«Viele Chancen auf Zuger Strassen»

Daniel Brunner will die Zuger Presse auf Vordermann trimmen

Daniel Brunner will die Zuger Presse auf Vordermann trimmenVon Bruno Amstutz Das Experiment Zuger Presse treibt auf den Ruin zu. Die Alternative zur mächtigen Konkurrenz Neue Zuger Zeitung hat ihre finanziellen Reserven aufgebraucht. Jetzt will Daniel Brunner das Ruder herumreissen.
«Ich bezeichne mich als ungeduldig, aber langmütig. Doch meine Langmut ist am Ende.» Landis-&-Gyr-Erbe Daniel Brunner will die Geschäfte der Zuger Presse selbst in die Hand nehmen. Als einer der Hauptaktionäre und Gründungsväter der Zeitung hat er auch einen grossen Teil der finanziellen Verluste zu tragen: 1,3 Millionen Franken betrugen sie im vergangenen Jahr.
Jetzt zieht Brunner die Notbremse und macht sich daran, die Weichen neu zu stellen, und zwar in Alleinregie. Dazu braucht er die Zustimmung der anderen Aktionäre. Brunner besitzt zwar jetzt schon 23,5 Prozent der Aktien, das Stimmengewicht ist jedoch auf 10 Prozent beschränkt. Diese Regelung muss am 9. Mai mit einer Stimmenmehrheit von 75 Prozent aufgehoben werden, damit Brunner schalten und walten kann, wie er es sich wünscht.
Sein Griff nach der Aktienmehrheit und der Geschäftsführung muss zwar noch genehmigt werden, doch Brunners Vorstellungen über die Neuausrichtung der Zuger Presse sind schon konkret. «Mit Print alleine kommen wir nicht in die schwarzen Zahlen», ist er überzeugt, «aber Chancen liegen viele auf den Zuger Strassen.»
Das grösste Potenzial liegt im Internet
Vor allem im Internetbereich wittert Brunner grosses Potenzial und will so die Not der Printausgabe zur Tugend der neuen Zuger Presse machen. Eine Tageszeitung wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht finanzierbar, die hohen Kosten zwingen die Herausgeber sogar zur Reduktion der Printausgaben: Ab dem Herbst 2000 wird die Zuger Presse statt dreimal nur noch zweimal pro Woche erscheinen.
Die Aktualität liefert die Zuger Presse ins Netz, weil sie die Printausgabe nicht mehr ständig gewährleisten kann. Dort eröffnen sich auch neue Einnahmequellen: Bannerwerbung, abonnierbare Informationschannels und e-Shops.
«Wir wollen nicht mehr nur Print und Inserate verkaufen», erklärt Daniel Brunner das Konzept, «denn Wahlmöglichkeiten steigern die Konsumfreude.» Diskussionsforen und Marktplätze sollen die aktive Teilnahme des Publikums fördern, eine Webfactory Dienstleistungen anbieten.
Ein zweites Standbein tut dringend Not, denn die Printversion der Zuger Presse wird einer Rosskur unterzogen. Die Montagsausgabe wird gestrichen, ebenso die Frühzustellung. Diese Massnahmen reduzieren die Kosten, doch müssen auch die Abonnementspreise gesenkt werden, und weniger Ausgaben bedeuten logischerweise auch einen Inseraterückgang.
Ende dieses Jahres läuft zudem das Abokombi mit dem Tages-Anzeiger aus, eine Weiterführung ist nicht gesichert. Brunners Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit ist gross, aber er bleibt Realist: «Das Kombi war günstig für die Zuger Presse, für den Tages-Anzeiger jedoch teures Marketing. Zug ist aber längerfristig ein interessantes Pflaster.» Rund die Hälfte der Auflage von derzeit knapp 5500 Exemplaren der Zuger Presse wurden durch das Abokombi generiert.
Um wieder Inseratekunden zu gewinnen, wird sich die Zuger Presse im Herbst einem Redesign unterziehen. Klare Rubrikengliederung und langfristig geplante Spezialseiten sollen Inserenten anlocken, Marktplätze und Unterhaltungsseiten die Lesefreude steigern. Eine komplette Neupositionierung schwebt Daniel Brunner aber nicht vor: «Wir haben eine publizistische Klammer, die verschiedenste Bevölkerungsschichten zusammenhält. Das möchten wir auch beibehalten.»
Daniel Brunner als alleinigen Kapitän der Zuger Presse zu sehen könnte einigen Zugern nicht gefallen. Seine Vergangenheit als links-grüner Regionalpolitiker hat ihm den Spitznamen «der rote Dani» eingebracht. Doch diese Angriffsfläche will Brunner in seiner Position nicht bieten. Sowohl die Redaktion als auch er selbst betonen die publizistische Unabhängigkeit der Zuger Presse. Brunner will keine Zuger WoZ kreieren und möchte nur in seiner Funktion als Unternehmer gesehen werden, nicht als Politiker.
Fachliche Kompetenz statt politischer Ausrichtung
Auch der Verwaltungsrat soll zukünftig ein fachlich ausgerichtetes Organ darstellen und kein politisches. Ein erster Schritt zur Auffrischung ist getan mit der Beteiligung von Matthias Luchsinger, CEO der Cinecom & Media AG. «Matthias soll seine fachliche Kompetenz einbringen», so Brunner, «und er ist auch ein Imagegewinn.» Die Mitarbeit von Luchsinger, hofft Brunner, könnte auch positive Signale in Richtung TA-Media aussenden.
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