Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 35: Tobias Fueter, Stories

Tobias Fueter von Stories zeigt uns in der 35. Folge von «Grüsse aus dem Homeoffice» seinen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden.

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Stories Co-Founder und Cannes-Lions-Gewinner Tobias Fueter liebt emotionales Storytelling in jedem Format auf jedem Screen: egal ob Weihnachtsspot oder Comedy-Serie, animierte Musicals, innovative Content Formate oder VR-Experiences. Seine international preisgekrönten Werke faszinieren das Publikum und stärken messbar Marken. Er lebt mit seiner Frau Noëlle, zwei Hunden und einem Apple TV in Zürich.

 

Werbewoche.ch: Wie lange befinden Sie sich schon im Homeoffice?

Tobias Fueter: Seit dem 16. März und seit einer Woche ab und zu auch wieder mal im Büro.

 

Befindet sich Ihr ganzes Unternehmen im Homeoffice?

Da wir als Filmproduktion immer auch auf unsere Terabytes an Videodaten und unsere grossen Server angewiesen sind, haben wir von Beginn weg ein flexibles System eingerichtet, wie wir grundsätzlich von zuhause aus arbeiten können, mit Zugang auf unsere Server und so, dass wir trotzdem bei Bedarf auch einzelne unserer Post-Producers vor Ort hatten, wenn es schnell gehen musste. Danke an unser ganzes Stories-Team und alle unsere Freelancers für die tolle Flexibilität und schnelle Reaktionszeit in diesen Wochen!

 

Hatten Sie damals bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Als Produktion eigentlich kaum. Zoom war bei uns schon seit über einem Jahr unser bevorzugtes Videokonferenztool und unser Business Account war darum schon lange bereit. Auch Online Abnahmen und Remote Shoots hatten wir schon Monate zuvor erlebt. Wie gesagt sind aber die grossen Filedaten beim Film immer eine Herausforderung, egal ob im Büro oder zu Hause. Aber das zu lösen sind wir gewohnt. Persönlich hingegen habe ich eigentlich immer mit technischen Problemen zu kämpfen, nicht, weil ich mich nicht auskenne, sondern beinahe im Gegenteil: Ich bin so nerdy, dass ich die Zeit zu Hause nutzen wollte, um das Allerletzte aus meinem neuen Mac-Laptop heraus zu optimieren und je mehr ich da «optimierte» desto grössere Probleme gab es. (lacht)

 

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Ich hatte schon immer einen Homeoffice-Platz in unserer Wohnküche, schön am Fenster mit Aussicht und im Rücken unser heiss geliebte Video Beamer.

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Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Laptop, schnelles Internet, eine kalte Tasse Kaffee und einen unserer Hunde gemütlich neben mir pennend unter meinem Schreibtisch.

 

Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?

Ich habe zwar keine Kinder, dafür aber meine äusserst lebendige Frau Noëlle und zwei schwer erziehbare Hunde…

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Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Ich bin mir Homeoffice gewohnt und liebe die Ruhe, um mich in ein Thema vertiefen zu können. Und bei unseren flexiblen Arbeitszeiten kommt die Arbeit sowieso irgendwann, egal, ob man im Büro ist oder unterwegs – darum gab es auch oft schon zuvor manchmal ungewollt Homeofiice.

 

Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Berufsalltag schwierig?

Im schnellen Produktionsalltag schätzen wir den direkten Austausch im Grossraumbüro, da hören alle einander zu und können sofort reagieren. Im Homeoffice ist ein regelmässiger und gründlicher Austausch essenziell, damit der Informationsfluss erhalten bleibt und es keine Missverständnisse gibt.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Konzeptarbeiten an Filmideen, Director’s Interpretations, Archivsuche und alle anderen Arbeiten, welche sowieso einzeln an einem Computer ohne allzu grosse Datenmengen erledigt werden können, gehen auch wunderbar von zuhause aus. Oft sogar konzentrierter.

 

Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?

Schnittabnahmen, PPMs und Strategiebesprechungen mit unseren Agenturen und Kunden funktionieren überraschenderweise ganz wunderbar. Das schöne an Online-Meetings ist, dass man eher alle Entscheider an ein Meeting kriegt und so gemeinsam schnell auf eine Lösung kommt. Die Meetings dauern weniger lang und da man auf Zoom auch immer so direkt allen anderen in die Augen schaut, scheint mir die Aufmerksamkeit in den Meeting beinahe höher, als in einem grossen Sitzungszimmer.

 

Was tun Sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?

Das, was ich und meine Frau immer tun: Wir gehen mit unseren Hunden in die Natur. Es gibt nichts Inspirierenderes als einen Waldspaziergang.

 

Hat sich bei Ihnen schon so etwas wie ein Homeoffice-Koller bemerkbar gemacht?

Ich merke, wie ich noch ungeduldiger als sonst bin. Da ich nicht immer gleich höre, was sonst noch alles passiert, habe ich immer schnell das Gefühl, dass die Welt stehen bleibt und ich nicht vorwärts komme. Das ist eine meiner grossen Schwächen und ich meditiere täglich darüber, bisher noch ziemlich erfolglos. (lacht)

 

Was vermissen Sie am meisten am physischen Berufsalltag?

Die Bewegung, das kreative Chaos, das flexible Umdenken, die spontanen Ideen, den persönlichen Inspirationsfunken, die sofortige Energie im direkten Kontakt.

 

Sind Sie zuversichtlich, dass Ihr Unternehmen die Krise unbeschadet überstehen wird?

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und bin davon überzeugt, dass die Krise uns alle noch innovativer, gedanklich flexibler und produktionell schlagfertiger machen wird. Wir alle hatten viel Zeit für uns – und endlich auch mal wieder für unsere Liebsten – und für Gedanken, was uns wichtig ist in der Welt. Ich glaube, diese Erfahrungen werden uns – und die Welt als Ganzes – nachhaltig und positiv beeinflussen. Wir alle werden mit mehr Weitsicht, klareren Zielen und mehr Sinnhaftigkeit in die Zukunft gehen.

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Mehr Zeit mit meiner Frau und meinen Hunden und endlich wieder mal meine Lieblingsfilme auf dem Beamer reinziehen zu können. Ausserdem hatten wir vor einer Woche eine tolle Zoom-Kinopremiere von Micha Lewinskys sehenswerten «Moskau Einfach!». Wir alle schauten von unseren Wohnzimmer Sofas in Decken eingewickelt oder schon im Pyjama mit unseren Familien gemeinsam einen Film online. Das war ein wunderbar futuristisch und gleichzeitig total «retro» anmutender Moment.

 

Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit dem Homeoffice zum letzten Mal gelacht?

Adi, unser Partner bei Stories ist der Mann für die lustigen Instagram Shares. Keine Ahnung, wo er das Zeugs immer findet, aber was da so in unserem Stories-Chat rumschwirrt ist streckenweise absolut genial. Eigentlich sollten wir die Regisseur/innen dieser Amateurfilme jeweils gleich unter Vertrag nehmen. (lacht)

 

Auch wenn Sie keine Kristallkugel besitzen: Rechnen Sie damit, dass die aktuelle Situation noch lange andauern wird?

Es gibt schon zu viele Meinungen zu einem Thema, das niemand wirklich beantworten kann. Ich fokussiere mich lieber auf das, was wir aktiv beeinflussen können: nämlich täglich mit der aktuellen Situation umgehen und flexibel zu reagieren. Die Reiseeinschränkungen zum Beispiel bedeuten für mich im Moment, dass wir uns in naher Zukunft auf unsere nationalen Talente konzentrieren dürfen, was mich persönlich freut und auch eine positive Seite dieser Krise ist: die Besinnung auf unsere eigenen Stärken.

 

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Ich hätte da noch drei Klopapierrollen im Keller, wenn jemand Interesse hat…

Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff. Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Auch die Werbe-, Kommunikations- und Marketingbranche verlagert den Betrieb grossflächig ins Homeoffice. Mit der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» beleuchtet Werbewoche.ch den Berufsalltag in den heimischen vier Wänden.

Alle Folgen im Überblick:

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