«Ich will dein Ecstasy sein»

Mit Slang-Headlines wirbt ein Unbekannter in den USA für mehr Religiosität

Mit Slang-Headlines wirbt ein Unbekannter in den USA für mehr ReligiositätVon Thérèse Balduzzi In Amerika macht eine ungewöhnliche Kampagne von sich reden: Auf Plakaten und am Fernsehen spricht Gott in vierzig Staaten in Umgangssprache zu den Menschen. Der Auftraggeber will anonym bleiben.
«Treffen wir uns am Sonntag bei mir zu Hause. – Gott», «Hast du meinen Nr.-1-Bestseller gelesen? – Gott» oder «Das mit hab ich wirklich so gemeint – Gott» stand 1998 auf Werbetafeln in Florida. Dahinter steckte ein anonymer Auftraggeber, der eine Hand voll Werbeflächen in Fort Lauderdale (Florida) gemietet hatte, um seine private Interpretation von Bibeltexten zu verbreiten. Die Branchenorganisation für Aussenwerbung Outdoor Advertising Association of America (OAAA), die jährlich eine Public-Service-Kampagne kostenlos aufnimmt, sorgte für eine landesweite Verbreitung der Kampagne auf über 10000 Werbetafeln in 40 Staaten.
In ihrer soeben angelaufenen neuen Phase richtet sich die Kampagne spezifisch an Jugendliche. Auch diese wird in vierzig Staaten auf Plakaten, in Bussen, an Bushaltestellen und in Einkaufszentren gezeigt und als Fernsehspot, in dem die Botschaften zu Technomusik auf den Bildschirm gesprayt werden, ausgestrahlt.
Für die «God speaks to Kids»-Kampagne spricht Gott im Slang der amerikanischen Jugend: «Let me be your ecstasy», «Think I planted stuff down here for you to smoke?» und «Yo, casual sex is on my list of deadly sins» lauten die anbiedernden Sprüche an Amerikas Jugend.
Die 16 Botschaften an die Jugendlichen drehen sich vor allem um Alkohol, Drogenmissbrauch, geschiedene Eltern, Sex, Hass und Gewalt und basieren auf den zehn Geboten. Auf der Website www.wuzupgod.com wurde ein Forum eingerichtet, in dem Jugendliche ihre Gedanken dazu austauschen können.
Gestaltet wurden beide Kampagnen von der Agentur SmithAgency.com, einer Tochtergesellschaft von QuikBIZ Internetgroup in Fort Lauderdale. Die zweite Runde wurde in Zusammenarbeit mit Gateway Outdoor Advertising aus Turtle Creek (Pennsylvania) lanciert, die das Geld für die Platzierung von Billboards in 15 Märkten gespendet hat.
Gateway hat auch Verbindungen zu weiteren Firmen für Aussenwerbung hergestellt, die die Kosten für acht zusätzliche Märkte übernommen haben. Die Kampagne wird vor allem in städtischen Gebieten, darunter New York, Los Angeles, Denver, Washington D.C., Miami, Albuquerque, Oklahoma City und Philadelphia erscheinen.
Vom Kunden, der weiterhin anonym bleiben will, wurde über die Agentur folgendes Statement veröffentlicht: «Täglich sehen wir zu, wie unsere Kinder sterben und unsere Familien zerstört werden. Wenn die Leute mit Gott reden, eine Beziehung mit Gott etablieren und sich von seinen Regeln leiten lassen, werden wir Leben zu retten beginnen.»
Über den geheimnisvollen Auftraggeber ist nur bekannt, dass es sich um eine Einzelper-son handelt, einen Mann, der wegen des Lewinsky-Skandals und der Schiessereien auf amerikanischen Schulhöfen Religionsbedarf witterte. Nach Aussagen von Insidern der SmithAgency handelt es sich um einen mächtigen, reichen Mann, dem enge Verbindungen zur evangelischen Gemeinde nachgesagt werden.
MTV hat die Spots des Unbekannten abgelehnt
Kritik an der Kampagne drehte sich höchstens um die Frage, ob es ethisch in Ordnung sei, Gott solch saloppe Sprache in den Mund zu legen. In einem Land, in dem die religiöse Rechte in den vergangenen Jahren an Macht zugelegt hat und sich gewohnt ist, ihre Meinungen zu verbreiten und durchzusetzen, erstaunt es, dass die Kampagne keine grundsätzlicheren Debatten ausgelöst hat. Nur vom Kabelsender MTV ist bekannt, dass er die Werbung aus diesem Grunde abgelehnt hat, der schwarze Musiksender BET hat sie dagegen angenommen.
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