«Die Publicité-Suisse-Idee der PubliGroupe war nicht realistisch»

Jean-Pierre Bonny, VR-Präsident der Affichage, zu Decaux und PubliGroupe

Jean-Pierre Bonny, VR-Präsident der Affichage, zu Decaux und PubliGroupePer 1. Juli 2000 räumt Jean-Pierre Bonny den Sitz des Verwaltungsratspräsidenten bei der Affichage-Holding. Doch der freie Verwaltungsratssitz wird intern vergeben. Decaux, der grösste Einzelaktionär von Affichage, geht leer aus. Im Interview mit der WerbeWoche erklärt Bonny, warum die Besetzung des VR eine schweizerische Angelegenheit bleiben soll.Decaux ist zu 30 Prozent an der Affichage beteiligt, Clear Channel zu acht Prozent. Geht nun der frei werdende VR-Sitz an einen der beiden Grossaktionäre?
Jean-Pierre Bonny: Nein, wir haben den Berner Fürsprecher Markus Scheidegger nominiert. Er trägt zur Verjüngung unseres VR bei, ist Jurist und hat gleichzeitig berufliche Erfahrung in der Aussenwerbung.
Warum erhält Decaux keinen VR-Sitz?
Bonny: Bekanntlich hat der Kauf des PubliGroupe-Paketes durch Decaux eine Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) ausgelöst. Ihre Frage lässt sich somit erst nach Vorliegen des Berichtes der Weko beantworten. Es spielen da wettbewerbsrechtliche Aspekte hinein.
Wann erwarten Sie den Weko-Entscheid?
Bonny: Diese Frage müssen Sie der Weko stellen.
Warum achtet der Affichage-VR im Zeitalter der Globalisierung so stark auf Unabhängigkeit?
Bonny: Wegen unserer Kundschaft. Diese besteht neben den Auftraggebern für Plakate auch aus ungezählten Städten und Gemeinden, die Wert darauf legen, dass sie mit einem Schweizer Partner zusammenarbeiten können, den sie seit Jahren und Jahrzehnten kennen. Dass der VR die Unabhängigkeit der Gesellschaft bewahren will, geht auch aus der Tatsache hervor, dass die bestehende Vinkulierungsklausel nur mit einer 80-prozentigen Stimmenmehrheit geändert werden kann.
Nach welchen Kriterien werden bei der Affichage Personen, Markus Scheidegger zum Beispiel, für den VR nominiert?
Bonny: Diese Frage lässt sich nicht generell beantworten. Bei uns zählt in erster Linie die Qualität der Persönlichkeit. Fürsprecher Markus Scheidegger ist ein Topmann und repräsentiert die Polymedia-Holding, unsere Partnerin in gewissen Tochtergesellschaften (siehe Kasten). Vergangenes Jahr ist zum Beispiel auch der frühere Zürcher Regierungsrat Eric Honegger gewählt worden, ebenfalls ein Topmann, der uns verschiedene Verbindungen, etwa zu den Printmedien und zum Flugverkehr gewährleistet.
Zum Auslandgeschäft: Die PubliGroupe hat ihre Affichage-Beteiligung von 25 Prozent deshalb an Decaux verkauft, weil sie enttäuscht war: Gemäss PubliGroupe ist die Affichage zu spät und zu zögernd ins Auslandgeschäft eingestiegen. Die PubliGroupe habe das schon vor gut zehn Jahren angeregt…
Bonny: Von dem weiss ich nichts, damals war ich noch nicht VR-Präsident. Hingegen habe ich der PubliGroupe 1997 offeriert, mit uns im Ausland zusammenzuarbeiten, und sie hat das abgelehnt. Die Tatsache, dass wir in vielen Ländern in Mitteleuropa Nummer 1 oder Nummer 2 in der Aussenwerbung sind, zeigt, dass wir nicht zu spät sind. Und die Idee der PubliGroupe, dass die Nummer 1 der Schweizer Printwerbung und die Nummer 1 der Schweizer Aussenwerbung zur Publicité Suisse zusammenspannen sollen, war nicht realistisch. Sie kam aus kartellrechtlichen Überlegungen nicht zustande und wäre auch von der Wettbewerbskommission nie akzeptiert worden.
Nach nur fünf Jahren macht Ihr Geschäft in Osteuropa bereits neun Prozent des Gruppenumsatzes und rund drei Prozent des Konzerngewinns aus. Das zeigt doch, dass im Ausland ein grosses Potenzial liegt und dass Sie die Expansion genau vor zehn oder 15 Jahren auch in Westeuropa hätten versuchen sollen.
Bonny: Nein, Westeuropa war schon damals punkto Aussenwerbung belegt und äusserst teuer. Als seriöse Gesellschaft wollten wir keine Fantasiepreise bezahlen. Aber als ich 1995 VR-Präsident wurde, war das Auslandgeschäft meine erste Priorität. 1996 sind wir damit in Osteuropa gestartet, weil dort keine überrissenen Preise bezahlt werden mussten und für die Aussenwerbung ein bedeutender Nachholbedarf vorhanden war. Inzwischen hat sich die Wettbewerbslage aber auch dort verschärft.
Aber hätte man nicht doch früher den Schritt ins Ausland, nach Westeuropa, wagen müssen? Gemäss PubliGroupe sind heute die westeuropäischen Aussenwerbepfründe unter den grossen Playern aufgeteilt, vor zehn oder 15 Jahren wäre hingegen ein Einstieg noch möglich gewesen.
Bonny: Nein, nein, wir mussten zuerst unsere Firma in der Schweiz konsolidieren. Wenn heute die APG stark ist, dann deshalb, weil sie strikte das Prinzip der Konzentration der Kräfte beachtet hat.
Wie viele Sitze im VR haben Sie der PubliGroupe angeboten, die ja bis vor einem Jahr der grösste Aktionär von Affichage war? Einen, zwei?
Bonny: Das steht hier nicht zur Diskussion und spielt jetzt auch keine Rolle, da ja die von der PubliGroupe angestrebte Kooperation, wie gesagt, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich war.
Interview: Markus Knöpfli
Das ist die Polymedia Die Polymedia-Holding in Bern mit einem Aktienkapital von einer Million Franken verwaltet Beteiligungen der Familie Scheidegger (Bern) an der Interplakat sowie an der Affichage-Holding und an deren Töchter Impacta, Ecofer und P&W. Sie ist zudem 100-prozentige Besitzerin der Advisa-Treuhand. Gemäss Walter Scheidegger, VR-Präsident bei Polymedia, besteht die Holding aus erbrechtlichen Gründen: Seine Söhne, einer davon ist Markus Scheidegger, werden dereinst Anteile an der Holding, nicht aber an den einzelnen Beteiligungen erben können, damit das Beteiligungspaket «nicht auseinander fladdert».
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