) 142,7 (+27%) 112,1 (+84%) 61,1
(Cashflow)
Reingewinn 130,4 (+29%) 100,9 (+119%) 46,0 (+268%) 12,5
Personalbestand 1755 (+1,3%) 1732 (+0,3%) 1727 (–3,4%) 1787
TA-Media-Titel: Entwicklung AuflagenTitel 1998 1999 +/– in%
Tages-Anzeiger 281 792 279 912 –0,7
Sonntags-Zeitung 218 518 220 102 +0,7
Facts 104 462 104 598 +0,1
Annabelle 107 969 101 773 –5,8
Schweizer Familie 172 625 155 324 –10
Du  25 499  25 179 –1,3
Spick nicht begl.  54 687 –––
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