5 Jahre #Frauenarbeit: «Das Pink war nicht meine Idee!»

Vor fünf Jahren hat Regula Bührer Fecker ihr Buch #Frauenarbeit veröffentlicht. Zum Jubiläum schreibt die Werberin darüber, wie es dazu kam.

FrauenarbeitIm Nachhinein weiss man ja dann nicht mehr so genau, wie etwas war.

Und wie schnell die Zeit vergeht. So ging es mir jedenfalls kürzlich, als ich realisierte, dass es schon fünf Jahre her war, seit ich das Buch #Frauenarbeit geschrieben habe. Viele Menschen haben mich gefragt, a) warum ich das Buch geschrieben habe und b) wie man eigentlich ein Buch schreibt. Das erzähle ich zum 5-Jahre Jubiläum von #Frauenarbeit gerne in einem persönlichen und etwas längeren Text. 

Also… 2017 waren meine beiden Kinder 1 und 2 Jahre alt. Entsprechend fröhlich, voll und turbulent die Tage und entsprechend kurz die Nächte. Unsere Agentur Rod Kommunikation hatte sich nach 10 Jahren im Markt gut etabliert, natürlich mit den üblichen Ups and Downs, Sprints und Marathons. 

Während ich mit meiner Familie im Februar 2017 Ferien machte, hatte ich immer wieder Gespräche mit meinem Mann darüber, dass ich gerne ein Buch schreiben möchte. Nur was? Für einen Krimi fehlte die Idee, für ein Kochbuch die Kompetenz und für einen Schunken über Werbestrategie die akademische Laufbahn. Aber ich wollte schreiben. Denn Schreiben gab und gibt mir seit jeher Ruhe, ist «mein Kraftort» und mit zwei kleinen Kindern ist es – aus meiner Erfahrung – relativ wichtig, seinen Kraftort zu kennen. 

Wenn man schreibt, dann muss man sich ja mit seinem Material wohlfühlen. Und das Material, in dem ich mich wohlfühlte, war, wie es ist, eine junge, ambitionierte Frau im Berufsleben zu sein. Wie man sich durchschlägt, wie man sich durchsetzt, wie man schwierige Situationen durchsteht. Darüber hatte ich aufgrund meiner Biografie, die «jüngste Verwaltungsrätin» oder «jüngste Strategin» beinhaltete, etwas zu sagen. Also sollte das die Kernidee für mein Buch werden. Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen festhalten, auf dass andere daraus lernen könnten. 

Zurück aus den Ferien sprach ich im März bei zwei, drei Buchverlagen vor. Urs Hofmann, der damalige Verlagsleiter von NZZ Libro, lud mich spontan zu einem Gespräch ein. Mein Pitch gefiel ihm. Sogar so gut, dass er mich fragte, ob ich das Manuskript bis Ende Mai geschrieben haben könnte. Denn er würde das (notabene noch nicht geschriebene) Buch gerne im Herbst desselben Jahres herausbringen. 

Ich ging, leicht überfordert, nach Hause und sprach mit meinem Mann. Denn ohne seine Unterstützung und Entlastung zu Hause würde ich das nicht schaffen. Ebenso redete ich mit meinen beiden Geschäftspartnern, ob ich mein Engagement zwei Monate drosseln könnte, um zu schreiben. Alle haben mich bei diesem Unterfangen unterstützt. Also sagte ich NZZ Libro zu. War der Autorenvertrag unterschrieben, legte ich los. 

In einer ersten, wilden Post-It Aktion hielt ich meine Gedankenfetzen unstrukturiert auf grünen Post-Its fest – ebenso auf roten Post-Its die Erlebnisse und Erfahrungen, über welche ich nicht schreiben wollte. Dann begann ich, daraus eine Struktur und Kapitel zu bauen. 10 Kapitel à 10 Tipps sollten es werden. Inklusive Vorwort, Einleitung, Drumherum und Dazwischen. Stand die Struktur, musste ich sie «nur noch» füllen. Und genau das tat ich in den folgenden Wochen: Wenn die Kinder am Schlafen waren: schreiben. Wenn ich mit dem Zug nach Bern zu einem Kunden fuhr: schreiben. Mittagspause: schreiben. 

Zwei zusätzliche Auszeiten in den Bergen waren nötig, um den Inhalt niederzuschreiben. Und irgendwann, irgendwann, war es getan: das Manuskript stand. Ich weiss im Nachhinein wirklich nicht, wie ich das in der knappen Zeit geschafft habe. Ich bin sonst eher die kurz-und-knapp Schreiberin. (Eine befreundete Autorin sagte einmal zu mir: «Offensichtlich war das Material reif.» Und sie hatte vermutlich recht.)

Mein Mann und mein Schwiegervater waren die ersten, welche das Manuskript zu lesen bekamen und mir Feedback gaben. Eine intensive Überarbeitungsrunde, ein paar schlaflose Nächte… und das Manuskript wanderte zu NZZ Libro. Just in time. Wir hatten mittlerweile Juni und die Arbeit lag nun beim Verlag: der Text wurde überarbeitet, lektoriert und abgesetzt, Buch und Titelbild wurden gestaltet (PS: das Pink war nicht meine Idee!). 

Doch ich wollte, dass #Frauenarbeit mehr als ein Buch würde. Sondern dass es eine Plattform oder Initiative würde, um junge Frauen, die sich heute in einer vergleichbaren Situation befinden, wie ich früher, zusammenführt. Dass die Plattform offen würde, um erfahrene weibliche Führungspersonen in der Schweiz dazu zu bringen, ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Tipps zu teilen und weiterzugeben. Wie ein Businessclub, aber auf Social Media, unverbindlich, gratis und offen für alle. 

Aus diesem Grund entwickelten die Anwältin Judith Weber und der Social-Media-Profi Maude Federspiel zusammen mit mir das Konzept einer Bewegung namens #Frauenarbeit, die von einer gleichnamigen Stiftung finanziert wird. Und irgendwann einmal war Sommer, das Buch im Druck, die Grundlage für die Stiftung gelegt, die Website konzipiert, der Instagram-Account eingerichtet. 

Ich war 39, hatte ein wichtiges Kapitel meines Lebens niedergeschrieben und festgehalten. Zum gleichen Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass meine Mutter schwerkrank war und nicht mehr lange leben würde. Bis heute bin ich froh, dass sie die Schaffung des Buches, den ganzen Prozess drum herum und die Lancierung noch erleben durfte. Dass sie mein Buch in Händen halten durfte. 

Ich kann selber gar nicht glauben, dass fünf Jahre seither vergangen sind. Mittlerweile erreichen wir mehr als 15’000 Frauen mit unseren Inhalten, Newslettern, Lunchdates und Events. Die vielen Rückmeldungen geben uns Antrieb. 

Ich danke hier und heute allen, die sich für #Frauenarbeit engagieren. Ohne den Support und das Mittun von starken, engagierten Frauen wäre #Frauenarbeit nie möglich gewesen wäre. Und ohne den Support und die Entlastung von starken, engagierten Männern wäre #Frauenarbeit nie möglich gewesen: Dankeschön. 

Wenn du das Buch gekauft und gelesen hast, dann danke ich dir hier. Denn es finanziert, wie gesagt, zu unserem Grossteil unsere Stiftung und damit unsere Aktivitäten. Wenn du jetzt Lust bekommen hast, es zu kaufen, selber zu lesen oder jemand anderem zu verschenken, dann kannst du das hier gerne tun.

Vielen Dank
* Regula Bührer Fecker
#Frauenarbeit 


Im Frühjahr 2021 war Regula Bührer Fecker zu Gast bei unserem Podcast Off The Record.

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