«Ich bin im richtigen Alter, um mit vollem Elan etwas Neues anzupacken»

Es kommt nicht häufig vor, dass ein Verwaltungsratspräsident sich bewusst entscheidet, noch einmal fast «bei Null» anzufangen. Im Interview mit Werbewoche.ch spricht Christian Baertschi über die Beweggründe für seine Entscheidung - und verrät, was er bei Serviceplan am meisten vermissen wird.

Portrait_Christian_Baertschi

Werbewoche.ch: Christian Baertschi – Ihr Weggang von Serviceplan kommt für viele überraschend. Erst vergangenen Dezember wurden Sie Verwaltungsratspräsient der Serviceplan Group Schweiz. Gleichzeitig betreuten Sie persönlich ausgewählte Key Accounts der Agentur. Warum möchten Sie sich nun anderweitig orientieren?

Christian Baertschi: Ich habe mich die letzten siebeneinhalb Jahre vollumfänglich dem Aufbau der Agenturgruppe gewidmet. Nun bin ich gerade im richtigen Alter, um noch einmal etwas Neues mit vollem Elan anzupacken. Wir haben den Vorteil in einer Zeit der Veränderung zu leben, welche uns jeden Tag neue Chancen bietet. Diese Situation will ich nutzen, um noch einmal etwas Neues aufzubauen. Ich werde aber meine persönlichen Key Accounts nicht einfach im Stich lassen, sondern habe weiterhin die Möglichkeit für diese tätig zu sein.

 

Viele Verwaltungsratspräsidenten ziehen sich nach und nach aus dem Tagesgeschäft zurück und widmen sich dem Networking, der Strategie, vereinzelten Boutique-Mandaten. Eine etwas ruhigere Gangart für die letzten zehn, fünfzehn Jahre der Karriere – erschien Ihnen das so gar nicht verlockend?

Ich bin noch nicht sicher, ob ich mich schon in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren meiner Karriere befinde (lacht). Aber die skizzierte Vorstellung nur noch als Frühstück- und Repräsentationsdirektor tätig zu sein, entspricht nicht meinem Selbstverständnis.

 

Die Ankündigung Ihres Ausscheidens folgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Schweiz gerade die erste Welle der Corona-Infektionen hinter sich hat. Auch die Agenturwelt wurde ordentlich durchgeschüttelt. Hand aufs Herz: Mit den Folgen der Pandemie für die Branche hat Ihr Austritt nichts zu tun?

Nein, ganz sicher nicht. Mein Entscheid ist vor Beginn der Pandemie gefallen und hat damit nichts zu tun. Ein Entweichen von den Folgen der Pandemie ist sowieso kaum möglich, da ich nicht vorhabe in die Pharma- oder Medizinalbranche einzusteigen. Diese Krise wird – wie jede Veränderung – viele neue Chancen hervorbringen und das gilt wie überall auch für unsere Branche.

 

2012 hat sich die Serviceplan Group in die von Ihnen gegründete Agentur eingekauft und damit den Eintritt in den Schweizer Markt vollzogen. Sie brachten das Haus der Kommunikation im Seefeld auf Wachstumskurs. Was waren Ihre persönlichen Highlights, Ihre Meilensteine?

Da gab es einige. Das meiste hat mit den tollen Menschen zu tun, welche ich auf diesem Weg kennengelernt habe. Besonders motiviert hat mich stets, wenn gemeinsam mit einem Kunden eine Opportunität entgegen aller internen Hürden und externen Widerstände zu unternehmerischem Erfolg geführt wurde. Ich durfte in den letzten Jahren einige solcher Meilensteine begleiten – im Automobilmarkt, bei den schnelllebigen Konsumgütern, in der Telekommunikation, aber auch in der Finanzbranche und in der Industrie. Und zu guter Letzt gehört nun auch dieser Schritt zu einem wesentlichen Meilenstein. Ich lege die Geschicke des Unternehmens in die Hände einer kompetenten Mannschaft mit Pam Hügli und Raul Serrat an der Spitze, welche in den letzten Jahren sukzessive in diese Aufgabe hineingewachsen sind.

 

In der Pressemitteilung zu Ihrem Austritt steht, dass Sie sich «neuen unternehmerischen Herausforderungen» widmen möchten. Können Sie schon mehr dazu sagen, welche Herausforderungen das sein werden?

Dafür ist es etwas zu früh. Ich stehe ja noch bis Ende Mai der Schweizer Serviceplan Gruppe und dem Haus der Kommunikation vor. Nur soviel kann ich sagen: Ich werde mich nach meinem Austritt gemeinsam mit Steve Walls, dem bisherigen Transformation Lead und Strategiechef der Schweizer Serviceplan Gruppe, darauf konzentrieren, dass Ideen und Opportunitäten nicht nur auf PowerPoint erscheinen, sondern tatsächlich realisiert werden. Wir sind überzeugt, dass es nicht an Ideen mangelt, sondern oftmals am Momentum diese zeitnah umzusetzen.

 

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Wochen und Monaten besonders?

Ich freue mich auf die Leute, welche auch nach Niederlegung meiner Funktion weiterhin Interesse an meiner Person entgegenbringen. Und natürlich auf einen wunderbaren Sommer mit meiner Familie, welcher hoffentlich von uns allen möglichst sorgenfrei genossen werden kann.

 

Und was werden Sie vermissen?

Sehr vermissen werde ich meine Kolleginnen und Kollegen und insbesondere unseren Empfang im Haus der Kommunikation.

 

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