«Ich falle konstant auf Werbung herein»

David Lübke, Creative Director bei Publicis Zürich, stellt sich unseren «13 Fragen».

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1. Wofür möchten Sie am liebsten werben?

Lego. Nicht unbedingt, weil es die herausforderndste aller Aufgaben ist – das sieht man immer wieder an den erfolgreichen globalen Kampagnen, welche die Dänen sicherlich nicht in Auftrag gegeben haben, sondern proaktiv angeboten bekamen. Aber weil Lego meine Leidenschaft ist. Meine Wohnung ist voll davon.

 

2. Welche Werbung sollte man verbieten?

Ein Verbot ginge wohl zu weit, aber ich hatte schon immer grosse Mühe mit Kleinkrediten. Gezielt auf Leute losgehen, die sich eigentlich keinen Kredit leisten können oder sollten, um dann mit dem Kleingedruckten jegliche moralischen und legalen Bedenken von sich zu weisen, ist nichts für mich.

 

3. Fallen Sie auf Werbung herein?

Konstant. Das merke ich immer dann, wenn ich zwischen einem Original und dessen Generikum entscheiden muss. Qualität, auch nur schon deren Wahrnehmung, zieht bei mir einfach. Dabei ist es völlig egal, um welches Produkt oder welche Dienstleistung es sich handelt.

 

4. Wo steht die Schweizer Werbebranche im internationalen Vergleich?

Irgendwo im vorderen Mittelfeld. Dass ich hier nicht sagen kann ganz vorne, hat einerseits mit der Grösse zu tun – die wirklich grossen Etats und Aufträge kommen eher selten zu uns – und andererseits mit der Schweizer Zurückhaltung und unserem Hang zum Understatement. Etwas grösser zu denken würde der ganzen Branche manchmal guttun.

 

5. Schon mal überlegt, die Werbebranche zu verlassen?

Wer nicht? Aber wir leiden in der Branche ja alle am Stockholm-Syndrom und gefallen uns in der Rolle der Unter-Stress-Aufblühenden. Darum werde ich wohl auch noch eine Weile bleiben.

 

6. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?

Wenn alle, die sie hören, zu Recht sagen: «Klar, was denn sonst?» Grosse Ideen sind meist einfach genug, dass man in der Retrospektive gar keine andere Möglichkeit mehr sieht, weil sie komplett selbstverständlich wirken. Natürlich sind solche Ideen nicht immer an der Tagesordnung, umso schöner ist es darum, wenn man sie entdeckt.

 

7. Was halten Sie von Owned Media?

Gut gemacht, können das unheimlich wertvolle Kanäle sein. Allerdings darf Owned Media nicht bloss ein Megafon sein. Viele Firmen und Organisationen nutzen ihre Kanäle für einseitige Kommunikation – und überlegen dabei im Normalfall viel zu viel. Die meisten Marken sollten diese Kanäle nutzen, um ihrer öffentlichen Wahrnehmung eine weitere Facette zu geben, die gut und nahbar rüberkommt, und nicht einfach als zusätzlichen Lautsprecher für die ohnehin stattfindende Unternehmenskommunikation.

 

8. Ein Buzzword, das Ihnen auf die Nerven geht?

Kein Buzzword an sich, aber «Augenzwinkern». Ein Allerweltwort, das in den letzten Jahren gefühlt jeglichen Sinn verloren hat und praktisch schon synonym für alles, was irgendeine Art Humor beinhaltet, verwendet wird.

 

9. Welche Rolle spielen Awards in der Werbebranche?

Grundsätzlich sind Awards eine gute Orientierungshilfe für potenzielle Kunden. Agenturen, die beim ADC, BoSW, bei internationalen Awards, aber natürlich auch beim Effie gross abräumen, kommen schneller ins «relevant set». Natürlich sind aber gerade prestigeträchtige Awards vor allem auch willkommene Gelegenheiten für Ego-Boosts: Wem gefällt es denn schon nicht, wenn Berufskollegen die eigene Arbeit wertschätzen oder gar bewundern?

 

10. Welchen Award würden Sie gerne einmal gewinnen?

Mein Vater hat immer gesagt, es sei ihm egal, ob ich zuerst einen Cannes-Löwen oder Olympiagold gewinne. Demzufolge ist Olympiagold das nächste Ziel. Hoffentlich wird Gamen bald olympisch.

 

11. Wieso entsprechen Sie nicht den gängigen Klischees eines Werbers?

Ich trage Bart und fahre Vespa. Ich denke, die Frage erübrigt sich.

 

12. Welchen Spielfilm haben Sie bisher am häufigsten gesehen?

Das ist ein sich jährlich fortsetzendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Trilogien: «Indiana Jones», «Back to the Future» und «Die Hard». Klassisches 90er-Kind halt.

 

13. Mit welchem Filmtitel lässt sich Ihre bisherige Karriere am besten beschreiben?

Unabhängig vom Inhalt? «Serendipity».

David Lübke …

… ist Creative Director bei Publicis Zürich. Das erste Mal Werbung getextet hat er mit 16 Jahren, bevor er als Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften schrieb – um einige Jahre später dann trotzdem definitiv in der Werbung zu landen. Seit nunmehr zehn Jahren schreibt, konzipiert und realisiert er an der Stadelhoferstrasse grosse Kampagnen für nationale und internationale Kunden.

 

Dieses Interview erschien zuerst in der Werbewoche Printausgabe 1-2/2021.

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