Mediale Versorgung von Italienischbünden laut Studie ungenügend

Die Qualität der medialen Versorgung in Graubünden ist gemäss einer aktuellen Studie nicht in allen drei Sprachregionen gleich gut. Als kritisch beurteilt wird das Angebot an regionalen Informationen in italienischer Sprache.

Die am Donnerstag veröffentliche Studie über die Lage der Medien und über die Medienförderung in Graubünden wurde auf einen Beschluss des Bündner Grossen Rates hin erstellt. Die Kantonsregierung beauftragte damit Medienwissenschaftler der Universität St. Gallen und der Fachhochschule Graubünden.

Grundsätzlich sei in Graubünden die Abdeckung mit Nachrichtenmedien in allen drei Sprachen «immer noch gut», lautet das Fazit der Studienautoren. Unzureichend sei aber die Versorgung von Italienischbünden mit Informationen über das Geschehen im Kanton. Das habe eine Befragung unter Vertretern der italienischsprachigen Bündner Medien ergeben.

Zu wenige Nachrichten aus Südbünden

RSI, das Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz, bietet demnach ungenügend regionale und lokale Information aus den drei italienischsprachigen Tälern Südbündens. Ähnlich negativ wird in der Studie der regionale italienischsprachige Beitrag des Bündner Medienhauses Somedia bewertet.

Die Lücke im Puschlav, Bergell und Misox würden drei Online-Portale und die italienische Wochenzeitung Il Grigione Italiano zu füllen versuchen, heisst es. Zudem bestehe eine 50 Prozent-Redaktionsstelle für italienischsprachige Nachrichten bei der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Letztere wurde 2017 im Auftrag des Kantons Graubünden eingerichtet und wird über die Sprachenförderung von Bund und Kanton finanziert.

Die Einführung der italienischsprachigen Regionalredaktion bei Keystone-SDA habe die Nachrichtensituation zwar erheblich verbessert, schreiben die Medienwissenschaftler. Die Teilzeitstelle reiche aber noch nicht aus, um eine gute Abdeckung mit italienischsprachigen Nachrichten auf kantonaler, regionaler und lokaler Ebene zu erreichen.

Ausbau der italienischsprachigen Nachrichten

Um die mediale Versorgung Italienischbündens in dessen angestammter Sprache zu verbessern, schlagen die Studienautoren vor, die Keystone-SDA Stelle auf 100 Prozent auszubauen. Zudem sollen die italienischsprachigen Online-Portale Ilbernina.ch, Ilmoesano.ch und Labregaglia.ch finanziell direkt unterstützt werden. Empfohlen wird auch eine Erneuerung von deren Online-Infrastruktur.

Die obigen Massnahmen könnten gemäss den Medienwissenschaftlern auch zusammengeführt werden in der Bildung einer italienischsprachigen Agentur. Diese könnte nach dem Vorbild der Fundaziun Medias Rumantschas (FMR) gestaltet werden, welche die rätoromanischen Medien mit journalistischen Inhalten beliefert. Noch weiter geht der Vorschlag, eine romanisch-italienische Redaktion oder Agentur zu gründen und finanziell zu unterstützen.

Rätoromanische FMR mit guten Ergebnissen

Die Kooperation der FMR mit den romanischen Zeitungen und dem rätoromanischen Radio und Fernsehen RTR wird in der Studie als «gut und ausreichend» taxiert. Dieser Meinung ist auch die Bündner Regierung, wie sie am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Die Exekutive sieht in dieser Zusammenarbeit den Schlüssel zur «zufriedenstellenden Situation» bei den romanischen Medien.

Die Regierung will bei der Medienförderung auch in Zukunft ihren Fokus auf die beiden kantonalen Sprachminderheiten legen. Sie hat das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement (Ekud) beauftragt, einen Vorschlag zur Verbesserung der medialen Versorgung der italienischsprachigen Bevölkerung auszuarbeiten.

Nach der eidgenössischen Volksabstimmung vom 13. Februar über mehr staatliche Medienförderung soll das Ekud die weiteren Vorschläge der Studie prüfen. Es handelt sich etwa um die finanzielle Unterstützung der digitalen Transformation von Medien oder um die Ausbildung von journalistischem Nachwuchs im Kanton. (SDA)

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