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Die Westschweizer Tageszeitung Le Temps überrascht Leser mit neuen Produkten

Die Westschweizer Tageszeitung Le Temps überrascht Leser mit neuen ProduktenVon Anita Vaucher Das Projekt einer eigenen Sonntagszeitung hat die Westschweizer Tageszeitung Le Temps zwar Ende 1999 liquidiert. Die dazu entstandene Studie führte jedoch zu neuen Erkenntnissen über Leserbedürfnisse. Ab Mai offeriert Le Temps darum eine Serie neuer Beilagen sowie das TV-Magazin Télétemps.
Die zwei Jahre alte Westschweizer Tageszeitung Le Temps hat sich viel vorgenommen, um Leser zu binden und neue zu gewinnen. Anfang Mai will sie nicht nur neue Beilagen zu Schwerpunktthemen offerieren, sondern auch ein eigenes TV-Magazin herausgeben. Der Anlass: Die Studie, die für das Projekt einer neuen Sonntagszeitung durchgeführt wurde, hat die Marketingverantwortlichen von Le Temps schliesslich auf neue Wege und zu neuen Ideen geführt.
Mit anspruchsvollen Beilagen neue Inserenten anziehen.
Bereits seit Mitte Januar 2000 erscheint jeden Montag die Immobilienbeilage Habiter, die das Temps Immobilier ersetzt hat. Aus dem nüchternen Immobilienanzeiger ist ein attraktives Produkt entstanden, das seine Themen breit abstecken kann. Vom Chaletbau bis hin zur modernen Innenarchitektur und Porträts über Persönlichkeiten aus Kunst und Architektur – alles hat Platz. Das wiederum ruft neue Werbeauftraggeber, sprich Inserenten für Luxusprodukte, auf den Plan.
Jeden Dienstag wird ab 2. Mai der Tagesausgabe neu eine zwölfseitige Beilage «Sciences et multimédia» beigelegt. Das Supplement ersetzt die sporadisch erschienenen zweiseitigen Beiträge zu diesem Themenbereich. Wissenschaftliche Themen und komplizierte Zusammenhänge sollen in der neuen Beilage allgemeinverständlich aufbereitet werden. Auch da liebäugeln die Marketingleute von Le Temps mit Werbeauftraggebern aus dem Multimediabereich.
Das bisher am Samstag erschienene Tempo, eine Art Agenda und Veranstaltungskalender, erscheint neu bereits am Donnerstag, weil sich die Leser auf die am Wochenende stattfindenden Veranstaltungen in der Region und der übrigen Schweiz offenbar besser vorbereiten wollen. Das im Magazinstil präsentierte Produkt zählt neu sechzehn Seiten. Zudem wurde das Layout überarbeitet, damit sich der Leser besser zurechtfindet.
Richtig gefordert wird aber der Leser von Le Temps am Samstag. Das neue Angebot wird ihm kaum Zeit lassen, Sonntagszeitungen der Konkurrenz zu lesen. Da erwartet ihn zunächst eine redaktionelle Retrospektive über Ereignisse der vergangenen Woche. Der vierte Bund, Le Temps weekend, wird durch Magazine ersetzt. Es befasst sich auf zwölf Seiten mit dem, was im Leben eben Freude bereitet: Gastronomie, Reisen, Mode, Autos, Wellness.
Télétemps will mehr sein als eine TV-Programmzeitschrift
Die Beilage Samedi culture erhält einen neuen Look und ein erweitertes Themenspektrum. Vor allem der Literaturteil wird ausgebaut, und die Buchbesprechungen werden auch auf Taschenbücher ausgeweitet.
Das funkelnagelneue Produkt, das Le Temps erstmals lanciert, heisst Télétemps. Das ehrgeizige Projekt soll weit mehr sein als eine Fernsehprogrammzeitschrift. «Fernsehen ist Bestandteil unseres Daseins geworden», meint Valérie Boagno, Marketingleiterin von Le Temps. Deshalb soll auf 56 Seiten diesem Medium auf den Zahn gefühlt werden mit Analysen, Reportagen und Hintergrundberichten. Dabei profitieren die Genfer Zeitungsmacher von den Synergien mit Télé-Obs, dem erfolgreichen TV-Magazin des Nouvel Observateur.
Mit Ausnahme von ein bis zwei zusätzlichen Journalisten soll das gesamte neue Angebot mit der bestehenden Redaktionsequipe realisiert werden. Am Abo- und Einzelverkaufspreis wird im Moment nicht gerüttelt.
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