Eine Sägemehlarena voller Poesie

Der Schweizer Nationalzirkus modernisiert mit Ron Stocker Art seine Corporate Communication

Der Schweizer Nationalzirkus modernisiert mit Ron Stocker Art seine Corporate CommunicationVon Ernst Weber Spontan entschloss sich der Zirkus Knie zur Modernisierung seiner Kommunikation. Mitverursacher dieses Umbruchs ist der langjährige Knie-Fotograf Jost Wildbolz, der die Zürcher Image- und Medienagentur Ron Stocker Art (RSA) beim Schweizer Nationalzirkus ins Gespräch brachte.
«Ich kenne da jemanden, der Ihrer Werbung neue Kunststücke in der Kommunikation beibringen könnte», habe sinngemäss Jost Wildbolz zu den Knies gesagt: Ron Stocker, Inhaber von RSA, realisiert seit zehn Jahren Image- und Medienkonzepte. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Schweizer Nationalzirkus begann im Mai 1999 bei einem Opernhauskaffee, bei dem Stocker mit Chris Krenger, seit 39 Jahren Pressechef, und Herbert Scheller, seit 28 Jahren Marketingchef des Nationalzirkus, ein journalistischeres Konzept der Knie-Illustrierten diskutierte.
Stocker argumentierte mit der Tatsache, eine Knie-Illustrierte müsse von besseren Bildern leben. Man kam überein, ein Layout mit Fotos aus dem umfangreichen Knie-Archiv zu gestalten. «Chris Krenger hat jedes Archivbild im Kopf», sagt Stocker, «er weiss Name und Funktion jeder abgebildeten Person.» Stockers Entwurf beeindruckte: «Wir befinden uns», sagt Chris Krenger, «in einem Prozess und merkten bald einmal, dass es interessant sein kann, neue Ideen in die Kommunikation aufzunehmen. Das heisst aber nicht, dass wir alles einfach akzeptiert haben.»
Authentische Akquisitionshilfe: die Knie-Eventbroschüre
Zunächst gab Herbert Scheller bei RSA eine Eventbroschüre in Auftrag, die potenzielle Interessenten überzeugen soll, dass das 2500 Plätze fassende Knie-Zelt, das zu mieten pro Abend gerade mal 55000 Franken kostet, der richtige Rahmen etwa für einen aussergewöhnlichen Firmenanlass sein könnte.
«Eine Eventbroschüre muss man in diesem Fall der wirklichen Situation entsprechend realisieren», sagt Ron Stocker: Fünf Mal ging der Agenturinhaber mit dem Fotografen Hansjörg Egger im Zirkus auf Motivjagd, um die Stimmung bei geschlossenen Veranstaltungen authentisch einzufangen.
Die Eventbroschüre enthält Bilder verschiedener Anlässe, wie etwa von Beatocellos Benefiz-Gala, den Generalversammlungen der Crossair und des Berner Warenhauses Loeb sowie den 150-Jahr-Feiern der Rentes Genevoises und der Post. Letztere buchte den Zirkus übrigens gleich in 20 Städten. Oft baut die Zirkusleitung ein kleines Extra ins Programm ein, wie etwa ein Wettrennen zwischen A- und B-Post.
Ron Stocker mag die Art und Weise der Zusammenarbeit: «Haben die Knies einmal Vertrauen gefasst», sagt der Kanadier mit Schweizer Pass, «lassen sie dich frei arbeiten.» Wenn man allerdings ein Gruppenbild der Knie-Belegschaft schiessen wolle, mache man sich keine Freunde, weil man den ganzen Betrieb lahm lege. Deshalb sei für das Gruppenbild in der Broschüre knallhart eine halbe Stunde terminiert worden.
Beeindruckt zeigt sich Stocker ferner von der spürbaren Familienmentalität: Niedrige Arbeit im eigentlichen Sinn gebe es gar nicht, sagt der Werber: «Auch Franco Knie verlädt morgens um vier Uhr mit den Marokkanern Elefanten auf die Bahn.»
Den Glanz der Zirkuswelt zu Papier gebracht
Mitte Dezember gab Chris Krenger grünes Licht zur Realisierung einer Knie-Illustrierten, wie sie beim Opernhauskaffee besprochen worden war. Die Hochglanz-Illustrierte greift das diesjährige Motto «Spass und Poesie» auf. Auf das erste Thema wurde die Fotografin Silvia Luckner angesetzt, deren Aufnahmen von Gardi Hutter und deren Ensemble eine Hommage an die Kunst der Komik sind.
Die ästhetischen Ansprüche an die Poesie setzte Jost Wildbolz um, der die Familie Knie seit zehn Jahren fotografisch begleitet. Ausführlichere Texte erzählen Geschichten, Anekdoten und Kindheitserinnerungen. Ron Stocker: «Das Ziel war wirklich ein Knie- Poesiealbum.» Deshalb habe man Fredy Knie jun. mit einem Zebra statt mit Pferden fotografiert, mit dem er als Tierlehrer spreche.
Ein virtueller Rundgang durch den Zirkus
Der erste Internetauftritt des Schweizer Nationalzirkus ist eine Co-Produktion von RSA und Netgraphic (NET), einem Tochterunternehmen der Zürcher Druckerei gdz, das Internet- und Multimediaproduktionen realisiert.
Fachlich voneinander überzeugt, gehen RSA und NET Joint Ventures ein, um Stockers Image- und Medien-Know-how in Internetauftritte zu integrieren. Das Webdesign der Knie-Homepage kreierte Art Director Daniel Tschanz. Der 27-Jährige ist bei Netgraphic Mitglied der Geschäftsleitung. «Den Auftrag zur Gestaltung dieser Website», sagt Ron Stocker stolz, «gewann RSA/NET Ende Februar in einem Pitch gegen die Internet-agentur Jäggi Communications und eine Karlsruher Agentur.» Präsentiert wurde vor dem Verwaltungsrat des Millionenunternehmens.
Um die Internetsite bis zum Tourneestart am 21. März aufschalten zu können, schlug RSA/NET eine dreisprachige Vorausversion vor, die sukzessive ausgebaut wird. Der Auftritt übernimmt die Hauptmerkmale der Corporate Identity der Broschüre und Illustrierten: «Die Fotos und primäre grafische Elemente aus den aktuellen Werbemitteln wurden auf der Website sozusagen rezykliert», sagt Daniel Tschanz.
Ticketbestellungen über die Homepage
Ferner enthält die Homepage Facts wie Tourneedaten, die Preise der Ränge und die Möglichkeit, Tickets zu bestellen. Eingang ins Konzept fand auch die Anregung, einige Interessierte könnten möglicherweise vom Besuch einer Vorstellung absehen, wenn auf der Homepage zu viel verraten würde: Die Texte, etwa über die Artisten und deren Darbietungen, sind daher äusserst knapp gehalten, dem elektronischen Besucher wird wirklich nur ein kurzer Einblick in die Welt des Schweizer Nationalzirkus gewährt.
Mittlerweile ist dieser – für Zirkusleute verständlich – natürliche Respekt gegenüber dem neuen Medium jedoch aufgegeben worden. Dem geplanten Ausbau der Homepage steht nichts im Weg: Bis im August wird der Auftritt um einen Marketing- und Pressespiegel und um einen virtuellen Rundgang durch den Zirkus erweitert.
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