Helvetischer Durchschnitt

Eine User-Studie auf TagesZeitungen.ch soll vor allen Dingen neue Anstösse für weitere Untersuchungen liefern

Eine User-Studie auf TagesZeitungen.ch soll vor allen Dingen neue Anstösse für weitere Untersuchungen liefernWayne Sutherland, derzeit Content Manager der Online-Stellenplattform Human Line, hat im Dezember 35 Schweizer OnlineZeitungen bewertet. Damit wollte Sutherland vor allem die Durchführung von neuen, breiter abgestützten Usability-Studien anregen.Wer auf der Website TagesZeitungen.ch eine Rangliste von der besten bis zur schlechtesten On-
line-Zeitung sucht, wird enttäuscht sein. Fast alle untersuchten Zeitungen haben in der Gesamtbeurteilung durch Sutherland zwei von drei möglichen Punkten erhalten, nur wenige einen oder drei. «Eine genaue Rangliste war nicht das Ziel der Untersuchungen», erklärt denn auch Sutherland. Mit der Pilotstudie habe er vielmehr Denkanstösse geben und Beurteilungskriterien definieren wollen.
Die Qualität soll vor der Quantität stehen
Für Sutherland ist die erste Studie nur der Anfang einer ganzen Reihe von qualitativen Untersuchungen zum Thema Usability. «Bisher werden fast nur Quantitäten gemessen», kritisiert Sutherland.
Selbst möchte er im Sommer eine weitere Untersuchung durchführen und zu diesem Zweck seine Kriterien erweitern, breiter abstützen und mit qualitativen Messungen verbinden. «Ich würde gerne mit einem neutralen Forschungsunternehmen zusammenarbeiten, etwa mit der Wemf, mit einer CMR-Softwarefirma oder Siemens», erklärt Sutherland. Ausserdem müssten im Sinne der Wissenschaftlichkeit viel mehr User und nicht nur eine Person die Sites nach definierten Kriterien beurteilen. Dann könne man auch eine genauere Bewertung vornehmen.
Noch fällt die Beurteilung subjektiv aus
Die von Sutherland zusammen mit Peter Züllig, Dozent für visuelle Medien an der Universität Fribourg, definierten Kriterien lassen – je nach Blickwinkel – einigen bis viel Interpretationsspielraum offen. Von einer objektiven Beurteilung in der User-Studie kann keine Rede sein.
Wann, zum Beispiel, ist eine Site zu bunt oder zu kompliziert gestaltet? Als gutes Beispiel für die Subjektivität der Sutherland-Studie gilt die Website des Tages-Anzeigers, die im Blick auf Orientierung und Navigation eher mager abschnitt, in einer Untersuchung des deutschen Magazins für digitale Kommunikation, kress Internet, jedoch genau für diese beiden Kriterien gute Noten bekam.
Die Bewertungen auf TagesZeitungen.ch haben seit Durchführung der Studie im Dezember ohnehin an Bedeutung verloren. Schliesslich haben einige der untersuchten Online-Zeitungen bereits einen neuen Auftritt eingerichtet.
Unterschiedliche Reaktionen auf die Studie in den Verlagen
Die Online-Verantwortlichen in den Verlagen haben die Studie zur Kenntnis genommen. Marcel Sennhauser, TA-Media, meinte, die Studie sei als Anstoss für qualitative Vergleiche sicher gut, man dürfe sie aber nicht überbewerten. Die TA-Media AG baue auf wissenschaftlich erhobenen, harten Daten auf und beteilige sich deshalb an einer gesamteuropäischen Umfrage von Pro Active International.
Wolfgang Frei, NZZ, stört sich vor allem daran, dass bei der Untersuchung Qualität und Umfang des Inhalts nicht berücksichtigt worden seien. «Auf Bücher übertragen würde das heissen, ein gebundener Simmel sei ein besseres Buch als ein broschierter Grass.»
Die meisten Online-Zeitun-gen seien ohnehin nur Kopien des Printprodukts, rechtfertigt Sutherland das Ausklammern des Inhalts. Deshalb habe er nur die Überprüfbarkeit, die Aktualität und deren mediumgerechte Aufbereitung untersucht. Clemens Hörler
tops, aber keine flops auf Tageszeitungen.ch

Sutherland hat sich bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft an der Universität Fribourg
mit dem Thema Usability auseinander gesetzt. Damals kam er auf die Idee, den Blick Online zu untersuchen, und hat mit dem Dozenten für visuelle Medien, Peter Züllig, die Kriterien für die Beurteilung der Benutzerfreundlichkeit erarbeitet. Im Dezember hat er mit diesen Kriterien in einer Feldstudie 35 Online-Zeitungen untersucht.
Zu den Kriterien, die unter www.TagesZeitungen.ch beschrieben sind, gehören unter anderem die Möglichkeit zu Interaktivität, Ladedauer, Zusatzdienste, Navigation, Einfügen der Werbung ins Gesamtbild und Aktualität. Die Bewertung der Online-Zeitungen, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Kriterien, hat Sutherland zusammen mit dem Beratungsunternehmen Crusius, Bern, und dem Internetprovider und Softwareunternehmen ClassicCom veröffentlicht und breit kommuniziert.
Dass Sutherland selbst inzwischen für Human Line (daran hält Ringier eine Mehrheitsbeteiligung) und ClassicCom für den eBund arbeitet, ist kein Problem für Sutherland. ClassicCom habe keinen Einfluss auf den Inhalt der Studie gehabt. Er selbst habe die Kriterien ja noch als Student erarbeitet und den Blick offenkundig nicht begünstigt… (ch)

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