Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 30: David Cappellini, Monami

Gleich zwei Offices hat David Cappellini zurzeit für sich alleine. In der 30. Folge der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» besucht Werbewoche.ch den Monami-Gründer, der zwischen Zürich und Chur pendelt und gerne auch mal Präsentationen auf dem Schaukelpferd schreibt.

MonamiVelo

David Cappellini – hier auf seinem Monami-Velo – ist Gründer der digitalen Content-Agentur Monami, die mittlerweile 15 Mitarbeitende beschäftigt. Nebenbei doziert er an der ZHAW und ist begeisterter Fan des FC Winterthur. 

 

Werbewoche.ch: Wie lange befinden Sie sich schon im Homeoffice?

David Cappellini: Seit dem 12. März. Angemerkt sei allerdings: Weil die Räumlichkeiten seither gänzlich leer sind, nahm ich mir raus, als Einziger weiterhin im Büro zu verkehren. Dafür darf ich jetzt endlich auch mal laut Backstreet Boys hören. 

 

Befindet sich Ihre ganze Agentur im Homeoffice?

Ja.

 

Hatten Sie oder Ihre Agentur bei der Einrichtung mit technischen Problemen zu kämpfen?

Ich selbst befinde mich ja zu meinem Glück in gewohnter Arbeitsumgebung. Dabei switche ich zwischen dem Züri-Office und unserer Dependance in Chur hin und her. Dank einer guten Serverlösung und regelmässigen Team-Calls haben die Mitarbeitenden allerdings bislang auch keine bedeutenden technischen Probleme. Der Übergang verlief praktisch reibungslos.

DependanceChur

Auch in diesem schmucken Altstadt-Häuschen in Chur arbeitet Cappellini aktuell oft alleine.

 

Wo in den leeren Agenturräumen haben Sie sich eingerichtet?

Das Schöne an den leeren Räumen ist – ich nutze die verschiedenen Zimmer im Büro mehr denn je. Calls im Sitzungszimmer, Zmittag unter keinen Umständen am Arbeitsplatz – Präsis töggeln dafür manchmal auch auf dem Schaukelpferd oder im Gärtli. 

 

Was benötigen Sie alles, um den Betrieb während der Corona-Zeit aufrechthalten zu können?

Filzstifte für kreatives Gekritzel, Handy, Laptop, Kokosnusswasser – und an Heuschnupfentagen meine Brille. 

BüroZüri

Das Monami-Office in Zürich-Wollishofen. Gähnende Leere, ein Mitarbeiter, manchmal zu laute Musik.

 

Ein omnipräsentes Thema ist momentan die anspruchsvolle Abgrenzung zwischen Familie und Berufsalltag – bei Ihnen ein Thema?

Ich werde bald zum ersten Mal Papa und bin – abgesehen von der Vorfreude – sehr gespannt, wie das dann wird.

 

Haben Sie in der Vergangenheit Homeoffice-Erfahrung gesammelt?

Ein wenig Erfahrung hatte ich, da ich im Rahmen einer einjährigen Weltreise vor Monami schon an allen möglichen Orten werkeln durfte. 

 

Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag in der aktuellen Zeit schwierig?

Nach anderthalb Monaten darf ich feststellen, dass es nur Kleinigkeiten sind. Wichtiger als die Prozesse ist der fehlende Austausch im echten Leben, der oft auch zu Fruchtbarem führen kann. Der fehlt eindeutig. Auch Drehs sind nicht ganz einfach in Social-Distancing-Zeiten. Bei manchen Mitarbeitenden haben wir ein ganzes Homestudio eingerichtet. 

Homestudio

Bei gewissen Mitarbeitern wurde daheim ein Homestudio installiert. So können diese – trotz Social Distancing – gewisse Drehs auch alleine meistern.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Dank effizienten Planungen, klaren Kundenzuweisungen und viel Teamflexibilität eigentlich alle. 

 

Gibt es etwas, was zurzeit sogar einfacher oder produktiver funktioniert?

Ich selber bin tatsächlich fast produktiver, weil weniger abgelenkt. Das gilt wohl aber nicht pauschal; im Team geht es jedem ein wenig anders.

 

Was tun sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?

Ich jogge regelmässig durch die Wälder oder fahre mit dem Monami-Velo – siehe Bild oben – quer durch die Stadt. Zusätzlich habe ich schon früh damit begonnen, jeden Mittag auf dem Monami-Instagram-Kanal live ein sogenanntes Homeoffice-Montagsmaler zu veranstalten. Das macht zünftig Spass.

Montagsmaler

Sorgt für Abwechslung: Jeden Mittag um 12 Uhr gibts auf dem Instagram-Kanal von Monami ein Homeoffice-Montagsmaler. 

 

Hat sich bei Ihnen schon so etwas wie ein Corona-Koller bemerkbar gemacht?

Zwischendurch, ja. Aber die Papa-Vorfreude verdrängt den Koller jeweils schnell wieder. 

 

Was vermissen Sie am meisten am normalen Agenturalltag?

Ganz klar: Die Menschen. 

 

Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur die Krise unbeschadet überstehen wird?

Ein kleiner Schaden macht sich natürlich bemerkbar – manche Kampagnen können aktuell schlichtweg nicht durchgeführt werden und wurden auf Eis gelegt. Zudem weiss wohl noch niemand, wie sich die Rezession dann wirklich auswirkt. Dennoch glaube ich nicht nur, dass wir fast unbeschadet rauskommen, sondern aus der Krise auch ganz viel mitnehmen werden. Und: Guter Content ist wichtiger denn je. 

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Situation?

Unsere flexiblen Strukturen kamen uns sicher zugute. Wir haben für viele grosse Kunden digitale Krisenkommunikation von A bis Z betrieben, entwickelten für andere ganz neue Kampagnen, Leitlinien und Massnahmen praktisch aus dem Nichts. Zudem nutzen wir die Zeit, um strategisch auch intern an schmucken, spannenden Dingen rumzutüfteln und endlich unsere Website komplett zu überarbeiten. Und schliesslich dürfte sich auch das Homeoffice in einem gewissen Rahmen etablieren.

 

Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit der Homeoffice-Situation von Monami zum letzten Mal gelacht?

Das war beim letzten digitalen Teammeeting. Da hatte jemand zu Beginn spontan die Idee, die Zoom-Sitzung verkleidet abzuhalten. Was als Jux gedacht war, wurde Tatsache. Innert zwei Minuten veränderte die ganze Truppe ihr Aussehen. Und zum Abschluss spielte einer auf der Ukulele auch noch «Hakuna Matata». Grosses Kino! 

 

Auch wenn Sie keine Kristallkugel besitzen: Rechnen Sie damit, dass die aktuelle Situation noch lange andauern wird?

Es gibt meiner Meinung nach nicht die eine aktuelle Situation, sondern ganz viele davon. Die akute ist wohl bald vorbei, die Folgen aber werden uns auf vielerlei Arten noch lange begleiten – negativ wie auch positiv. 

 

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Ich masse mir selbstverständlich keine Tipps an. Mir selbst hilft Optimismus und Positivität aber stets. Zudem bin ich, wie angedeutet, überzeugt davon, dass durch die Krise ganz viele Chancen entstanden sind. Aber das gilt wohl nicht für die Branche, sondern letztlich für die ganze Gesellschaft.

Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff. Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Auch die Werbe-, Kommunikations- und Marketingbranche verlagert den Betrieb grossflächig ins Homeoffice. Mit der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» beleuchtet Werbewoche.ch den Berufsalltag in den heimischen vier Wänden.

Alle Folgen im Überblick:

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