«Ad-Blocker sind nur ein kurzer Boxen­stopp»

Tobias Fueter, Regisseur und Mitinhaber der Zürcher Filmproduktionsfirma Stories, spricht in unserer Serie «13 Fragen an...» über Storytelling, Strassenhunde und seine angestrebte Work-Life-Balance.

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1. Sie könnten Ihr Smartphone einen Tag lang mit dem einer anderen Person tauschen. Würden Sie? Und falls ja, mit wem?
Steven Spielberg. Was er allerdings mit meinem Handy anfangen soll, ist mir schleierhaft.

2. Wofür würden Sie gratis arbeiten?
Das tue ich schon: für unsere Hunde-Charity City­dogs4Streetdogs, bei der meine Frau und ich zusammen mit einem unermüdlichen Freiwilligen-­Team rumänischen Strassenhunden ein neues, glückliches Zuhause finden.

3. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?
Unehrlichkeit. Missgunst. Untätigkeit. Letztere ist eine echte Plage. Wir versuchen mit unseren Partnern und Kunden immer schnell auf den Punkt zu kommen. Für mich gibt es nichts Schlimmeres als Meetings, in denen taten- und ziellos um den heissen Brei geredet wird.

4. Gab es in Ihrem Leben einen Moment, als Sie dachten: Wow. Das ist super. Und es ist von mir!
Mein (noch unvollendetes) Hochzeitsvideo.

5. Was tut Ihnen leid?
Wenn ich Menschen mit meiner manchmal direkten Art vor den Kopf stosse.

6. Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?
Mit neuen Erzählformen wie Virtual Reality bricht eine neue Ära des bewegten Bildes an. Eine unterhaltsame und für den Kunden relevante Story sowie das entsprechend hochstehende Handwerk sind entscheidend, um im Content-Überfluss wahrgenommen zu werden. Das ist für uns vor allem eine Chance.

7. Fallen Sie auf Werbung herein? Wann?
Wir alle fallen auf Werbung herein. Immer und überall. Sonst wäre ich arbeitslos.

8. Ein Buzz-Wort, das Ihnen auf die Nerven geht?
Eines, das mir nicht auf die Nerven geht, aber unverständlicher­weise zu einem Buzz-Wort ge­worden ist: Storytelling. Wenn Storytelling nur ein Buzz-Wort und somit ein kurzfristiger Hype ist, dann mache ich mir über zukünftige Werbespots ernsthafte Sorgen.

9. Wo und wie haben Sie in Ihrem Leben schon einmal geblufft?
Am Pokerturnier-Tisch.

10. Was wollen Sie unbedingt erreichen?
Eine Work-Life-Balance, bei der ich genügend Zeit mit Frau und Familie verbringe und gleichzeitig Filme produziere, die Menschen ans Herz gehen.

11. Welche Rolle spielen Awards in der Werbebranche?
Awards dienen als gute Gradmesser, wo wir mit Stories im Markt stehen. Nicht zu unterschätzen sind ausserdem Craft-Awards. Sie ermöglichen die Wertschätzung von Kreativen, die meist eher im Hintergrund agieren.

12. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?
Wenn ich beim ersten Lesen überrascht werde oder ganz einfach spontan Lust auf die Um­setzung kriege, ist meistens was dran.

13. Was halten Sie von Ad-Blockern?
Sie sind eine gute Sache. Sie zwingen uns, Werbung so unterhaltsam und innovativ zu präsentieren, dass der Konsument sie gar nicht blockieren will. Ad-Blocker sind also nur ein kurzer Boxen­stopp auf dem Weg zu innovativeren Werbeformen mit produktrelevantem, emotionalem (Achtung Buzz-Wort!) Storytelling.

Tobias Fueter ist Regisseur und Mitinhaber der Zürcher Filmproduktionsfirma Stories. Er realisiert seit 2010 gemeinsam mit seinem Team einen wachsenden Teil der Fernsehwerbung in der Schweiz. Fueter wurde das Filmemachen in die Wiege gelegt: Als Spross der Filmdynastie Fueter und Sohn von Filmproduzent Peter-Christian Fueter gründete er Stories zusammen mit Produzent Yves Bollag und Filmmusikkomponist Adrian Frutiger. Bei ihren preisgekrönten TV-Kampagnen und Werbefilmen für nationale und internationale Kunden setzen sie erfolgreich auf Branded Entertainment und emotionales Storytelling.

Die «13 Fragen» erscheinen sowohl Online wie auch in der Printausgabe der Werbewoche

Umsetzung 13 Fragen: Thomas Häusermann

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