Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 20: Urs Jenni, Jenni Kommunikation

Mit Urs Jenni besuchen wir in unserer Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» erstmals einen waschechten PR-Profi in den eigenen vier Wänden. Er hat Jenni Kommunikation 1993 gegründet und sieht sich nun – über 25 Jahre später – virusbedingt mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

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Urs Jenni Inhaber und Geschäftsführer der PR-Agentur Jenni Kommunikation, die er 1993 gegründet hat. Jenni bezeichnet sich als «aktiven Genussmensch, der sich gerne intellektuellen und kulinarischen Herausforderungen stellt.»

 

Werbewoche.ch: Seit wann befinden Sie sich im Homeoffice?

Urs Jenni: Ab dem 9. März haben wir erste Testläufe gemacht, seit dem 16. März komplett im Homeoffice.

 

Befindet sich Ihre ganze Agentur im Homeoffice?

Wir haben einen Mitarbeiter, der im Office die Stellung hält, ich gehe an den Wochenenden und mindestens jeden zweiten Abend in die Agentur.

 

Hatten Sie bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?

Nein. Die entsprechende Einrichtung erfolgte bei mir zu Hause vor rund zwei Jahren, bei meiner Stellvertreterin wurde der Arbeitsplatz im Q4 2019 eingerichtet und getestet. Lediglich die Bandbreite schwankt zu Hause etwas stark und im Office werden wir anschliessend an die Pandemie sicherlich einige Geräte ersetzen.

 

Wo haben Sie sich eingerichtet?

Ich habe eine Art Mini-Erker in meiner Wohnung, welcher mir als Arbeitszimmer dient. Falls ich mehr Platz brauche oder etwas Aussicht haben möchte, setze ich mich an den grossen Esszimmertisch.

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Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?

Ganz wichtig: einen frischen Saft am Morgen. Nein, im Ernst, Notebook, Kopfhörer, Handy, Block und meinen Yard-O-Led Stift, den ich zur Gründung meiner Agentur vor 27 Jahren geschenkt erhielt, Drucker und Softphone-Client auf dem Notebook sowie einen Tischapparat, welcher direkt ins Office-Netzwerk eingebunden ist. Dazu Videoconferencing-Tools und damit das auch alles richtig funktioniert, eine gute Internetanbindung.

 

Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?

Als Kommunikationsberater sind wir uns Flexibilität gewohnt und arbeiten gelegentlich vom Homeoffice aus. Ich kenne das zudem vom Reisen, dann wird einfach das Hotelzimmer oder ein Kaffeehaus zum Homeoffice. In diesem Masse ist es aber ganz klar eine Premiere.

 

Aufgrund der ersten Erfahrungen: Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig?

Wir sind uns gewohnt, eigentlich jederzeit auf das Wissen im Team zugreifen zu können, da wir normalerweise alle in Sehdistanz zueinander arbeiten. Ein kurzer Blick und es ist klar, ob man jemanden kurz bei der Arbeit unterbrechen und etwas fragen/besprechen kann oder ob man besser zuwartet. Auch Stimmungen sind, wenn man sich so gut kennt, klar ersichtlich. Das fällt im Homeoffice weg und dieser spontane Austausch gestaltet sicher komplizierter.

 

Welche Arbeiten klappen problemlos?

Da gibt es aktuell keine Einschränkungen, es klappt alles reibungslos.

 

Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?

Ich arbeite generell noch konzentrierter, da Unterbrechungen mehrheitlich wegfallen und wir, abgesehen von wenigen ad hoc Fragestellungen, zu festgelegten Zeiten miteinander kommunizieren. Gleiches höre ich vom Team.

 

Was tun sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?

Ich plane Menüs und schaue nach Ideen für neue Gerichte. Weiter habe ich mein Lesezimmer zu einem Mini-Gym umfunktioniert, nutze regelmässig den Hometrainer und schaue mir dazu einen Film an. Hanteln und Yogamatte laden zudem ein, mich kraft- und entspannungstechnisch zu betätigen. Zudem warten rund 20 Bücher darauf, gelesen zu werden. Dazu setze ich mich immer mal wieder auf den Balkon und lese, wenn der Baulärm direkt vor meiner Haustür nicht zu laut ist.

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Was vermissen Sie am meisten am physischen Agenturalltag?

Der spontane Austausch mit dem Team fehlt mir sehr, der wird auch durch die morgendliche Tagesbesprechnung per Videocall und diverse one2one-Gespräche nicht wettgemacht Auch das Gefühl der Betriebsamkeit, die Spannung bei der Ausarbeitung eines Projektes oder Vorschlages für Kunden, das Zusammensitzen für Pitches und sehen, wie unsere Köpfe zu rauchen beginnen. Wir werden aus der Krise Learnings mitnehmen, welche sicherlich zur Optimierung unserer künftigen Arbeit beitragen werden.

 

Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur/Ihr Unternehmen die Krise unbeschadet überstehen wird?

Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob wir eine Erholung der Wirtschaft als V- ,U-, langestreckte U- oder im Worst Case L-Kurve haben werden. Überleben werden wir aus heutiger Sicht bei sämtlichen Szenarien, aber Federn werden wir wohl lassen müssen – je länger die Krise dauert, desto mehr.

 

Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?

Ganz klar eine Entschleunigung. Ich spare mir beispielsweise den Weg zur Arbeit und beginne den Tag weniger angespannt. Und ich mag es sehr, dass ich meinen Gasherd nun richtig oft nutzen kann.

 

Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?

Versuchen Sie, aus der Situation das Beste zu machen und positive Learnings in die Agenturentwicklung einfliessen zu lassen.

 

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