Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 25: Jonas Eliassen, Dentsu Aegis Network Switzerland

Jonas Eliassen ist Chief Commercial Officer bei Dentsu Aegis Network Switzerland. In der 25. Folge der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» öffnet er die Türen zu seinem heimischen Arbeitsplatz, den er während der Corona-Krise bezogen hat.

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Jonas Eliassen, aktuell Chief Commercial Officer bei Dentsu Aegis Network Switzerland, davor Geschäftsführer für Carat Switzerland. Seit über 20 Jahren in in der Kommunikationsbranche tätig,  10 Jahre davon als Geschäftsleitungsmitglied.

 

Werbewoche.ch: Wie lange befinden Sie sich schon im Homeoffice?

Jonas Eliassen: Wir haben uns vor sechs Wochen entschieden, alle Mitarbeiter und Tätigkeiten ins Home Office zu verlegen und auf Remote Work umzustellen.

 

Befindet sich Ihr ganzes Unternehmen im Homeoffice?

Mit wenigen Ausnahmen arbeiten alle Mitarbeiter von zu Hause aus. Am Standort Zürich an der Kanzleistrasse sind dies je nach Tag zwischen drei und fünf von über 80 Personen, die den Tag oder einen Teil davon im Büro verbringen, wobei sie sich natürlich strikt an die Sicherheitsvorschriften des BAG halten, was in Anbetracht der Platzverhältnisse auch problemlos möglich ist.

 

Hatten Sie damals bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Nein, das hat keinerlei Probleme bereitet. Der digitale Arbeitsplatz gehörte auch schon vor der Corona-Krise zu unserem Alltag, als internationale Unternehmensgruppe genauso wie als Agentur mit fünf Standorten schweizweit.

 

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Für die vielen virtuellen Meetings habe ich eine Ecke in unserem Schlafzimmer eingerichtet, in der ich ungestört und fernab jeglichen Lärms arbeiten kann. Für alles andere nutze ich den Arbeitsplatz im Wohnzimmer, seltener den Küchentisch oder an schönen Tagen wie heute vor allem unseren Garten.

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Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Zeit, um zuzuhören, Ideen, um voranzukommen und Humor, weil’s lachend leichter geht. Dazu die technische Infrastruktur – Internetleitung, Laptop, Smartphone und Software – meine Berufserfahrung und vor allem: unsere Leute in den Teams, ohne die geht gar nichts.

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Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?

Das war zu Beginn tatsächlich nicht ganz einfach. Unsere Tochter ist 20 Monate alt. Ihr begreiflich zu machen, dass ich zwar zuhause bin, aber nicht den ganzen Tag bei ihr sein kann, das war für uns beide keine leichte Übung. Dabei geholfen hat, dass meine Frau zur Zeit nicht berufstätig ist, und wenn man als Kind so ein tolles Mami hat, das den ganzen Tag für einen da ist, dann kann sich der Papa auch mal unbemerkt zurückziehen.

 

Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Ich habe auch schon vor dem Lockdown zirka alle zwei Wochen einen Tag im Homeoffice gearbeitet, daher war der Arbeitsplatz als solches bereits Routine. Die längere Zeitspanne und der Umstand, dass die ganze Familie in dieser Zeit ebenfalls zuhause ist, das war neu.

 

Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig?

Die definierten Prozesse laufen wie gewohnt, Schwierigkeiten gibt es da keine. Wir haben den informellen Austausch untereinander stärker systematisiert, weil dieser nicht mehr spontan im Büro stattfinden kann. Dies wurde von allen Mitarbeitern und Teams vom ersten Tag an und mühelos angenommen und umgesetzt. Eine starke Leistung von allen, und das ohne vorher geübt zu haben. Sogar unsere Apéros haben wir in den virtuellen Raum verlegt.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Mir ist kein Fall bekannt, bei dem wir die Arbeit nicht wie gewohnt weiterführen konnten. Wir haben sogar virtuell an Pitches teilgenommen und Kunden gewonnen, die wir noch nie persönlich getroffen haben.

 

Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?

Die Denkarbeit fällt mir leichter, wenn ich ungestört bin. Den Rückzugsraum dafür finde ich zwar auch in der Agentur, aber ich kann im Homeoffice oft über längere Zeit konzentrierter arbeiten. Und meine Arbeitszeiten sind noch flexibler, auch das steigert die Produktivität.

 

Was tun sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?

Ich arbeite im Garten oder gehe ein paar Schritte während ich telefoniere.

 

Hat sich bei Ihnen schon so etwas wie ein Homeoffice-Koller bemerkbar gemacht?

Nein, bis jetzt nicht. Aber ich freue mich schon darauf, wenn wieder Normalität einkehrt.

 

Was vermissen Sie am meisten am physischen Berufsalltag?

Das Miteinander fehlt mir am Meisten. Bei aller Faszination für die Möglichkeiten digitaler Technologien, keiner davon gelingt es, ein Gespräch in einer Gruppe von Menschen, die alle physisch vor Ort sind, zu ersetzen.

 

Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur die Krise unbeschadet überstehen wird?

Ja, das bin ich. In finanzieller Hinsicht kommen wir voraussichtlich nicht ohne blaue Flecken davon. Wie gross die sind, wird sich zeigen. Das hängt stark vom weiteren Verlauf der Pandemie und den beschlossenen Massnahmen der Regierungen ab. Andererseits gibt es viel, was wir aus dieser Zeit mit in die Zukunft nehmen: wir sehen, wo wir als digitale Gesellschaft stehen, welchen Nutzen uns neue Technologien bringen, wo sie bereits sinnstiftend oder gewinnbringend eingesetzt werden und in welchen Bereichen noch Nachholbedarf besteht. Diese Erkenntnis ist für uns als Unternehmen langfristig gesehen wertvoller als die – hoffentlich – kurzfristigen wirtschaftlichen Einbussen.

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Kein Arbeitsweg und flexiblere Planung der Arbeitszeit, da bleibt mehr Zeit für die Familie. Ich liebe es! Wir essen gemeinsam zu Mittag, gehen spazieren im Wald und spielen im Garten. Das ist wirklich schön.

 

Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit dem Homeoffice zum letzten Mal gelacht?

Heute Nachmittag, als die Kamera eines Kollegen eingefroren ist, während ihm sein Handy aus den Händen fiel. Der Gesichtsausdruck auf dem Standbild der Kamera bringt mich jetzt noch zum Lachen. Das Handy hat’s übrigens unbeschadet überstanden.

 

Auch wenn Sie keine Kristallkugel besitzen: Rechnen Sie damit, dass die aktuelle Situation noch lange andauern wird?

Da der Bundesrat ja inzwischen bekanntgegeben hat, wie die schrittweise Rückkehr zur Normalität aussehen könnte, hoffe ich, dass wir auch als Unternehmen ab dem 11. Mai langsam aber sicher zum gewohnten Büroalltag zurückkehren können. Auch das vermutlich schrittweise, aber stetig.

 

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Nichts hat je eindrücklicher bewiesen, wie wichtig funktionierende Kommunikation für unsere Gesellschaft ist. Ich denke, dass dies einer der bleibenden Eindrücke aus dieser Zeit sein wird. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft der Kommunikationsbranche.

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