Nur am Samstag

Tribune Mont-Blanc: Neue Edipresse-Zeitung fürs Grenzgebiet

Tribune Mont-Blanc: Neue Edipresse-Zeitung fürs GrenzgebietVon Christophe Büchi Die Westschweizer Mediengruppe Edipresse lanciert eine Zeitung für das französische Grenzgebiet um Genf. Tribune Mont-Blanc heisst das Kind und soll im Herbst mit 25 Mitarbeitern und einer hundertprozentig französischen Struktur starten.
Die Edipresse-Gruppe, die schon lange mit dem französischen Markt liebäugelt, wagt sich erstmals mit einer Zeitung in die «douce France». Voraussichtlich im September wird die Samstagszeitung Tribune Mont-Blanc lanciert, und zwar für eine Region, die Hochsavoyen, Evian, Chamonix und Annecy einschliesst.
In den vergangenen Jahren hat bereits die Edipresse-Tageszeitung Tribune de Genève begonnen, sich mit einer eigenen Rubrik um das französische Grenzgebiet zu kümmern. Die Tribune richtet sich aber vor allem an Grenzgänger und andere Menschen, die eng mit Genf verbunden sind. «Die neue Zeitung dagegen dringt tiefer ins französische Hinterland vor», sagt Edipresse-Verlagsleiter Théo Bouchat zur WerbeWoche.
Antoine Exchaquet, früherer Chefredaktor von Le Matin, ist als «éditeur délégué» der Edipresse-Statthalter vor Ort. Sonst aber soll es ein durch und durch französisches Produkt werden. Die Redaktion, die aus rund einem Dutzend Vollstellen besteht, ist im französischen Archamps domiziliert. Sie steht unter der Leitung von José Carron, einem Journalisten, der bisher die Rubrik «France voisine» der Tribune de Genève führte. Ein weiteres Dutzend Mitarbeiter wird mit der Inserateakquisition beauftragt. Die Tribune Mont-Blanc will nämlich dem französischen System der Eigenregie treu bleiben.
Ein regionales Konzept, aber nicht zum Exzess betrieben
Wie Exchaquet weiter ausführt, soll die neue Zeitung viermal zwölf Seiten umfassen – einen Aufschlagbund, einen Bund Regionales, einen Sportteil und einen allgemeinen Informationsbund.
Daraus kann man schliessen: Die Zeitung wird zwar die – von den französischen Regionalzeitungen bis zum Exzess zelebrierte – «Mikroinformation» über das regionale Geschehen pflegen, daneben aber die (von den französischen Regionalzeitungen sträflich vernachlässigte) überregionale Information nicht zu kurz kommen lassen.
Théo Bouchat sagt zum journalistischen Konzept: «Die Leute sollen bei uns eine objektive Information und nicht nur die Taten der lokalen Politiker serviert bekommen.» Im Gegensatz etwa zur grossen einheimischen Regionalzeitung Dauphiné libéré (Hersant-Gruppe) verzichtet die Edipresse-Tribune auf regionale Splitausgaben.
Trotz Frankreich: Doch noch ein bisschen «Swiss made»
Die Zeitung wird von A bis Z vierfarbig gedruckt, und zwar was den redaktionellen als auch den Inserateteil betrifft. Für ein Schweizer Auge wirkt die Nullnummer der Zeitung, die der WerbeWoche vorliegt, etwas «nervös» (wenn auch für Leser der Tribune de Genève nicht ungewöhnlich).
Doch für französische Verhältnisse ist es ein schönes und sauber gestaltetes Produkt, das der Schweizer Zeitungsindustrie ein gutes Zeugnis ausstellt. Die Zeitung wird nämlich im Edipresse-Druckzentrum in Vernier hergestellt – ein bisschen «Swiss made» ist sie also dennoch.
Noch in einer anderen Hinsicht profitiert die neue Tribune von der Rückendeckung durch die Schweizer Mutter: Eine leicht «französisierte» Version der Programm-Zeitschrift von Tribune de Genève und 24 Heures, TV guide, wird ihr beigelegt. Damit will man der Samstagsausgabe des Dauphiné libéré etwas Gleichwertiges entgegensetzen.
Ein grosser Schritt in Richtung Westoffensive
Die Tribune Mont-Blanc soll mit einer bescheidenen Auflage von etwa 20000 Exemplaren starten. Dennoch ist diese Lancierung für Edipresse ein grosser Schritt. Zwar hat die Westschweizer Marktleaderin dank der Kreation eines Herrenmagazins bereits erste Gehversuche auf dem glitschigen französischen Medienparkett hinter sich – aber den eigentlichen und hart umkämpften Zeitungsmarkt hat sie bisher noch nicht betreten.
Ist die Tribune Mont-Blanc, so sie erfolgreich sein sollte, nur der Anfang einer grossen Westoffensive? Antoine Exchaquet stapelt tief: «Nous devons d’abord faire nos gammes» – ein hübsches Wort, das sich in Deutsch etwa so liest: «Wir müssen zuerst unser Abc lernen.» Mit anderen Worten: Lassen Sie uns erst einmal anfangen, dann sehen wir weiter.
Scheitert das Projekt an der Zahlungsmoral der Franzosen?
Auch Théo Bouchat wirft sich nicht in die Pose des Konquistadoren, sondern weist auf die möglichen Risiken der Herbstoffensive hin. Eine grosse Frage, die Edipresse beschäftigt, ist die der Zahlungsmoral der französischen Anzeigenkunden.
Man kann davon ausgehen, dass die Inserateakquisiteure der Tribune Mont-Blanc nach französischem Muster als Hardseller auftreten. Ob dann aber der Metzger von Annemasse so brav wie der Durchschnittsschweizer die Rechnung bezahlt, wird sich erst weisen. Mit Tauschgeschäften lassen sich jedenfalls keine Druckrechnungen und Löhne zahlen.
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