Erst der Text, dann das Bild

Leser von Onlinezeitungen zeigen gemäss einer US-Studie ein völlig anderes Verhalten als Printleser

Leser von Onlinezeitungen zeigen gemäss einer US-Studie ein völlig anderes Verhalten als PrintleserVon Luzi Weber Einer Journalistenweisheit zufolge soll man den Leser über das Bild in den Text führen, da die meisten Leser ihre Aufmerksamkeit erst auf Fotos und Grafiken und dann auf Titel und Texte richten würden. Das aber stimmt nicht für Onlinezeitungsleser.
Eine Studie des Poynter-Instituts in St. Petersburg (Florida) und der Stanford-Universität zeigt, dass sich Leser von Onlinezeitungen völlig anders verhalten als Leser von Printmedien. Deshalb müssten sie auch anders angesprochen werden.
Das Poynter-Institut misst das Verhalten der Print- und Onlineleser mit einem Verfahren, bei dem den Testpersonen eine Brille aufgesetzt wird, die Bewegungen der Augen genau aufzeichnet und speichert. Mit Hilfe eines komplizierten Clusters werden die gewonnenen Daten aufbereitet. Das jüngste Testsetting umfasste 67 Personen aus drei amerikanischen Städten beim Lesen ihrer liebsten Newsseiten.
Während sich Printleser vor allem von Bildern in den Bann ziehen lassen, konzentrieren sich Onlineleser zuerst auf den Text und beachten Bilder meist erst nach dem Text – falls überhaupt: 78 Prozent der untersuchten Onlineleser würdigten Grafiken auf Websites keines Blickes. Etwas besser schnitten Fotos ab: Sie wurden von 64 Prozent beachtet. Kurze Anrisstexte hingegen wurden von 82 Prozent der Testpersonen angeschaut, längere Artikel gar von 92 Prozent.
Werbebanner schnitten mit 45 Prozent Beachtung zwar besser ab als Grafiken, jedoch deutlich schlechter als Fotos. Onlinewerbern, die auch im Web an die Macht der Bilder glauben, dürften diese Resultate zu denken geben.
Über die Gründe der Textversessenheit der Webleser kann nur spekuliert werden. Nach Angaben des Poynter-Instituts sind lange Ladezeiten der Bilder als Grund auszuschliessen. Dieses Problem habe man durch Highspeed-Verbindungen beseitigt. Die Analysten von Poynter vermuten hingegen, dass kleine Grafiken und Bilder in niedriger Auflösung, wie sie aus Gründen der Performance oft verwendet werden, ganz einfach nicht dieselbe Aufmerksamkeit erregen wie ihre grösseren und vor allem scharfen Pendants im Print.
Geschlechterspezifische
Vorurteile ausgeräumt
Im Rahmen der «Eyetrack 2000 Studie» wertete das Poynter-Institut ebenfalls die Art der gelesenen Texte aus. Dabei konnte auch ein geschlechterspezifisches Vorurteil widerlegt werden: Frauen lesen mehr Sportnachrichten als Männer.
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