«Die Sendung riecht zu stark nach Spital»

Hans Jürg Deutsch über Korrekturen an den Sat-1-Sendungen

Hans Jürg Deutsch über Korrekturen an den Sat-1-SendungenAcht Wochen ist das werktägliche Schweizer Sat-1-Programmfenster auf Sendung, doch die Quoten dümpeln bei mageren zwei Prozent Marktanteil. Jetzt wollen Hans Jürg Deutsch, TV-Chef von Sat-1-Partner Ringier, und die Schweizer Geschäftsführung des Senders das Gesundheitsmagazin «1 x tägl.» umbauen und «täglich ran» intensiver bewerben.«1 x tägl.» und «täglich ran» haben zu wenig Zuschauer. Wie erklären Sie sich die unerwartet tiefen Werte?
Hans Jürg Deutsch: Acht Wochen sind eine kurze Zeit für neue Sendungen. Zuschauer brauchen länger, bis sie sich an neue Programme gewöhnt haben. Andererseits haben wir den Publikumsmagneten «Tagesschau» auf SF DRS unterschätzt. Die Beachtung von
«1 x tägl.» hängt sehr stark davon ab, was dort gerade läuft: Kommt ein Beitrag über Tschetschenien, schalten die Leute um, berichtet die «Tagesschau» über einen Flugzeugabsturz, bleiben sie.
Vor dem Start der beiden Sendungen sagten Sie aber, das Programmfenster ziele gar nicht auf das «Tagesschau»-Publikum, sondern auf jene Million Zuschauer, die andere Sender schauten.
Deutsch: Wir haben die Sendertreue der Schweizer Zuschauer unterschätzt, die Zuschauer zu sehr nur als Zahl gesehen und dabei die soziodemografische Struktur und die spezifischen Informationsbedürfnisse der Zuschauer ausser Acht gelassen. Wie sich jetzt aber zeigt, spricht «1 x tägl.» das gleiche Publikum an wie die «Tagesschau».
Wäre auch denkbar, dass eine tägliche Medizinsendung einfach zu viel des Guten ist und die Zuschauer ganz einfach nicht täglich mit Krankheit und Spitalgeruch konfrontiert werden wollen?
Deutsch: Die Sendung riecht tatsächlich ein bisschen zu stark nach Spital, das haben wir erkannt. Deshalb werden wir künftig nicht mehr im Unispital, sondern im TV-Studio produzieren. Auch verschiedene formale Änderungen sind geplant. Die Sendung wird TV-gerechter und thematisch breiter. Im Neukonzept, an dem wir jetzt arbeiten, kommen mehrere statt wie bisher nur ein Thema zum Zug. Dadurch wird die Sendung auch länger. Statt heute 15 Minuten wird sie neu 25 Minuten dauern.
Zuschauermangel ist aber nicht nur das Problem von «1 x tägl.», auch «täglich ran» hat viel zu wenig Publikum. Dabei scheint der Zeitpunkt um 20 Uhr ideal: Hat man die «Tagesschau» gesehen, kann man zu Sat 1 zappen und sich dort noch die sportlichen News abholen. Doch auch das funktioniert so nicht.
Deutsch: «täglich ran» spielt tatsächlich eine Art ergänzende Rolle zur «Tagesschau». Dass sich das bei den Zuschauerzahlen noch nicht niederschlägt, hat mit der Neuigkeit des Angebotes zu tun. Die Mehrheit der Zuschauer hat diese Sendung noch gar nicht bemerkt.
Weshalb sind Sie so sicher, dass «täglich ran» auf dem richtigen Weg ist?
Deutsch: Die Zuschauerzahlen steigen während der Sendung kontinuierlich an. Für uns heisst das: Die Sendung kommt grundsätzlich an. Aber wir müssen mehr in die Programmbekanntheit investieren. Daran arbeiten wir jetzt. Sicher werden wir Zuschaueraktionen starten, und die Zusammenarbeit mit den Ringier-Medien noch intensivieren.
Mit dem Schweizer Fenster generiert Sat 1 weniger Zuschauer als ohne eine solche Programmnische. Besteht die Gefahr, dass der deutsche Partner die Geduld verliert?
Deutsch: In der Zeit vor 20 Uhr war Sat 1 in der Schweiz ohnehin schwach. Wir wären nie an einem Sendeplatz eingestiegen, an dem die Zuschauerzahlen schon vorher genügend waren.
Trotzdem müssen sich die Zuschauerzahlen des Programmfensters noch markant verbessern, soll es längerfristig überleben.
Deutsch: Absolute Zahlen sind im Moment noch nicht so wichtig. Aber ein positiver Trend muss sichtbar sein, und das ist der Fall. Sollten wir bis Ende 2000 wider Erwarten feststellen, dass wir immer noch bei 30000 Zuschauern sind, müssten wir uns neue Ideen einfallen lassen.
Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie nochmals mit dem Sat-1-Programmfenster für die deutschsprachige Schweiz starten könnten?
Deutsch: Man sollte nicht versuchen, bei einem deutschen Sender die Schweizer Fahne aufzuziehen. Das war aus Zuschauersicht ein Fehler. Wer Sat 1 einschaltet, tut dies, weil er den Sender und sein Programm mag und nicht wegen Sat-1-Schweiz. Unser Ziel für die Zukunft bleibt, den Schweizer Zuschauern ein Programm mit einem schweizerischen Touch zu bieten.
Das heisst mit anderen Worten ein weiterer Ausbau mit Schweizer Inhalten?
Deutsch: Wir denken über diverse neue Magazine nach. Zum Beispiel: Anstelle des Ländermagazins zwischen 17.30 und 18 Uhr könnten wir uns gut eine Sendung mit schweizerischen Inhalten vorstellen. Ein weiterer Weg, den wir verfolgen, besteht darin, Sendungen auf Sat 1 mit Schweizer Inhalten zu beliefern.
Interview: Daniel Schifferle
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