«Meine Frau ist mein kritischer Gradmesser für neue digitale Ideen»

Michael à Porta, Geschäftsführer und Digital Consultant bei Wetalkwithyou, stellt sich unseren «13 Fragen».

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1. Welche Printmedien haben Sie privat abonniert?

Ich freue mich jeden Monat, eine neue Ausgabe vom Magazin Handel Heute in den Händen zu halten. Die Fragestellung, wie der stationäre Handel mit digitalen Konzepten unterstützt werden kann, interessiert und beschäftigt uns bei Wetalkwithyou sehr. Dabei liefert das Magazin immer wieder gute Impulse und spannende Einblicke, welche Themen den Handel beschäftigen.

 

2. Das beste Buch, das Sie in letzter Zeit gelesen haben?

Ich bin ein grosser Fan vom Buch «Conversion-Optimierung – Die sieben Ebenen zur Konversion». Darin zeigt André Morys hervorragend auf, welche sieben gedanklichen Hürden im menschlichen Hirn überwunden werden müssen, damit es zu einem Kaufabschluss kommt. Dieses Modell hilft uns täglich bei konzeptionellen Arbeiten und kann dazu verwendet werden, die Wirksamkeit von Applikationen, Webseiten und Onlineshops zu prüfen.

 

3. Wären Sie nicht Werber geworden – was dann?

Während meiner beruflichen Neuorientierung 2014 – nach sieben Jahren Unic – stand ich kurz vor der Entscheidung, eine Weiterbildung im Bereich «Game Level Designer» zu machen.

 

4. Was war das Beste, das Sie in den letzten fünf Jahren getan haben?

Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich laufend neue, innovative Ideen ausarbeiten und in den meisten Fällen auch in die Realität umsetzen darf. Dabei staune ich immer wieder, was wir in den letzten fünf Jahren alles umgesetzt haben. Zu den Highlights zählen verschiedene Kampagnen für Porsche, bei welchen wir unter anderem einen Porsche Panamera verlost haben, die #zuteuer-Kampagne zum 50. Geburtstag von Denner oder aber auch eine Weihnachtskampagne für Vögele Shoes, bei welcher über 65 000 Teilnehmer mobilisiert werden konnten.

 

5. Was tut Ihnen leid?

Als ich in die Werbebranche gewechselt bin, hat es mich sehr erstaunt, welcher massive Aufwand in einen Pitch investiert wird. Was mir in den vergangenen fünf Jahren wirklich leid tut, sind die unzähligen grossartigen Ideen und das immense Herzblut, welches wir investiert, aber leider nicht gewonnen haben.

 

6. Welche Eigenschaften machen Sie zu einem guten Werber?

Mein – nicht sehr werbertypischer – Werdegang als Wirtschaftsinformatiker ermöglicht es heute, technische Zusammenhänge und digitale Möglichkeiten zu erkennen und diese in unseren Kampagnen einfliessen zu lassen. Diese Fähigkeit, gepaart mit etwas Kreativität, sorgt dafür, dass sich eine Kampagne unterhaltsam, effizient und konsistent über sämtliche On- und Offline-Kanäle ausspielen lässt.

 

7. Was halten Sie von Influencer-Marketing?

Wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, ist Empfehlungsmarketing mitunter eines der effizientesten Werbeinstrumente. Weiter haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass gut umgesetzte Influencer-Kampagnen sehr erfolgreich sein können. Meiner Meinung nach leidet die Disziplin mittlerweile jedoch unter massiven inflationären Tendenzen. Wenn ich Instagram-Profile mit 2000 Followern sehe, bei welchen nacheinandergestellte Wellness-, Uhren- und Auto-Fotos gezeigt werden, frage ich mich tatsächlich, wie zielführend solche Werbebudgets noch eingesetzt werden.

 

8. Hat das klassische Agenturmodell langfristig eine Zukunft?

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und möchten auch in der Arbeitswelt so tätig sein, wie wir es gewohnt sind. «Never change a running system», wie es ein Sprichwort in der Software-Entwicklung schön ausgedrückt. Ich sehe das genauso hinsichtlich des klassischen Agenturmodells. Es wird in fünf Jahren noch Kunden geben, welche eine klassisches Agenturmodell bevorzugen. Nur wird die Kundengruppe immer kleiner, was sich heute schon abzeichnet. Junge, innovative Kunden, die in modernen Unternehmen ihr Handwerk gelernt haben, sind sich agile Prozesse (gestützt durch digitale Instrumente) gewohnt und werden auch in Zukunft so arbeiten wollen.

 

9. Was wird aktuell überschätzt?

Als Technik-Fan faszinieren mich AR- und VR-Applikationen. Solche Anwendungen können zum passenden Use Case einen enormen Mehrwert bieten und werden unser Interaktionsverhalten in Zukunft enorm prägen. Hinsichtlich einer Werbekampagne muss der Anwendungsfall schon sehr speziell sein, damit sich eine entsprechende – meist sehr kostenintensive – Applikation lohnt. Zudem bin ich der Meinung, dass in Werbekampagnen eingebettete AR- und VR-Applikationen nur bei einer sehr eingeschränkten Zielgruppe für Aufmerksamkeit sorgen und die Aufmerksamkeitsspanne nach kürzester Zeit erschöpft ist. Kaum ist die Neugier (was in der Applikation versteckt ist) gestillt, ist der Anwendungsfall nicht mehr interessant.

 

10. Was wollen Sie unbedingt noch erreichen?

Seit der Gründung von Wetalkwithyou versuchen wir, unsere digitalen Konzepte nicht nur für Desktop oder Handy-Devices zu entwickeln, sondern experimentieren mit alternativen Oberflächen wie Schaufenstern, Tischen, Spiegeln oder Plakatstelen, die wir mit Touch-Funktionalität ausstatten. Dabei konnten wir einige sehr spannende Projekte umsetzen und ich hoffe, dass wir zukünftig mit unserem Partner Christinger noch viele interaktive Digital-Signage-Umsetzungen realisieren können.

 

11. Welches war die beste Entscheidung Ihres Lebens?

Als ich mein Studium an der Universität Zürich angetreten habe, wollte ich ursprünglich Wirtschaft studieren. Nach den ersten zwei Wochen machte sich eine leichte Unsicherheit spürbar, ob ich die richtige Studienrichtung eingeschlagen habe. Durch einen Schulkollegen aus dem Gymnasium liess ich mich für eine Vorlesung in Java-Programmierung überreden, was mein Leben in beruflicher Hinsicht schlagartig verändert hat. Eine grosse Leidenschaft entbrannte, obschon ich zu diesem Zeitpunkt maximal wusste, wie sich ein Textverarbeitungsprogramm auf dem PC öffnen
lässt.

 

12. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?

Meine Frau beobachtet die rasante Digitalisierung unserer Gesellschaft sehr kritisch und lässt sich für entsprechende Themen nur schwer begeistern. Sie ist mein kritischer Gradmesser für neue digitale Ideen. Wenn ich ihr ein Lächeln abringen kann, verfolge ich eine Idee mit Sicherheit weiter.

 

13. Wo sehen Sie aktuell die grösste Herausforderung für die Werbebranche?

Klassische Werbeagenturen arbeiten teilweise seit mehr als zehn Jahren sehr intensiv daran, ihre digitale Kompetenz
über Inhouse-Abteilungen oder Kooperationen mit Digitalagenturen sicherzustellen. Dabei treffen oft zwei – menschlich und fachlich – unterschiedliche Welten aufeinander, die mehr schlecht als recht zusammenarbeiten. Diesen Umstand sieht man meiner Meinung nach vielen Werbekampagnen an. Aus Pflichtbewusstsein werden die digitalen Kanäle ebenfalls abgedeckt, es lässt sich aber kein gemeinsames Fundament erkennen, welches die nahtlose Verknüpfung der On- und Offline-Kanäle sicherstellt. Ich denke, diese Problematik muss in den nächsten Jahren gelöst werden. Es gilt, interdisziplinäre Teams zu schaffen, welche die Kompetenzen aus beiden Welten abdecken und gut, beziehungsweise eng und nahtlos zusammenarbeiten. Dadurch werden gute «Noline-Konzepte» entstehen, die nicht mehr in separaten Silos on- und offline denken. Wir befinden uns in der sehr eingespielten Zusammenarbeit mit ViznerBorel ebenfalls in diesem Transformationsprozess. Es wird ein konsolidiertes Agenturmodell angestrebt, bei welchem sämtliche Fachabteilungen von der Strategie über die Beratung bis hin zur Kreation oder Mediaplanung aus Online- und Offline-Fachspezialisten bestehen. Es soll zukünftig nicht mehr in separaten On- und Offline-Abteilungen, sondern in zusammengelegten und eingespielten Teams gearbeitet werden.

Michael à Porta ist 1978 geboren und hat an der Universität Zürich Wirtschaftsinformatik studiert. Über verschiedene Stationen als Applikationsentwickler ist er 2007 zur Internetagentur Unic gestossen, bei welcher er während sieben Jahren als Projektleiter und Berater verschiedensten Kunden wie PKZ, Pfister, Interdiscount, Microspot, Hornbach, Manor oder Transa beim Einstieg in den Onlinehandel geholfen hat. 2014 hat ein Wechsel von techniklastigen IT-Grossprojekten ins Marketing stattgefunden. Dabei hat er mit der Werbeagentur ViznerBorel die Digitalagentur Wetalkwithyou gegründet.

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